Intensivmediziner befürchten dritte Welle nach Lockdown-Lockerungen

© AFP 2022 / CHRISTOF STACHEÄrztin in der Intensivstation des Münchner Krankenhauses Gauting
Ärztin in der Intensivstation des Münchner Krankenhauses Gauting - SNA, 1920, 04.03.2021
Nachdem Bund und Länder am Mittwoch den Öffnungsfahrplan beschlossen haben, befürchtet der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin, Gernot Marx, eine Zunahme von Intensivpatienten mit Covid-19, berichtet die Deutsche Presse-Agentur.
Intensivmediziner gehen angesichts des Öffnungsfahrplans von Bund und Ländern in der Pandemie von einer deutlichen Zunahme der Corona-Fälle aus. „Ich rechne damit, dass wir durch die beschlossenen Öffnungsszenarien deutlich steigende Zahlen von Neuinfektionen erleben werden – und dann auch vermehrt Intensivpatienten mit Covid-19“, sagte der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), Gernot Marx, am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur (DPA). „Die Sorge ist, dass wir in eine dritte Welle rutschen.“

Lockdown-Verlängerung bis Anfang April

„Auch, wenn der Lockdown grundsätzlich verlängert wurde, sind diese Beschlüsse ein Strategiewechsel in Richtung Öffnung – und das auch schon vor dem 1. April“, betonte Marx gegenüber der DPA. Marx hatte vergangene Woche eine Lockdown-Verlängerung bis Anfang April gefordert. Hintergrund sind Prognosen der Fachgesellschaft: Je nach Impftempo und Ausbreitung der ansteckenderen Varianten könnten frühe Lockerungen zu einer erneut hohen Belastung der Intensivstationen führen.
Im schlimmsten Szenario war von 25.000 Covid-19 Patienten die Rede. Die zu versorgen, wäre nicht mehr zu bewältigen. Zum Höhepunkt der zweiten Welle lagen rund 6000 Betroffene auf Intensivstationen. „In welchem Umfang die Beschlüsse die Intensivstationen belasten könnten, wird in unsere Modellrechnungen einfließen – dazu können wir aber erst kommende Woche Zahlen vorlegen“, erläuterte Marx von der Uniklinik Aachen.
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„Nicht nachlässig werden“

„Wir hätten uns drei weitere Wochen Zeit für das Umsetzen der Impfstrategie gewünscht“, bilanzierte Marx. So würden die Entscheidungen vom Mittwoch angesichts der steigenden Infektionszahlen mit Sorge betrachtet. „Vor allem, da die Mutante B.1.1.7 bereits 46 Prozent Anteil an den Infektionen hat. Die Reproduktionszahl liegt etwa bei eins – und sollte aus Sicht von uns Intensivmedizinern auf keinen Fall höher ausfallen. Aber man muss ja bedenken: Das ist alles noch unter den aktuellen Lockdown-Bedingungen.“
Der Divi-Präsident appellierte an die Menschen, nun beim Verhalten nicht nachlässig zu werden: „Bitte halten Sie die Regeln zu Abstandhalten, Hygiene, Maskentragen und Lüften weiter ein. Man sollte auch weiter Kontakte vermeiden, auch wenn jetzt das ein oder andere erlaubt ist. Bitte lassen Sie sich impfen, auch mit AstraZeneca.“

Komplexe Maßnahmen beschlossen

Auf die Frage, in welchem Umfang es überhaupt zu Lockerungen kommen könnte, sagte Marx der DPA: „Die beschlossenen Maßnahmen sind relativ komplex. Es ist zu früh zu beurteilen, in welchem Umfang Lockerungen tatsächlich möglich sein werden angesichts des Fallzahlenanstiegs, der bereits eingesetzt hat.“
Der Lockdown zur Bekämpfung der Corona-Pandemie in Deutschland wird angesichts weiter hoher Infektionszahlen grundsätzlich bis zum 28. März verlängert. Allerdings soll es je nach Infektionslage viele Öffnungsmöglichkeiten geben. Das haben Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Länder-Ministerpräsidenten am Mittwoch in mehr als neunstündigen Verhandlungen beschlossen. Vereinbart wurde eine stufenweise Öffnungsstrategie mit eingebauter Notbremse: Führen in einer Region einzelne Lockerungen zu einem starken Anstieg der Infektionszahlen, werden dort automatisch alle schon erfolgten Erleichterungen wieder gestrichen.
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