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Fabio de Masi mit andeutungsreichem Abschiedsbrief – Wagenknecht und andere salutieren ihm dennoch

© AFP 2021 / ADAM BERRYFabio de Masi eilt zu einer Sitzung des parlamentarischen Untersuchungsausschusses zum Wirecard-Skandal, den 8. Oktober 2020.
Fabio de Masi eilt zu einer Sitzung des parlamentarischen Untersuchungsausschusses zum Wirecard-Skandal, den 8. Oktober 2020. - SNA, 1920, 25.02.2021
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Der Wirtschaftsexperte der Linksfraktion, Fabio de Masi, will nicht mehr für den Bundestag kandidieren. Seinen Rückzug erklärt er in einem Brief, der die heikelsten Probleme in seiner und anderen Parteien wie „elitären Wahrheitsanspruch“ ans Tageslicht bringt. Auf Facebook bedanken sich seine Parteigenossen gerade bei de Masi für seine Arbeit.
„Lieber Fabio, das ist ein großer Verlust für den Bundestag, für die Partei und für alle, die Hoffnung auf die Linke gesetzt haben“, schreibt die Linkspolitiker Sahra Wagenknecht heute morgen in den Kommentaren zu de Masis Brief. „Kaum einer hat mit Deinem Engagement und Deiner Konsequenz aufgedeckt, was schief läuft. Wenige schaffen es, Komplexes so herauszuarbeiten, dass es jeder verstehen kann. Und ich finde, die Begründung Deines Rückzugs sollte uns allen zu denken geben. So schade deine Entscheidung für uns ist, so sehr wünsche ich dir alles Gute für deine Zukunft und neue Projekte!“
Am Mittwochabend veröffentlichte der 40-Jährige einen fulminanten Brief, der als Ausdruck der Dankbarkeit, Abschied und zugleich als Abrechnung mit den Zuständen in seiner Partei wirkt. „Ich habe immer versucht, für jene Menschen Politik zu machen, die versuchen, ihre kleinen Träume zu verwirklichen und dabei anständig zu bleiben“, schreibt de Masi. Es sei für ihn als Sohn einer alleinerziehenden Volkshochschullehrerin und einem italienischen Vater nicht selbstverständlich gewesen, einmal dem Deutschen Bundestag anzugehören. Besonders dankbar sei er für die Erfahrung zuletzt insbesondere mit der FDP und den Grünen im Wirecard-Untersuchungsausschuss vertrauensvoll zusammenzuarbeiten.
Er habe sich aus persönlichen Gründen gegen eine erneute Kandidatur entschieden. Er bekomme zwar Respekt für seine Arbeit, aber die beste Finanzpolitik bringe die Menschen nicht weiter, wenn die Linkspartei aufgrund strategischer Fehler und des Erscheinungsbilds schwächele. Um aber den Einfluss auf die Ausrichtung der Partei zu nehmen, bräuchte man gemeinsamen Spirit. „Sonst ist ein Erfolg nicht möglich. Ich möchte aber in meiner jetzigen Lebensphase meine Energie nicht in eingeübten Ritualen und Machtkämpfen verausgaben.“
Es gebe in verschiedenen politischen Spektren und vor allem in den sozialen Medien die Tendenz, Politik nur noch über Moral und Haltungen zu debattieren. De Masi halte dies für einen Rückschritt. „Eine solche Debattenkultur hat nichts mit Aufklärung zu tun, sondern ist Ausdruck eines elitären Wahrheitsanspruchs, wie ihn die Kirche im Mittelalter bediente. Vor allem verstärkt dies aber Spaltungen in der Gesellschaft, wovon rechte Demagogen weltweit profitieren. Dies hilft Kräften wie der AfD, sich als Anwältin der kleinen Leute aufzuspielen, obwohl ihnen die Schweizer Franken zu den Ohren heraus kommen.“ In einem Leben voller Widersprüche wünschte sich de Masi „mehr Kapitalismuskritik und weniger erhobenen Zeigefinger.“ Mit mehreren Beispielen erklärte er weiter sein Bild von alltäglicher Heuchelei, ob beim Thema Klimaschutz, humanitäre Katastrophe, Identität oder Corona.
Zum Schluss wünschte er der Linken, sich ein Stück neu zu erfinden und linke Politik wieder stärker mit dem Einsatz für die Interessen der sogenannten „einfachen Leute“ in Verbindung zu bringen. Seinen Brief ergänzt der Politiker durch das Zitat von Rosa Luxemburg: „Sieh, dass Du Mensch bleibst. Mensch sein ist von allem die Hauptsache. Und das heißt: fest und klar und heiter sein, ja heiter, trotz alledem.“

„Lieber Fabio, das ist sehr schade“,

schrieb der Linksabgeordnete Victor Perli zu dem Brief. „Du hast den Bundestag in dieser Legislatur gerockt und viele gute Schlagzeilen für die Linke gemacht. Danke für die gute Zusammenarbeit – und alles Gute und viel Kraft für das, was du in der Zukunft anpacken willst.“ Der Abgeordnete Andreas Wagner seinerseits: „Du wirst im Bundestag und in der Linksfraktion fehlen. Ich schätze Dich sehr. Schon jetzt alles Gute für Dich und Deine berufliche und politische Zukunft.“
Auch Politiker aus anderen Parteien melden sich. „Du wirst fehlen, Fabio! Alles Gute“, schrieb die SPD-Chefin Saskia Essen auf Twitter. Der CDU-Politiker Heribert Hirte schließt sich an: „Schade. Denn @dieLinke, die sich mit Geld auskennen, sind selten, auch wenn wir inhaltlich natürlich nicht immer einer Meinung waren“.
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In sieben Jahren seiner Arbeit im Bundestag setzte de Masi viele Initiativen durch: in der Eurokrise und der Geldpolitik, beim Thema Lobbyismus, bei Steueroasen und den Luxemburg-Leaks. Aber auch bei Geldwäsche, Panama Papers, bei der Debatte um den digitalen Euro und die drohende Finanzmacht von Digitalkonzernen wie Facebook. In seiner beruflichen Zukunft will de Masi nach eigenen Angaben sein Netzwerk und seine öffentliche Rolle auch weiterhin für wichtige Themen wie etwa die Regulierung der Finanzmacht der großen Digitalkonzerne nutzen.
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