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Nun zweifeln auch Gerichtsmediziner an der Alleintäterschaft Amris

© SNA / Nikolay FilyakovAnschlag am 19. Dezember 2016 am Breitscheidplatz
Anschlag am 19. Dezember 2016 am Breitscheidplatz - SNA, 1920, 09.03.2021
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Wegen Ermittlungslücken beim Anschlag am Breitscheidplatz 2016 hat ein Untersuchungsausschuss ein neues forensisches Gutachten beauftragt. Das Ergebnis sorgt für Aufsehen. Denn möglicherweise steuerte nicht Amri den todbringenden Lkw.
Der mutmaßliche Attentäter vom Breitscheidplatz, Anis Amri, sei bei dem Anschlag am 19. Dezember 2016 womöglich gar nicht allein und möglicherweise nicht einmal der Täter gewesen, berichtet das „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (RND) mit Verweis auf ein Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin der Universitätsklinik Schleswig-Holstein. Die forensische Expertise wurde vom Untersuchungsausschuss des Bundestages in Auftrag gegeben und dem Gremium in der vorigen Woche zugestellt.
Das Papier analysiere die DNA-Spurenlage an der Pistole, mit der Amri den polnischen Lkw-Fahrer Lukasz Urban erschossen haben soll. „Es kann nicht sicher festgestellt werden, dass die bei Amri sichergestellte Waffe auch die Tatwaffe war, die gegen Urban eingesetzt worden war", schreiben die Rechtsmediziner. Das Projektil und das nach dem Schuss übriggebliebene Projektilfragment, „die bei der Obduktion Urbans aus dessen Schädel gesichert worden waren, waren zu deformiert, um eine ballistische Zuordnung zur oben genannten Waffe zu ermöglichen“, zitiert das RND die Autoren der Untersuchung.
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Auch die Spurenlage in der Fahrerkabine des Lkw werde in dem Rechtsgutachten neu bewertet: Es sei „nicht ableitbar, dass eine bestimmte Person (zum Beispiel Amri) den Lkw gefahren (…) oder sich lediglich als Beifahrer in der Führerkabine aufgehalten hat“. Dafür habe eine unbekannte zweite Person, die im Gutachten als „UP2“ bezeichnet werde, „in vergleichbarem Ausmaß DNA-Spuren im Lkw-Führerhaus hinterlassen wie Amri“. Es sei deshalb „grundsätzlich nicht auszuschließen beziehungsweise verglichen mit Amri nicht weniger oder mehr plausibel, dass UP2 den Lkw gefahren haben kann“. Generell sei ein anderer Ablauf des Attentats als der in der Öffentlichkeit angenommene aufgrund der DNA-Spuren „nicht ausschließbar“, zitiert das Redaktionsnetzwerk die Gerichtsmediziner aus Schleswig-Holstein.

Zweifel im Bundestag

Das Bundeskriminalamt ging bislang von einer Alleintäterschaft Amris aus. „Es kann aber auch anders gewesen sein. Es könnte sein, dass noch weitere Leute mitgemischt haben, ohne dass man das eingehend untersucht hat. Das ist der Punkt", sagte die Grünen-Bundestagsabgeordnete Irene Mihalic gegenüber dem RND.
Der Grünen-Politiker Konstantin von Notz bezeichnet es als erstaunlich, dass Amri am Tattag „einfach so“ einen 40 Tonnen schweren Lastwagen übernommen hat. Während seiner ganzen Aufenthalt in Deutschland von eineinhalb Jahren sei er kein einziges Mal am Steuer eines Lkw gesessen. Lediglich in Tunesien solle Amri einmal mit einem 7,5-Tonner unterwegs gewesen sein. Von Notz bemerkte: „Wahrscheinlich saß Anis Amri im Lkw. Aber wir bezweifeln zumindest, dass er der Fahrer war. (…) Wir finden deshalb, dass man die Frage aufwerfen sollte, wer die UP2 eigentlich ist“, forderte der Grünen-Politiker. Das sei eine relevante Frage. Ohnehin habe sich Amri in Deutschland vielfach in islamistischen Gruppen bewegt, so etwa im Umfeld des soeben verurteilten Mannes von dem sogenannten Islamischen Staat (IS), Abu Walaa. Für den Bundestagsabgeordneten lege dies den Schluss nahe, dass Amri am 19. Dezember 2016 womöglich nicht allein gewesen sei.
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