Männer und Blutgruppe A besonders gefährdet? Virologin analysiert neuste Studienergebnisse

© SNA / Ramil SitdikowCorona-Antikörpertest
Corona-Antikörpertest - SNA, 1920, 11.03.2021
Für den Podcast Coronavirus-Update bei NDR Info hat Virologin Sandra Ciesek interessante Studienergebnisse zusammengetragen. In der aktuellen Ausgabe geht es darum, ob bestimmte Bevölkerungsgruppen, abgesehen von hohem Alter oder Vorerkrankungen, ein höheres Risiko für eine Infektion oder einen schweren Verlauf haben.
Zunächst geht es um die Frage, ob Männer stärker gefährdet sind als Frauen. Bei einer etwa gleich großen Wahrscheinlichkeit, an Covid-19 zu erkranken, gebe es Hinweise darauf, dass Männer ein erhöhtes Sterblichkeitsrisiko hätten. So seien in Deutschland in der Altersgruppe zwischen 40 und 69 Jahren etwa doppelt so viele Männer als Frauen an der Erkrankung gestorben, sagt Virologin Ciesek. Eine in der Fachzeitschrift „Nature Communications“ veröffentlichte Meta-Analyse, in der Daten aus über 20 Ländern verglichen worden seien, bestätige, dass die Mortalität bei Männern um ein bis zwei Drittel höher sei. Ebenfalls sei die Wahrscheinlichkeit für Männer um 20 Prozent höher, ins Krankenhaus eingeliefert zu werden.
Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen würden Männer statistisch gesehen häufiger rauchen und Alkohol trinken, so die Medizinerin. Zum anderen hätten Frauen genetisch und hormonell bedingt ein stärkeres Immunsystem.
Andererseits würden Frauen häufiger lokale Nebenwirkungen, wie teils starke Schwellungen und Rötungen, an der Einstichstelle nach einer Impfung mit einem mRNA-Corona-Impfstoff haben, wie eine aktuelle Publikation im „New England Journal of Medicine“ nahelege. Die beschriebenen Nebenwirkungen könnten jedoch gut mittels Kühlung und Antihistaminika gelindert werden.
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Momentan kein Grund für Sorge

Schon früh in der Pandemie ist die Frage diskutiert worden, ob bestimmte Blutgruppen Menschen anfälliger für das Virus machen. In Deutschland hatten Untersuchungen gezeigt, dass viele der infizierten Blutgruppe A hatten. Eine in der Medizin-Zeitschrift „Blood Advances“ erschienene US-amerikanische Studie habe versucht festzustellen, ob es da einen möglichen Zusammenhang gibt. „Da haben sie gesehen, dass es zu einer vermehrten Bindung der Rezeptorbindedomäne vom Virus an die Blutgruppe-A-Antigene kommt“, erklärt Virologin Ciesek. „Sie haben es so interpretiert, dass wahrscheinlich bei der Blutgruppe A das Virus leichter in die Zellen gelangen kann.“ Diese ersten Ergebnisse bedürften jedoch weiterer Experimente. Momentan sehe sie keinen Grund, weswegen sich Menschen mit Blutgruppe A vermehrt Sorgen machen müssten.
Abschließend geht Ciesek noch der Theorie nach, dass neben Mund und Nase auch die Augen eine Eintrittspforte für das Virus sein könnten. Ganz auszuschließen sei das nicht, denn die Augen seien über den Tränenkanal mit dem Nasen-Rachenraum verbunden. Jedoch wiesen sie nur wenige Eintrittsrezeptoren auf und bei Patienten haben Untersuchungen in der Tränenflüssigkeit bislang wenig bis gar keine Viren nachweisen können.
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