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Als erstes Land in Lateinamerika: Kuba entwickelt eigenen Corona-Impfstoff

© AP Photo / Yamil LageForschungslabor in Havana, in der ein Corona-Impfstoff entwickelt wird
Forschungslabor in Havana, in der ein Corona-Impfstoff entwickelt wird - SNA, 1920, 01.03.2021
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Kuba kann kaum auf Corona-Impfstoff aus den USA hoffen. Muss es auch nicht, da der Inselstaat auf eine hervorragende Medizintradition zurückgreifen kann. Anscheinend ist es dem armen Land gelungen, ein eigenes vielversprechendes Vakzin zu entwickeln.
Kuba steht wohl kurz davor, einen Impfstoff gegen Covid-19 in Massentests der Phase III zu erproben. Dies verkündete der stellvertretende Direktor der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation (Paho), Jarbas Barbosa, auf einer virtuellen Pressekonferenz am 17. Februar. Die Paho ist der regionale Ableger der WHO in Nord- und Südamerika. Das kubanische Vakzin heißt „Soberana 2“ und könnte zum ersten in Lateinamerika entwickelten Impfstoff gegen Covid-19 werden. Allerdings hat der Impfstoff bisher erst die ersten beiden Stufen der klinischen Tests durchlaufen – Phase III steht noch aus. Die bisherigen Ergebnisse seien jedoch „vielversprechend“, so Barbosa

Phase III bereits im März

Neben „Soberana 2“ wird in Kuba an drei weiteren Kandidaten für Covid-19-Vakzine gearbeitet. Sie sind zurzeit alle in der Phase I oder II der klinischen Tests. Für „Soberana 2“ beginnt bereits im März Phase III der Untersuchung auf Wirksamkeit und Sicherheit an 42.600 kubanischen Probanden. Auch im Iran wird das Vakzin getestet werden, wie bereits im Januar vereinbart wurde. Es laufen auch Gespräche mit Mexiko. „Soberana 2“ ist ein Vektorimpfstoff und basiert auf einem ähnlichen Prinzip wie der russische Impfstoff „Sputnik V“, muss im Gegensatz zu den mRNA-Wirkstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna nicht tiefgekühlt werden und wird in zwei Dosen verabreicht.
Der russische Corona-Impfstoff Gam-Covid-Vak (Sputnik V) - SNA, 1920, 25.02.2021
„Sputnik V“ in Mexiko und San Marino gelandet

Dosenproduktion bereits im April?

Sollte Phase III die guten Indikationen aus den bisherigen Tests bestätigen, könnte bereits im April mit der industriellen Produktion des Impfstoffs begonnen werden, so Vicente Vérez Bencomo, Direktor des zuständigen Finlay-Instituts in Havanna. Die bisherigen Ergebnisse seien „ermutigend" und „sehr wichtig". Der Plan sei, bis Ende des Jahres die gesamte Bevölkerung von 11,5 Millionen Kubanern mit dem eigenen Impfstoff zu impfen. Auch für den Export soll das Vakzin hergestellt werden. Die Produktion könnte beispielsweise auch in Lizenz vor Ort in Mexiko oder dem Iran erfolgen.

„Unser Plan ist es natürlich, zuerst die eigene Bevölkerung durchzuimpfen. Wenn wir dann in die kommerzielle Produktion von ‚Soberana 2‘ einsteigen, planen wir, im Laufe des Jahres etwa 100 Millionen Dosen herzustellen.”

Vicente Vérez Bencomo
Direktor des zuständigen Finlay-Instituts in Havanna

Aus der Not eine Tugend gemacht

Kuba besitzt eine mehr als 30-jährige, erfolgreiche Tradition in der Produktion von Impfstoffen. Das sozialistische Land musste früh aus der Not eine Tugend machen und sich infolge von Embargoauflagen der USA mit vielen medizinischen Gütern selbst versorgen. Ende der 1980er Jahre eröffnete Langzeit-Staatschef Fidel Castro das Finlay-Institut für die Produktion von Impfstoffen und Biotechnologie, das jetzt „Soberana 2“ entwickelt hat. Das Institut schaut bereits auf eine lange Liste selbst hergestellter Impfstoffe zurück. Durch die Entwicklung eigener Patente und Medikamente vermeidet das Land es außerdem, die klamme Devisenkasse zu belasten.

Impfen, damit die Touristen zurückkehren

Die erste Corona-Welle hat Kuba verhältnismäßig mild getroffen. Während die benachbarten USA sich zum Epizentrum der Pandemie entwickelten, griff Kuba konsequent durch, kappte die meisten Flugverbindungen ins Ausland und setzte eine massive Hygienekampagne im gesamten Land durch. So konnten, sicher auch begünstigt durch die Lage des Inselstaates, die Infektionszahlen im vergangenen Jahr noch sehr niedrig gehalten werden. In den letzten Wochen hat sich die Pandemiesituation in Kuba jedoch stark verschlechtert. Die Zahlen sind zwar immer noch nicht so schlecht wie in vielen anderen Ländern, aber bei über tausend Neuinfektionen täglich ist das Gesundheitssystem des Landes bereits stark gefordert. Außerdem führte das Wegbleiben der ausländischen Touristen zu einer schweren Wirtschaftskrise. Umso mehr ruhen die Hoffnungen des Landes auf dem eigenen Vakzin.
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