„Exodus erfahrener Krankenpfleger“ wegen Corona-Stress – Weltverband warnt

© AFP 2022 / STEFANIE LOOSKrankenpflegerin in einem Berliner Altersheim
Krankenpflegerin in einem Berliner Altersheim - SNA, 1920, 11.03.2021
Die Pandemie setzt Pflegekräfte unter enormen Druck. Die Zahl der Personen, die ihren Beruf verlassen wollen, hat stark zugenommen, teilt der „Weltbund Krankenschwestern und Krankenpfleger“ (ICN) in Genf mit. Dieser Trend wird in fast jedem fünften der befragten Länder beobachtet.
Der „Weltbund Krankenschwestern und Krankenpfleger“ geht davon aus, dass die Arbeitslast, die mangelhafte Ausstattung der Kliniken, die Gefahr eines Burnouts und Stress die Ursachen für einen „Exodus erfahrener Krankenpfleger“ seien. „Die Belastung, unter der Pflegekräfte stehen, ist inakzeptabel, und es ist keine Überraschung, dass so viele den Druck spüren und entscheiden, dass sie in ihren geliebten Jobs nicht mehr weitermachen können“, sagt die Präsidentin des Verbands Annette Kennedy.
Auch die hohe Zahl der Toten stelle eine Belastung für die Berufsgruppe dar. Nach Einschätzung des ICN sind weltweit rund 3000 Krankenschwestern und -pfleger an oder mit Covid-19 gestorben. Aufgrund mangelnder Daten sei dies eher eine grobe Untertreibung. Der Weltverband zählt 130 Mitgliedsländer.
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Durch den strukturellen Engpass werde zudem die Personalsituation verschlimmert. Schon zu Beginn der Pandemie habe es weltweit an sechs Millionen Pflegekräfte gefehlt. Bis 2030 erwartet der Verband, dass weitere vier Millionen von ihnen altersbedingt ausscheiden. Da aktuell etwa 27 Millionen Pflegerinnen und Pfleger tätig seien, bedeute dies einen enormen personellen Verlust. „Dies sollte ein Weckruf für die Regierungen sein, in Jobs, Ausbildung und Führung in der Krankenpflege zu investieren, bevor es zu spät ist“, warnt die ICN. Allerdings würde es drei Jahre dauern bis diese voll einsatzfähig seien.
Der ICN fordert bessere Löhne und Arbeitsbedingungen, flexible Arbeitsregelungen insbesondere für ältere Fachkräfte und Unterstützung bei der Bewältigung der Traumata des vergangenen Jahres. Weltweit seien Krankenschwestern bis zum Äußersten strapaziert worden. „Wir haben immer noch die Chance, sie zu schützen, aber die Zeit ist knapp: Es ist eine Minute vor Mitternacht und die Uhr tickt“, mahnt ICN-Vorstandschef Howard Catton.
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