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Soziologe: Darum werden Corona-Proteste keinen Teilnehmerzustrom erleben

© AFP 2021 / TOBIAS SCHWARZProtest gegen Corona-Skeptiker in Berlin (22.11.2020)
Protest gegen Corona-Skeptiker in Berlin (22.11.2020) - SNA, 1920, 26.02.2021
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Der Protestforscher und Soziologe Simon Teune rechnet nicht mit einem wesentlichen Anstieg der Zahl von Teilnehmern der Corona-Proteste in Deutschland. Über die Erkenntnisse des Wissenschaftlers von dem Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS) in Potsdam berichtete die Deutsche Presse-Agentur.
Die Proteste gegen Covid-19-Einschränkungsmaßnahmen haben sich nach Ansicht des Forschers nicht allmählich im Laufe des vergangenen Jahres radikalisiert – vielmehr hätten die Teilnehmer der Proteste die Corona-Krise von Anfang an radikal gedeutet:

Wenn man diese Proteste unter den verschiedenen Namen Hygienedemos, Querdenker und so weiter genauer anguckt, sieht man, dass viele, die da teilnehmen, schon vor den Protesten eine radikale Deutung der Corona-Krise plausibel fanden“, zitiert die DPA den Soziologen. „Sie sind überzeugt, dass damit die Gefahr einer Entdemokratisierung verbunden ist und dass sich Deutschland bereits auf dem Weg in die Diktatur befindet“.

Diese weitreichenden Deutungen hätten bereits von Anfang an bei den Protesten die Runde gemacht, darunter „die Deutung, dass die Presse gleichgeschaltet sei mit Bezug auf das Thema Corona oder dass es den Regierenden in erster Linie darum gehe, Corona als Vorwand zu benutzen, um Grundrechte einzuschränken“, so Teune.
Stiller Marsch der Corona-Skeptiker in Berlin
Anfangs habe es noch Leute bei den Protesten gegeben, die eher von einer „diffusen Unzufriedenheit“ angetrieben und vor die Entscheidung gestellt worden seien, ob sich ihre Kritik mit der Anwesenheit von Neonazis, Holocaustleugnern und von Leuten, die Verschwörungserzählungen verbreiten vereinbaren lasse, erklärte der Wissenschaftler.
Allerdings sei nicht damit zu rechnen, dass die Proteste bald noch größer werden könnten: „Auf der Straße waren in der Spitze vielleicht 40.000 Leute, aber die Videos, in denen Zweifel an den Corona-Maßnahmen gesät wurden, haben zum Teil mehrere Millionen gesehen“, so Teune weiter. Diese eindeutig zahlreicheren Anhänger seien jedoch für Straßenproteste „nicht unbedingt mobilisierbar“.
Zudem machte der wachsende Einfluss der extremen Rechten seiner Ansicht nach die Teilnahme an derartigen Protestaktionen für viele problematisch:

Diese 40.000 sind der hoch mobilisierte Kern der Protestbewegung. Die Erfahrungen des letzten Jahres haben sie sicher bestärkt. Aber die Hürden, zu den Protesten zu gehen, sind mit dem wachsenden Einfluss der extremen Rechten auch höher geworden.“

Den ersten bestätigten Corona-Fall in Berlin gab es am 1. März 2020, die erste sogenannte Hygiene-Demo am Ende des Monats. Ende August demonstrierten nach Angaben der Polizei rund 40.000 Gegner der staatlichen Corona-Politik in Berlin. Mehrere Hundert von ihnen überrannten Absperrgitter und drängten auf die Stufen des Reichstagsgebäudes, einige mit den von sogenannten Reichsbürgern verwendeten schwarz-weiß-roten Reichsflaggen.
Polizei vor dem Bundestag  - SNA, 1920, 21.02.2021
Bundestagspolizei registriert mehr als 250 Straftaten
Simon Teune (Dr.phil., FU Berlin) ist politischer Soziologe mit dem Schwerpunkt Protest- und Bewegungsforschung. Er hat mit quantitativen und qualitativen Methoden zur kulturellen Einbettung von Protestbewegungen geforscht und ist dabei vor allem an der visuellen Darstellung und der medialen Vermittlung von Protestanliegen interessiert. Zusammen mit 180 Kolleg*innen, die in dem Feld forschen, betreibt Teune mit dem Institut für Protest- und Bewegungsforschung ein selbstorganisiertes Forschungsinstitut, das vor allem ad-hoc-Forschung zu aktuellen Protesten organisiert, aber auch ein Knotenpunkt der Vernetzung im Feld ist.
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