Nicht Deutsche Telekom, sondern US-Konzern IBM soll digitalen Impfpass entwickeln

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Logo vom IT-Konzern IBM - SNA, 1920, 10.03.2021
Das Bundesgesundheitsministerium will den US-Konzern IBM mit der Entwicklung des geplanten digitalen Impfpasses beauftragen. Unterstützt werden soll der Technologieriese dabei von drei deutschen IT-Firmen. Die ursprünglich für den Großauftrag als Favorit gehandelte Deutsche Telekom ging leer aus.
Neben IBM werden das deutsche Softwareunternehmen Ubirch, die IT-Genossenschaft Govdigital und der IT-Dienstleister Bechtle am geplanten digitalen Impfpass für Deutschland mitarbeiten, erklärte das Gesundheitsministerium auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (DPA). Ubirch ist auf die Blockchain-Technologie spezialisiert, die fälschungssicher sein soll, da die Ausführung jedes neuen Schritts im Programmablauf auf mehreren Rechnern gleichzeitig verifiziert wird. IBM hat bereits für mehrere deutsche Krankenkassen elektronische Patientenakten entwickelt.

Deutsche Telekom geht leer aus

In den USA gibt es eine „Buy American“-Klausel, die US-Behörden dazu verpflichtet, nur US-amerikanische Produkte und Dienstleistungen einzusetzen. Beim Bundesgesundheitsministerium hat sich jedoch der US-Konzern IBM als Hauptentwickler der Impf-App bei der Auftragsvergabe unter anderem gegen die Deutsche Telekom durchgesetzt, die im vergangenen Jahr zusammen mit SAP die Corona-Warn-App entwickelt hatte. Telekom-Chef Timotheus Höttges hatte sein Unternehmen vor zwei Wochen ins Gespräch gebracht.

„Klar kann die Telekom das (…). Wir brauchen einen Impfpass. Ich würde das als Bürger Deutschlands klar unterstützen“, sagte Höttges bei der Vorstellung der Jahreszahlen des Dax-Konzerns.

Geimpfte sollen den digitalen Impfpass in Impfzentren oder Arztpraxen über Impfzertifikate erhalten. Das Impfzertifikat erhält jeder Geimpfte zunächst in Papierform. IBM soll nun eine Impf-App entwickeln, mit der man den Impfnachweis beispielsweise über einen QR-Code auf dem Smartphone speichern kann. Somit soll dann jederzeit über das Smartphone in Verbindung mit einem Ausweisdokument eine Prüfung des Covid-19-Impfstatus durch Dritte möglich sein.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (i.d.Mitte), Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (R) und Berlins Oberbürgermeister Michael Müller bei der Pressekonferenz zu Corona-Beschlüssen am 3. März 2021 - SNA, 1920, 04.03.2021
Scharfe Debatte um Corona-Beschlüsse

Lukrativer Großauftrag

Laut der Ausschreibungsunterlagen für den Großauftrag des Gesundheitsministeriums, aus denen „Business Insider“ zitiert, könnte die Projektentwicklung für IBM durchaus lukrativ werden. Pro Impf-Zertifikat soll der IT-Riese 50 Cent bekommen. Bei einer vom Gesundheitsministerium angestrebten Impfquote von 80 Prozent, also etwa 65 Millionen Menschen in Deutschland, wäre der Auftrag mehr als 32,5 Millionen Euro wert.
Entwickelt werden soll die App innerhalb von acht Wochen. Nach einer Testphase soll die App ab Juni regulär in Arztpraxen und Impfzentren zum Einsatz kommen.

Eintritt nur für Geimpfte?

Der digitale Impfnachweis kann vielseitig beim Betreten von Restaurants, Geschäften, Fitnessstudios, Hotels und ähnlichen Einrichtungen mit Corona-Auflagen genutzt werden. Voraussetzung für diese Abfrage des Impfstatus soll aber die vorherige generelle Öffnung der entsprechenden Einrichtung sein. Es soll keine eigenen Sonderregeln des Staates für Geimpfte geben, wonach Einrichtungen nur für Geimpfte öffnen würden, wie es in manchen anderen Ländern eingeführt wurde.
Der digitale Impfpass ist ein kürzlich vereinbartes Projekt der EU und soll im Schnellgang entwickelt werden. Den Gesetzentwurf will die Kommission am 17. März vorlegen. Helfen soll der Impfpass bei einer schnelleren Rückkehr zur Normalität. Bedenken angemeldet hat unter anderem die italienische Datenschutzbehörde, die eine Diskriminierung nicht geimpfter Bürger fürchtet.
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