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Infektionsmodelle: Warum jetzt gesunde Menschen infiziert werden sollen

© REUTERS / LISI NIESNEREine Krankenschwester hält eine Spritze und eine Pfizer/BioNTech-Coronaimpfstoff-Flasche im Messezentrum Wien Congress Center, 7. Februar 2021
Eine Krankenschwester hält eine Spritze und eine Pfizer/BioNTech-Coronaimpfstoff-Flasche im Messezentrum Wien Congress Center, 7. Februar 2021  - SNA, 1920, 25.02.2021
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Bald könnten die ersten gesunden Menschen gezielt mit dem Sars-Coronavirus-2 infiziert werden. Das Verfahren nennt sich Infektionsmodell und könnte nicht nur wirklich verlässliche Zahlen zur Wirksamkeit von Impfstoffen liefern. Peter Kremsner, der das Modell mit entwickelt hat, erklärt SNA News, was da genau passiert.
Die meisten Impfstoffe gegen das Sars-Coronavirus-2 bewegen sich bei einer Wirksamkeit um die 90 Prozent. Aber dieser Wert ist ein statistisches Ergebnis aus der dritten Phase der jeweiligen klinischen Studie. Im Wesentlichen werden da zwei Gruppen nebeneinander beobachtet: die Verumgruppe und die Placebogruppe. Erstere hat das echte Vakzin erhalten, letztere eine Scheinimpfung. Dann werden beide Gruppen über einen längeren Zeitraum beobachtet und Ansteckungen mit Sars-Cov-2 registriert. Der Infektionsforscher Peter Kremsner erklärt die Zahl im Gespräch mit SNA:

„Wenn man jetzt 40.000 in der Studie hat, sind 39.900 im Beobachtungszeitraum gar nicht infiziert und nur 100 sind infiziert. Und die verteilen sich so krumm, dass viel mehr in der Placebogruppe sind. Dann sind 20 davon beispielsweise in der Gruppe, die den Impfstoff bekommmen hat und 80 in der Gruppe, die das Placebo gekriegt hat. Das sind dann nicht automatisch auch 80 Prozent Schutz, aber in etwa kommt das hin."

Ein weiterer Faktor sei die Zeit, über die hinweg solche Fälle beobachtet werden, durch diese würden die Zahlen dann von diesem Wert ein bisschen abweichen. Kremsner ist nicht nur der Leiter der Curevac-Studie, eines mRNA-Impfstoff gegen das Sars-Cov
Doch in den letzten 30 Jahren seien die Verfahren standardisiert und auch streng reguliert worden, sodass heutige Durchführungen mit der dunklen Vergangenheit nicht verglichen werden können. Ein paar Beispiele nennt der Forscher auch: „Die Malariaparasiten zum Beispiel sind tödliche Erreger, sie werden in den Studien nicht in abgeschwächter Form verabreicht. Man kann diese Erreger sehr gut diagnostizieren und sofort behandeln – das ist dann kein Problem. Mit Grippeviren wird das auch gemacht, es wird mit Cholera-Bazillen gemacht, mit Shigellen, mit Salmonellen und so weiter. Das ist nichts Neues.“ Das Infektionsmodell, das in den USA, Großbritannien und der EU derzeit vorbereitet wird, kann aus Sicht des Forschers ein sehr gutes Mittel sein, um „schneller neue Therapien und Impfstoffe zu testen, als man das bisher kann. Um die Medizin voranzubringen müssen wir klinische Studien an Menschen machen. Diese Infektionsstudien sind ein ausgezeichnetes Werkzeug das effektiv zu tun“.-2. Er war außerdem Mitglied einer Expertengruppe in der Weltgesundheitsorganisation, die ein Modell ausgearbeitet hat, um verlässlichere Zahlen zur Wirksamkeit von Impfstoffen zu erhalten.
Es nennt sich Infektionsmodell, es wurde im Dezember 2020 in einem WHO-Bericht vorgestellt und in seinem Rahmen passiert genau das, wonach es klingt: Es werden gesunde junge Probanden gezielt dem Virus ausgesetzt. Wieder gibt es eine Verumgruppe und eine Placebogruppe, die miteinander verglichen werden. Nach der Verabreichung des Wirkstoffs und des Scheinwirkstoffs wird in einem Zeitraum von vier Wochen untersucht, wie viele Menschen in der jeweiligen Gruppe an Covid-19 erkranken.

Malaria-Untersuchung als Vorbild für Corona?

