Politologe Münkler: „Corona-Regime“ für viele Jahre

© AP Photo / Martin MeissnerFrau mit dem Hund in Gelsenkirchen, Deutschland
Frau mit dem Hund in Gelsenkirchen, Deutschland - SNA, 1920, 09.03.2021
Das „Corona-Regime“ könnte viele Jahre andauern, erklärte der Politikwissenschaftler Herfried Münkler in einem Interview mit der Regionalzeitung „Heilbronner Stimme“. Das Interview ist am Dienstag erschienen.
„Am Anfang herrschte eine Stimmung, die uns in eine Falle geführt hat. Man sagte, das Danach wird so sein wie das Davor. Die Verheißung lautete also: Wir gehen alle gemeinsam durch einen kurzen Tunnel, und auf der anderen Seite kommen wir wieder ins Licht und alles ist gut. Es war ein großer Trugschluss. Wir müssen davon ausgehen, dass wir auf viele Jahre hinaus ein Corona-Regime haben werden“, sagte der Politologe Herfried Münkler der baden-württembergischen Tageszeitung „Heilbronner Stimme“. Die Menschen würden derzeit eine „klassische Zäsur“ erleben.
Als Beispiel für das „Corona-Regime“ nannte Münkler die AHA-Regeln, das mutmaßlich dauerhafte Mitführen eines Impfpasses oder die künftig aufwändigere Reiseplanung. Dabei sei nicht berücksichtigt, dass es weitere Mutanten geben könne, warnte der emeritierte Professor für Politikwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin. Die Ausbreitung von mutierten Corona-Viren hänge seiner Ansicht nach sehr davon ab, „wie wir die globale Impfquote erhöhen. Bislang geht es hier leider nur sehr schleppend voran“, sagte Münkler.
Ärztin in der Intensivstation des Münchner Krankenhauses Gauting - SNA, 1920, 04.03.2021
Intensivmediziner befürchten dritte Welle nach Lockdown-Lockerungen
Dabei zeige eine „Fülle von Fehleinschätzungen und das Ungeschick bei der Impfstoff- und Schnelltestbeschaffung, wo die Probleme des Landes liegen – nämlich im administrativen Bereich.“ Die Bundeskanzlerin Angela Merkel hielt er dabei aus der Kritik fern. Allerdings habe sie es versäumt, „die ständig nervösen Ministerpräsidenten auf eine Linie zu bringen“, bemängelte Münkler.
Der renommierte Politik-Experte betonte zudem, dass ein funktionierender Staat dadurch in Erscheinung trete, dass „Freiheit und Sicherheit keinen Gegensatz bedeuten müssen“.
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