Myanmar: Militärregierung zieht 100 Diplomaten aus 19 Ländern ab

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Proteste in Myanmar - SNA, 1920, 01.03.2021
Die Militärregierung in Myanmar hat nach der spektakulären Rede des UN-Botschafters des Landes vor der UN-Vollversammlung, in der er sich von der neuen Staatsmacht distanzierte, 100 Diplomaten aus den Botschaften in 19 Ländern abberufen. Darüber berichtet das Nachrichtenportal „Irawadi“ am Montag mit Hinweis auf das myanmarische Außenministerium.
Laut einem Dokument, das dem Portal vorliegt, sollen nun Diplomaten aus den USA, Großbritannien, Österreich, Italien, Brasilien, Frankreich, Norwegen, Belgien, Serbien, China, Japan, Indien, Singapur, Thailand, Hongkong, Indonesien, Kambodscha, Südkorea und aus den Philippinen abberufen werden. Etwa 50 Diplomaten, die derzeit im Außenministerium des Landes tätig sind, sollen als Nachfolger in die genannten Länder geschickt werden.
Der myanmarische UN-Botschafter Kyaw Moe Tun, der am vergangenen Freitag in einer Rede vor der UN-Vollversammlung in New York die Weltgemeinschaft aufforderte, die Militärregierung in Myanmar nicht anzuerkennen, wurde wegen Landesverrats entlassen.
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Die Massenabberufung von Diplomaten ist darauf zurückzuführen, dass viele im Ausland tätige Diplomaten nach der Rede von Kyaw Moe Tun anfingen, sich der Kampagne für zivilen Ungehorsam anzuschließen, die seit einem Monat in Myanmar stattfindet, und die Arbeit für die neue Regierung zu stoppen, schreibt das Portal.
Das Militär in Myanmar hatte am 1. Februar durch einen Putsch die Macht ergriffen und ließ die Chefs der Regierung und der regierenden Partei festnehmen. Am selben Tag kündigte die neue Macht ihr Engagement für ein demokratisches Mehrparteiensystem an und versprach, nach dem Ende des Ausnahmezustands, den sie für ein Jahr im Land verhängt hatte, Wahlen abzuhalten.
Die Militärjunta beschuldigt die Wahlkommission des Landes und die Regierungspartei der massiven Fälschung von Wählerlisten bei den Wahlen am 8. November 2020, was nach Angaben des Militärs zur Überbewertung der Ergebnisse der Regierungspartei beitrug, die die absolute Mehrheit der Sitze im Parlament hat. Massenproteste gegen die Machtübernahme des Militärs folgten.
Massenstreiks haben die Arbeit von mehr als 70 Prozent der staatlichen Behörden und Betriebe im Land lahmgelegt. Am Wochenende sind bei den Protesten 17 Menschen ums Leben gekommen.
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