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EMA entscheidet über Impfstoff Nummer Vier

© REUTERS / Dado RuvicCorona-Impfstoff vom US-Hersteller Johnson & Johnson (Symbolbild)
Corona-Impfstoff vom US-Hersteller Johnson & Johnson (Symbolbild) - SNA, 1920, 11.03.2021
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Viele Impf-Kampagnen in Europa verlaufen schleppend. Jetzt kann Verstärkung kommen. Der Impfstoff des US-Herstellers Johnson & Johnson soll heute in der Europäischen Union zugelassen werden.
Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) wird am Donnerstag voraussichtlich den Weg für den vierten Corona-Impfstoff in der EU freimachen. Es wird erwartet, dass die Behörde mit Sitz in Amsterdam die Zulassung des Impfstoffes des US-Herstellers Johnson & Johnson empfehlen wird. Dann muss zwar noch die EU-Kommission zustimmen – doch das gilt als Formsache und könnte noch am selben Tag erfolgen.
Die EU-Kommission hatte bereits im vergangenen Jahr bei Johnson & Johnson Impfdosen für 200 Millionen Menschen bestellt. Davon würde Deutschland 36,7 Millionen erhalten. Allerdings gibt es Befürchtungen, dass das Unternehmen nicht rechtzeitig liefern könne. Der Hersteller sicherte zu, dass er sich an die Absprachen halten und ab April liefern werde.
Impfdosen von Sputnik V - SNA, 1920, 09.03.2021
„Sputnik-V“-Entwickler fordern Entschuldigung von EMA-Vorstandschefin

Johnson & Johnson mit Pluspunkten

Der Impfstoff wurde in den Niederlanden von der Johnson-Tochter Janssen entwickelt. Er hat große Vorteile gegenüber den bisher zugelassenen Präparaten von Pfizer/Biontech, Moderna und Astrazeneca. Der wichtigste: Er muss nur einmal gespritzt werden. Das Präparat muss auch nicht tiefgefroren aufbewahrt werden. Kühlschranktemperatur reicht aus.
Deshalb ist er aus Sicht der Entwicklungsorganisation One auch sehr gut für ärmere Länder geeignet.

„Der neue Impfstoff von Johnson & Johnson kann eine echte Wunderwaffe gegen die Pandemie werden.“

Karoline Lerche
Stellvertretende Deutschlanddirektorin gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND)
Der Hersteller müsse alles dafür tun, dass die ganze Welt Zugang erhalte.
Die Wirksamkeit liegt nach Angaben des Herstellers bei etwa 66 Prozent. Doch bei einer schweren Covid-19-Erkrankung lag der Schutz in den Studien bei mehr als 85 Prozent – und das gilt auch für Ältere. Das Vakzin, das bereits vor rund zwei Wochen in den USA zugelassen worden war, soll auch gegen Virus-Varianten effektiv sein.

EMA prüft seit Wochen

Die Experten der EMA hatten die Forschungs- und Test-Daten bereits seit Wochen nach dem sogenannten Rolling-Review-Verfahren bewertet. Dabei werden Forschungsergebnisse geprüft, noch bevor alle Studien abgeschlossen und ein Zulassungsantrag gestellt wurde. Das Verfahren ist deutlich schneller, ist aber nach Angaben der EMA ebenso gründlich. Es würden keine Abstriche bei den Sicherheitsstandards gemacht, bekräftigt die EU-Behörde.
Die EMA entscheidet zunächst über eine bedingte Marktzulassung. Das heißt, dass der Hersteller verpflichtet ist, auch danach noch Daten etwa zur Langzeitwirkung zu übermitteln. Diese werden ebenso wie Angaben zu möglichen Nebenwirkungen weiterhin geprüft.

Vektorimpfstoff mit milden Nebenwirkungen

Die Nebenwirkungen, die einige Versuchspersonen gemeldet hatten, waren nach Angaben des Herstellers milde: Kopfschmerzen, Fieber, Müdigkeit, Muskelschmerzen und Rötungen an der Einstichstelle.
Das Präparat ist ein sogenannter Vektorimpfstoff. Dabei wird einem harmlosen Erkältungsvirus ein kleiner Teil des genetischen Codes des Coronavirus zugefügt. Nach der Impfung soll der Körper dann Antikörper und Abwehrzellen bilden. Die kommen dann in Aktion, sobald eine Infektion mit dem echten Coronavirus erfolgte. Auch das Astrazeneca-Vakzin und „Sputnik V“ sind so aufgebaut.
US-Präsident Biden bestätigte, dass die USA bei Johnson & Johnson weitere zusätzliche 100 Millionen Impfdosen bestellen wollen.
„Falls wir einen Überschuss haben, dann teilen wir ihn mit dem Rest der Welt“
US-Präsident Joe Biden - SNA
Joe Biden
US-Präsident
Die US-Regierung machte zunächst keine Angaben, bis wann diese zusätzlichen Dosen geliefert werden sollen. Der US-Pharmakonzern Merck hat sich bereiterklärt, den Impfstoff seines Konkurrenten zu produzieren, um das Angebot zu erhöhen. Die US-Regierung unterstützt den Deal finanziell.
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