Kremsner hat in der Vergangeheit bereits Malaria-Impfstoffe auf dieselbe Weise untersucht: „Wenn wir zum Beispiel Malariaparasiten nehmen, mit diesen infizieren und eine Malariaimpfung testen, heißt es: weiß oder schwarz – infiziert oder nicht infiziert. In der Placebogruppe sind dann alle infiziert und in der Verumgruppe sind es acht von zehn nicht. Dann haben wir 80 Prozent Wirksamkeit, da gibt es kein Hin und Her.“ Die Viren für die Infektion werden unter strengen Auflagen produziert und können dann ganz genau dosiert werden.

„Da fängt man ganz niedrig an, indem man etwas in die Nase träufelt: 100, 300 oder 1000 oder 10.000 Viren. Es sind natürlich sehr junge Probanden, die kein Risiko haben, schwer zu erkranken oder zu versterben. Dann schaut man: Sind die überhaupt infizierbar? Ab welcher Virusmenge sind sie infizierbar? Ab wann kriegen sie erste Symptome?“

Auf diese Weise könnte man am Ende ein Modell austarieren, um Impfstoffe – auch neue – zu testen. Diese Tests kann man prinzipiell auch mit allen Mutanten, die im Umlauf sind, durchführen – falls wirklich erforderlich. So könnte man auch die lästige Frage eindeutig beantworten, ob Geimpfte immer noch Viren übertragen können, also infizierbar sind ohne zu erkranken – oder nicht.
„Das wäre sehr gut geeignet, da könnte man mit unterschiedlichen Infektionsdosen dann zeigen, wie weit das hält, ob es überhaupt einen Infektionsschutz gibt und mit welcher Virendosis dieser durchbrochen werden kann. Es gibt ja kaum einen Schutz, der nicht mit einer Dosis durchbrochen werden kann. Wenn unnatürlich hohe Dosen gegeben werden, kann man wahrscheinlich jeden noch infizieren. Das kann man dann alles schön mit einem Infektionsmodell untersuchen“, so der Forscher.

Infektionsprävention - eine Frage der Ethik?

Kremsner selbst glaubt, dass Impfstoffe anders verabreicht werden müssen, um Infektionen sicher zu verhindern. „Da wäre zum Beispiel eine Schluckimpfung, an der wir auch arbeiten, wo wir den Typhus-Schluckimpfstoff nehmen und da das S-Antigen vom Sars-Coronavirus-2 einbauen. Das könnte so ein Weg sein, wie man Infektionen verhindert“, so der Infektionsforscher. Ob dieser Ansatz funktioniert, werde sich im späten Frühling zeigen.
Bleibt nur noch die ethische Dimension. Lässt es sich verantworten, gesunde Menschen dem Virus auszusetzen? „Humane kontrollierte Infektionsstudien sind ja nichts Neues, das gibt es schon sehr lange“, erklärt Kremsner.

„Natürlich hat man in einer Art begonnen, die aus heutiger Sicht erschreckend unethisch war. Dann wurde das erst recht hierzulande nochmal auf die absolute Spitze getrieben in der ersten Hälfte der Vierzigerjahre des letzten Jahrhunderts. Und von Kollegen in Amerika auch danach noch. Bei behinderten Kindern zum Beispiel, die mit dem Hepatitis-B-Virus infiziert wurden.“

Doch in den letzten 30 Jahren seien die Verfahren standardisiert und auch streng reguliert worden, sodass heutige Durchführungen mit der dunklen Vergangenheit nicht verglichen werden können. Ein paar Beispiele nennt der Forscher auch: „Die Malariaparasiten zum Beispiel sind tödliche Erreger, sie werden in den Studien nicht in abgeschwächter Form verabreicht. Man kann diese Erreger sehr gut diagnostizieren und sofort behandeln – das ist dann kein Problem. Mit Grippeviren wird das auch gemacht, es wird mit Cholera-Bazillen gemacht, mit Shigellen, mit Salmonellen und so weiter. Das ist nichts Neues.“
Das Infektionsmodell, das in den USA, Großbritannien und der EU derzeit vorbereitet wird, kann aus Sicht des Forschers ein sehr gutes Mittel sein, um „schneller neue Therapien und Impfstoffe zu testen, als man das bisher kann. Um die Medizin voranzubringen müssen wir klinische Studien an Menschen machen. Diese Infektionsstudien sind ein ausgezeichnetes Werkzeug das effektiv zu tun“.
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