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Drosten fordert mehr Pragmatismus inmitten der Ausbreitung ansteckenderer Corona-Varianten

© AP Photo / Markus SchreiberDer deutsche Virologe Christian Drosten (Archiv)
Der deutsche Virologe Christian Drosten (Archiv) - SNA, 1920, 03.03.2021
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Vor den anstehenden Beratungen von Bund und Ländern in der Corona-Pandemie hat der deutsche Virologe Christian Drosten Verständnis für Wünsche nach Lockerungen gezeigt, aber zur Vorsicht gemahnt.
Der Anteil der ansteckenderen Variante B.1.1.7 wachse weiter, die wärmere Jahreszeit werde das Problem nicht beseitigen, und beim Impfen brauche es mehr Tempo, betonte der Experte für Coronaviren und Leiter des Instituts für Virologie der Charité Universitätsmedizin Berlin im „Coronavirus-Update“ bei NDR-Info am Dienstag.
Der Anteil der in Großbritannien nachgewiesenen Mutante an den Infektionen in Deutschland ist nach Schätzung Drostens auf ungefähr die Hälfte angewachsen – und der Anteil werde weiter steigen, das sei unausweichlich, sagte Drosten. In Großbritannien gebe es mittlerweile nur noch Reste anderer Varianten, B.1.1.7 dominiere vollkommen. Die Maßnahmen dort seien strenger im Vergleich zu Deutschland, so der Virologe.
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In Deutschland sei bei Lockerungen mit einem Anstieg der Neuinfektionen zu rechnen, so Drosten. „Aber es ist berechtigt, solche Maßnahmen zurückzunehmen“, sagte er im Hinblick auf gesellschaftliche und wirtschaftliche Überlegungen. Er verstehe die Wünsche nach Lockerungen vollkommen. Es gelte jedoch, genau zu prüfen, wo dies möglich sei. Modelle der Intensivmediziner-Fachgesellschaft Divi (Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin e.V.), wonach die Intensivstationen bei zu frühen Lockerungen bereits im Mai wieder stark belastet wären, hält Drosten für realistisch. Die Divi-Experten befürworten einen Lockdown bis Anfang April.
Drosten setzt nicht auf eine große Hilfe der wärmeren Jahreszeit beim Bewältigen der Pandemie. Er verwies auf eine Studie, wonach maximal mit einer Verringerung um 20 Prozent zu rechnen sei. Es gebe keinen Grund zu der Annahme, „dass wir hier mit einem saisonalen Effekt rechnen können, der so ist wie bei den normalen Erkältungs-Coronaviren.“
Die derzeitige Lage sei auch nicht mit dem Frühjahr des vergangenen Jahres vergleichbar, betonte Drosten: Die Fallzahlen seien damals insgesamt niedriger gewesen, das Virus noch nicht flächig verbreitet. Inzwischen sei der Erreger zudem auch in schwer erreichbaren Teilen der Gesellschaft angekommen, wo es wenig Einsicht für die Maßnahmen gebe oder diese Botschaften gar nicht erst ankämen.
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Um beim Impfen schneller voranzukommen, plädierte Drosten für mehr Pragmatismus. Mit den Haus- und Betriebsärzten gebe es bewährte Strukturen, die auch genutzt werden sollten. Diese Ärzte wüssten auch, wer bevorzugt geimpft werden müsse. Wichtig sei, die großen Impfstoffmengen, die bald zu erwarten seien, möglichst rasch zu verabreichen, um eine Bevölkerungsimmunität aufzubauen.
Nach monatelangem Lockdown deuten sich in Deutschland weitere Öffnungsschritte an – allerdings abhängig vom regionalen Infektionsgeschehen und mit einer „Notbremse“. Das geht aus einem vorläufigen Beschlussentwurf für die Bund-Länder-Runde an diesem Mittwoch hervor, der am Montagabend vorgestellt wurde und dem Vernehmen nach noch nicht mit allen Ländern abgestimmt ist.
Verknüpft werden zahlreiche Öffnungen darin auch mit massenhaften Schnelltests. Grundsätzlich soll der Lockdown auch wegen der Gefahr durch die neuen Virusvarianten bis 28. März verlängert werden.
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