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Mieten steigen drastisch – nicht nur in Großstädten

© CC0 / Th_G / PixabaySchwarzwald in Baden-Württemberg (Archivbild)
Schwarzwald in Baden-Württemberg (Archivbild) - SNA, 1920, 10.03.2021
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Nicht nur in Großstädten steigen die Mieten: Auch in Klein- und sogenannten Mittelstädten stiegen sie stark in den letzten fünf Jahren. Am meisten zahlen die Mieter in Mittelstädten in Baden-Württemberg. Am preiswertesten wohnt es sich noch immer in Ostdeutschland, wenn auch nicht mehr überall.
Mittelstädte versprechen eine gute Infrastruktur und viele Einkaufsmöglichkeiten ohne die hohen Mieten und den Lärm einer Großstadt. Laut einer aktuellen Untersuchung von „Immowelt“ für Wohnungen mit 40 bis 120 Quadratmetern ist günstiger Wohnraum in Städten mit 50.000 bis 100.000 Einwohnern aber keine Selbstverständlichkeit mehr. In 97 von 110 deutschen Mittelstädten sind die Angebotsmieten in den vergangenen fünf Jahren im zweistelligen Prozentbereich gewachsen, in 31 davon gar um mehr als 25 Prozent. In rund der Hälfte der Mittelstädte wird der Quadratmeter bereits für acht Euro oder mehr angeboten. Vor fünf Jahren erreichte nur ein Fünftel der Städte dieses Niveau.

Bis zu 12,70 Euro pro Quadratmeter: Teures Baden-Württemberg

Die höchsten Preise müssen Mieter in Baden-Württemberg bezahlen. In Konstanz werden 12,70 Euro pro Quadratmeter verlangt – das ist der höchste Wert der Untersuchung und 14 Prozent mehr als vor fünf Jahren. In Tübingen müssen Interessenten durchschnittlich mit 12,40 Euro (+27 Prozent) pro Quadratmeter kalkulieren und in Sindelfingen mit 12,10 Euro (+30 Prozent). Unter den Top 10 der teuersten deutschen Mittelstädte sind acht aus Baden-Württemberg. Der höchste Anstieg der Untersuchung ist ebenfalls dort: In Aalen verteuerte sich der Quadratmeter um 43 Prozent auf 10,00 Euro.
Das hohe Mietniveau im südwestlichsten Bundesland lässt sich mit der guten wirtschaftlichen Lage erklären: Bodensee und Schwarzwald sind beliebte Ferienregionen und boten vor Corona viele Jobs im Tourismus- und Freizeitsektor. Viele Mittelstandsunternehmen und die beiden DAX-Konzerne, der Autohersteller Daimler und die Software-Firma SAP, sorgten zuletzt für eine gute Konjunktur – Baden-Württemberg hat nach Bayern die zweitniedrigste Arbeitslosenquote aller Bundesländer. Die hohe Nachfrage nach Wohnraum hat auch außerhalb der Ballungsregion Stuttgart die Mieten steigen lassen. Daher ist das Thema auch im Wahlkampf für die Landtagswahl am kommenden Sonntag relevant. Alle im Landtag vertretenen Parteien haben die Bereitstellung von bezahlbarem Wohnraum als Ziel im Wahlprogramm stehen.
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Rheinland-Pfalz: Angebotsmieten um die 8 Euro pro Quadratmeter

Im benachbarten Rheinland-Pfalz wird am Sonntag ebenfalls ein neues Landesparlament gewählt: Im Wahlkampf spielte das Thema Mieten indes nur eine nachrangige Rolle – wohl auch, weil das Niveau dort tendenziell deutlich niedriger ist. In Speyer wird der Quadratmeter derzeit für 8,10 Euro angeboten. Das entspricht einem Wachstum von sieben Prozent im Vergleich zu 2015. In Bad Kreuznach sind die Preise zwar um 29 Prozent gestiegen, liegen aber bei verhältnismäßig moderaten 8 Euro pro Quadratmeter. Genauso teuer ist Neustadt an der Weinstraße, wo ein Zuwachs von 19 Prozent vorliegt.

Anstiege nicht nur in der Nähe von Ballungsräumen

Von starken Anstiegen in den vergangenen fünf Jahren sind unter anderem Mittelstädte in der Nähe von Ballungszentren betroffen. In Aschaffenburg kletterte der Durchschnittspreis um 32 Prozent auf 10,30 Euro, in Hanau um 30 Prozent auf 9,90 Euro – beide liegen unweit von Frankfurt am Main.
Allerdings gibt es auch Mittelstädte, in denen das Preisniveau nicht durch die Nähe zu Großstädten getrieben wird. Um jeweils rund ein Drittel stieg der Quadratmeterpreis seit 2015 im nordrhein-westfälischen Eschweiler (7,30 Euro), im baden-württembergischen Ravensburg (11 Euro) oder im niedersächsischen Nordhorn (7,80 Euro).

Zweigeteilter Osten: Anstieg in Unistädten und günstigste Mittelstädte

Ein zweigeteiltes Bild zeigt der Mietmarkt in den ostdeutschen Bundesländern. In Mittelstädten, die regionale Oberzentren und meist auch Hochschulstandorte sind, zieht das Niveau an: In Greifswald werden 8,50 Euro (+9 Prozent) erreicht, in Weimar 7,80 Euro und in Stralsund 7,10 Euro (je +13 Prozent). Bessere Jobaussichten und die Universitäten zogen dort vor Corona beständig neue Bürger an, was die Nachfrage nach Wohnraum und in der Folge die Mietpreise wachsen ließ.
Andererseits gibt es im Osten die günstigsten Mittelstädte in der Analyse: Im thüringischen Gera wird der Quadratmeter für 5,20 Euro (+8 Prozent) angeboten. Im sächsischen Görlitz für 4,70 (+4 Prozent) und in Plauen für 4,60 Euro – trotz eines Zuwachses von sieben Prozent weiterhin der niedrigste Wert der Untersuchung. In diesen Mittelstädten stagnieren die Einwohnerzahlen oder sind gar rückläufig, weil die Berufsaussichten gerade für jüngere Menschen oftmals schlechter sind. So bleibt die Nachfrage nach Wohnraum gering und sorgt für anhaltend niedrige Mietpreise.
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