Großkonzern will Staat ungenutzte AstraZeneca-Dosen abkaufen

© REUTERS / SERGIO PEREZLeere Dosen von AstraZeneca-Impfstoff
Leere Dosen von AstraZeneca-Impfstoff - SNA, 1920, 04.03.2021
Die Lager des Bundes quellen über mit Dosen des ungeliebten Corona-Impfstoffes von AstraZeneca. Der Unternehmer Klaus Josef Lutz würde diese dem Staat abkaufen, um damit selbst die Mitarbeiter seines Konzerns Baywa impfen zu lassen.
Es gibt zwei Gründe für den Impfstau mit über einer Million ungenutzter Dosen des AstraZeneca-Impfstoffs, die derzeit in den Bundesländern lagern: die Impfweigerung vieler Pfleger aufgrund des schlechten Images des britisch-schwedischen Vakzins und die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko), AstraZeneca vorläufig nicht an Menschen über 65 Jahren zu verimpfen.

Baywa möchte ungenutzte Dosen aufkaufen

Der Unternehmer Klaus Josef Lutz, Vorstandsvorsitzender der Baywa AG, bietet an, diese ungenutzten Impfdosen zu kaufen, um seine Mitarbeiter zu impfen.
„Business Insider“ zitiert Lutz aus einem Brief an Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Darin äußert er den Wunsch, „bisher ungenutzten Impfstoff per Sondergenehmigung so bald als möglich als Vorsorgemaßnahme für unsere Mitarbeiter käuflich zu erwerben“.
Die Baywa sei bereit, Impfdosen zu kaufen und alle gewillten Mitarbeiter durch Betriebsärzte und Hausärzte impfen zu lassen, bestätigte Lutz gegenüber „Business Insider“.

„Die Impfungen verlaufen in Deutschland skandalös langsam.“

Klaus Josef Lutz
Vorstandsvorsitzender der Baywa AG
Die Baywa AG wolle sich als Pilotprojekt unter medizinischer Begleitung zur Verfügung stellen, heißt es in dem Brief an Spahn weiter. Bei dem Projekt werde eine zukünftige Impfstrategie für Unternehmen konzipiert.
Die Baywa AG ist ein Münchner Konzern mit genossenschaftlichen Wurzeln und rund 18.000 Mitarbeitern, der als Grundversorger für elementare Bereiche der Energie-, Agrar- und Bauwirtschaft international tätig ist. Mit ihren Tochtergesellschaften und Beteiligungen ist der Konzern in mehr als 40 Ländern vertreten. Gemessen am Umsatz zählt die Baywa AG zu den größten europäischen Unternehmen, außerdem ist sie der größte Agrarhändler in Deutschland.
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Umstrittene Stiko-Empfehlung

Die Stiko hatte den Impfstoff vorerst nur für Menschen zwischen 18 und 64 Jahren empfohlen, weil Daten zur Wirkung bei Älteren fehlen. Inzwischen scheint die Kommission diese Einschätzung jedoch revidieren zu wollen. „Das Ganze ist irgendwie schlecht gelaufen“, räumte der Chef der Kommission, Thomas Mertens, in einem Interview im ZDF-„Heute Journal“ ein.
Auch Bund und Länder sprechen in ihrer Beschlussfassung vom Mittwoch zu den Corona-Maßnahmen eine dringende Empfehlung aus:

„Ausweislich der Studienergebnisse aus Großbritannien weist der Impfstoff von AstraZeneca generell eine hohe Wirksamkeit auf, und dies ist auch in der älteren Bevölkerung der Fall. Dazu erwarten Bund und Länder eine kurzfristige Entscheidung der Stiko über die Empfehlung des Impfstoffs für die Bevölkerungsgruppe über 65 Jahre, um die Impfterminvergabe entsprechend zügig anpassen zu können, damit der Impfstoff schnell und priorisierungsgerecht verimpft werden kann.“

Unternehmer Lutz kritisiert die Einstufung der Stiko ebenfalls, was laut Gesundheitsministerium dazu geführt hat, dass von den 1,4 Millionen AstraZeneca-Impfdosen erst 15 Prozent genutzt wurden. Lutz geht sogar noch weiter:
Ich finde es niederschmetternd, dass der Chef der Ständigen Impfkommission in einem Interview sagt, das sei schlecht gelaufen“, und fordert laut „Business Insider“ den Rücktritt des Stiko-Chefs:

„Herr Mertens hat nicht das Rückgrat, zu sagen, dass es Fehler gegeben hat. Er müsste seinen Hut nehmen.“

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