Registrierung erfolgreich abgeschlossen!
Klicken Sie bitte den Link aus der E-Mail, die an geschickt wurde

Bundesregierung: Fast 80 Millionen Euro für Corona-Beratung

Euro (Symbolbild) - SNA, 1920, 24.02.2021
Abonnieren
Die Bundesregierung fällt die Entscheidungen zur Corona-Pandemie nicht allein, sondern setzt auf ein Heer von Experten und Beratern. Die arbeiten nicht umsonst. Allein 2020 überwies der Bund 78 Millionen Euro an Beratungsfirmen.
Das geht aus einer Aufstellung des Gesundheitsministeriums für die Linksfraktion im Bundestag hervor, berichtet das Wirtschaftsmagazin „Capital“. Bei den Ausgaben handelt es sich um sogenannte Beratungs- und Unterstützungsleistungen, die die Bundesministerien zur Bewältigung der Corona-Pandemie eingekauft haben.
Die Aufträge reichen von der Beratung bei der Beschaffung von Schutzmasken bis zu Analysen für den Corona-Rettungsfonds WSF. Insgesamt hat der Bund im Jahr 2020 im Zusammenhang mit dem Kampf gegen die Pandemie Verträge mit einem Gesamtvolumen von 103 Millionen Euro mit externen Dienstleistern abgeschlossen. Von dieser Summe flossen bis zum 31. Dezember bereits 78,4 Millionen Euro.

Doppelt so hohe Ausgaben – erst auf Nachfrage

Damit hat der Bund mehr als doppelt so viel für Corona-Beratung ausgegeben wie bisher angegeben: Noch im Dezember hatte die Bundesregierung die ihr bekannten Ausgaben mit lediglich 33 Millionen Euro beziffert. Zudem hatte sie sich über Monate geweigert, konkrete Auftragnehmer und Auftragswerte öffentlich zu benennen und dies mit dem Schutz von Betriebsgeheimnissen der Unternehmen begründet, schreibt „Capital“.
Die neuen Zahlen für 2020 gehen auf die erneute Anfrage des Linken-Finanzexperten Fabio De Masi zurück. In der Antwort liefert die Bundesregierung erstmals einen vollständigen Überblick über die Corona-bedingten Beraterausgaben. Daraus geht hervor, dass weit mehr als die Hälfte der Gesamtausgaben auf das Wirtschafts- und das Gesundheitsministerium entfallen.
Corona-Impfstoff von AstraZeneca (Symbolbild) - SNA, 1920, 24.02.2021
Impfstoffknappheit? Lager voll mit AstraZeneca

Altmaiers und Spahns Ministerien geben am meisten für Corona-Beratung aus

Das Wirtschaftsministerium um Peter Altmaier (CDU) gab im vergangenen Jahr 34 Millionen Euro für externe Berater in der Coronakrise aus. Beim Gesundheitsministerium von Jens Spahn (CDU) fielen mehr als 28 Millionen Euro an. Insgesamt schloss das Gesundheitsministerium 2020 Verträge zur Beratung bei der Bewältigung der Corona-Krise in einem Volumen von 41,3 Millionen Euro ab.
Auf den Plätzen bei den Corona-Beratungsausgaben folgen mit großem Abstand das Innenministerium (12,5 Millionen Euro), das Finanzministerium (10,3 Millionen Euro) und das Auswärtige Amt (2,2 Millionen Euro). Fünf weitere Ressorts haben Beraterkosten von je unter einer Million Euro gemeldet. Nicht berücksichtigt wurden laut Bundesregierung Verträge, bei denen es um Software-Entwicklung ging, etwa im Fall der Corona-Warnapp.

„Corona-Party“ bei Beratungsfirma EY

Wie aus der aktuellen Aufstellung für die Linksfraktion weiter hervorgeht, betrifft das teuerste Einzelprojekt die Beratung und Vertragsabwicklung beim Einkauf von Schutzmasken und anderer Schutzausrüstung. Dafür hat das Gesundheitsministerium mehrere Verträge mit der Prüf- und Beratungsfirma EY in einer Gesamthöhe von 37,1 Millionen Euro abgeschlossen. Fabio De Masi schreibt dazu auf seiner Website:

Die Wirtschaftsprüfung EY hat 2020 eine regelrechte Corona-Party mit Aufträgen der Bundesregierung gefeiert, wie unsere Anfrage aufdeckt. Herr Spahn beauftragte sie im Frühjahr über längere Zeiträume ohne Ausschreibung, um das Maskenchaos im Gesundheitsministerium zu beseitigen. Dass EY in fünf Ministerien aktiv ist und 2020 knapp 30 Millionen Euro mit öffentlichen Aufträgen vom Bund verdient hat, obwohl sie bei Wirecard so kläglich versagt haben, verdeutlicht die Nähe von Ministerien und Beratern.“

Fabio De Masi
Linke-Finanzexperte

IT-Dienstleister Init versagt, aber darf bleiben

Als zweitgrößter Empfänger von Corona-Beratungsausgaben des Bundes erhielt der IT-Dienstleister Init 29,3 Millionen Euro aus dem Etat des Bundeswirtschaftsministeriums, schreibt das Magazin. Dabei ging es um die Erstellung und den Betrieb eines IT-Auftragsmanagementsystems für die Corona-Hilfszahlungen des Bundes. Bei der Software kam es jedoch zu massiven Verzögerungen und Problemen, sodass etwa die sogenannten Novemberhilfen erst verspätet komplett fließen konnten. Ungeachtet dessen schloss Altmaiers Ministerium gerade Anfang Februar einen neuen Vertrag mit Init in Höhe von 60 Millionen Euro, berichtet „Capital“.
Newsticker
0
Um an der Diskussion teilzunehmen,
loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich
loader
Chats
Заголовок открываемого материала