„Müssen die Flucht aus dem Pflegeberuf unbedingt stoppen“– Deutsche Experten

© AP Photo / Morris Mac Matzen84-jährige Karin Sievers wird von Arzt Dirk Heinrich im Altersheim "Hospital zum Heiligen Geist" in Hamburg mit der Pfizer-BioNTech-COVID-19-Vakzine geimpft
84-jährige Karin Sievers wird von Arzt Dirk Heinrich im Altersheim Hospital zum Heiligen Geist in Hamburg mit der Pfizer-BioNTech-COVID-19-Vakzine geimpft - SNA, 1920, 14.03.2021
Deutsche Intensivmediziner und Pflegeexperten befürchten, dass sich der Personalmangel auf Intensivstationen massiv zuspitzt: Viele Pflegende seien vollkommen überlastet - etwa ein Drittel denke daran, den Beruf zu wechseln. Das teilte die Deutsche Presse-Agentur am Sonntag mit.
„Die Krise der deutschen Pflege hat sich durch die Corona-Pandemie jetzt noch einmal erheblich verschärft und wird sich weiter verschärfen“, sagte Gernot Marx, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), gegenüber den Zeitungen der Funke Mediengruppe.
„Wir müssen die Flucht aus dem Pflegeberuf unbedingt stoppen.“
In der beginnenden dritten Welle der Pandemie hielten die Pflegenden derzeit aus Pflichtgefühl noch durch, die Frage sei aber, was danach komme, warnte Marx. Laut einer aktuellen Umfrage überlegten rund 32 Prozent der Pflegenden derzeit, aus dem Beruf auszusteigen.
Der Pflegebeauftragte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, zeigt sich ebenfalls besorgt. Aufgrund der momentanen Arbeitsbedingungen spielten zahlreiche Pflegende mit dem Gedanken, aus ihrem Beruf auszusteigen, sagte Westerfellhaus den Funke-Zeitungen.
„Das hätte katastrophale Folgen für unsere Gesundheitsversorgung“, warnte er.
Der Präsident des Deutschen Pflegerates und Geschäftsführer des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe, Franz Wagner, hatte zuvor ein Einstiegsgehalt von 4000 Euro für Pflegefachkräfte gefordert. Die Corona-Krise hat ihm zufolge viele Pflegekräfte an den Rand des Leistbaren gebracht.
„Die Erschöpfung geht bei einigen so tief, dass sie unter posttraumatischen Erschöpfungszuständen leiden. Viele denken daran, ihren Beruf aufzugeben“, so Wagner.

Deutschland verliert tausende Pflegekräfte

Seit Beginn der Corona-Pandemie hat Deutschland nach Angaben der Zeitungen der Funke Mediengruppe, die sich auf bislang unveröffentlichte Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA) berief, tausende Pflegekräfte verloren. Zwischen Anfang April und Ende Juli 2020 ging demnach die Zahl der Pflegebeschäftigten um mehr als 9000 zurück. Das war ein Rückgang um 0,5 Prozent. Insgesamt waren in Deutschland zuletzt etwa 1,8 Millionen Menschen in der Pflege tätig.
Ein Rollstuhl (Symbolbild) - SNA, 1920, 09.03.2021
Corona-Pandemie: Deutschland verliert tausende Pflegekräfte – Medien
Besonders von dem jüngsten Rückgang betroffen war laut dem Medienbericht die Krankenpflege in den Kliniken. In der ersten Hochphase der Corona-Krise betrug demnach das Minus bei den Beschäftigtenzahlen 5124. In der Altenpflege soll die Zahl der Beschäftigten zwischen Anfang April und Ende Juli um 3885 zurückgegangen sein.
Zuvor hatte der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach in einem Gespräch mit dem Westdeutschen Rundfunk (WDR) die Auffassung vertreten, dass eine dritte Corona-Welle nicht mehr zu verhindern sei. „Das wird insbesondere die Altersgruppe der 50-80-Jährigen treffen“, sagte er.
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