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Arbeitslosigkeit und Corona-Effekt: Das sind europaweit die Zahlen

Euro-Banknoten - SNA, 1920, 24.02.2021
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In Europa verzeichnete Ende 2020 Tschechien die niedrigste Arbeitslosenquote, Spanien und Griechenland die höchsten. Deutschland liegt auf Rang 7, die Schweiz und Österreich nehmen die Plätze 13 und 14 ein – so lauten die Ergebnisse einer vergleichenden Studie von SNA.
Das vergangene Jahr war eines der schwersten für die Weltwirtschaft seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges, vor allem bedingt durch die Covid-19-Pandemie. Weitere Schwierigkeiten waren mit den allgegenwärtigen Beschränkungen für das Geschäft und mit Bewegungsverboten verbunden. Deswegen wurde der Betrieb vieler Unternehmen fast vollständig gestoppt, ganze Sektoren leiden unter einem massiven Umsatzrückgang.
Vor diesem Hintergrund ist es kaum erstaunlich, dass die Arbeitslosenzahlen fast überall stiegen. In der akutesten Phase der Corona-Pandemie, im Frühjahr 2020, wuchs diese Kennzahl in vielen Ländern rasant, doch zum Jahresende stabilisierte sich die Situation in vielerlei Hinsicht.
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Zur Einschätzung der Situation auf dem Arbeitsmarkt im Jahr 2020 erstellten RIA-Novosti-Experten basierend auf offiziellen Zahlen ein Ranking der europäischen Länder nach dem Niveau und der Dynamik der Arbeitslosigkeit.

Historisch hohe Arbeitslosigkeit in Europa

Bei Betrachtung der statistischen Daten vor der Pandemie ist zu erkennen, dass die Arbeitslosenquote in vielen Ländern Westeuropas auf einem ziemlich hohen Niveau lag. Das hat mehrere Ursachen. Erstens schlitterten die südlichen Länder (Griechenland, Italien, Spanien und viele andere) nach einem Jahrzehnt eines starken Wachstums Anfang der 2010er Jahre in eine große Krise, weshalb die Arbeitslosenquote in einzelnen Perioden sogar auf 30 Prozent stieg.
Zweitens haben einige europäische Länder ein starkes System zur Unterstützung der Arbeitslosen, was häufig den Anreiz zur Suche nach einem Job mindert und viele Arbeitssuchende dazu veranlasst, ihr Leben lieber mit staatlichen Hilfen zu bestreiten. Drittens konnten sehr wenige Länder in Europa mit einem hohen Wachstumstempo der Wirtschaft in den letzten Jahrzehnten prahlen, was die Beschäftigung beeinflusste.
Die hohe Arbeitslosenquote in den Ländern Osteuropas hat etwas andere Gründe. Eine große Rolle spielen dabei die Schwäche der Wirtschaft und die strukturelle Arbeitslosigkeit wegen des Zerfalls der sozialistischen Industrie. In diesem Fall sind zwei Pole zu erkennen – Weißrussland, das in vielerlei Hinsicht die industrielle Produktion bewahren konnte, wo die Arbeitslosenquote bei vier Prozent liegt, und die Ukraine, die die sowjetischen wirtschaftlichen Hinterlassenschaften fast vollständig demontierte, mit acht Prozent. In der Ukraine lag diese Kennzahl noch höher – elf bis 13 Prozent, doch diese ist in den letzten Jahren wegen der Abwanderung der arbeitsfähigen Bevölkerung in EU-Länder und nach Russland stark zurückgegangen.
Laut der Studie war die niedrigste Arbeitslosenquote im 4. Quartal 2020 in Tschechien zu erkennen – maximal drei Prozent. Zudem ist eine relativ niedrige Arbeitslosigkeit trotz der Pandemie weiterhin in Polen, den Niederlanden, Weißrussland, Ungarn, Malta und Deutschland zu erkennen. In diesen sechs Ländern lag der Anteil der Arbeitslosen im 4. Quartal 2020 bei nicht höher als 4,5 Prozent. Unter den Ländern mit der höchsten Arbeitslosenquote ist Griechenland (16,7 Prozent), das bereits seit einem Jahrzehnt gegen eine starke Wirtschaftskrise kämpft, ganz vorne zu finden. Ähnliche Kennzahlen sind im 4. Quartal in Spanien mit 16,2 Prozent zu erkennen. In den anderen Ländern am Ende des Rankings ist die Situation deutlich besser im Vergleich. In Litauen – 10,3 Prozent, in der Ukraine – 9,5 Prozent, in Italien – 9,1 Prozent, in Frankreich – 8,8 Prozent.
Bemerkenswert ist, dass die Arbeitslosenquote beim Spitzenreiter Tschechien um das Sechsfache geringer ist als in Griechenland als Schlusslicht.

Nur ein Land verringerte die Arbeitslosigkeit während der Pandemie

2020 konnte nur ein Land die Arbeitslosigkeit während der Pandemie abbauen – in Italien ist die Arbeitslosenquote seit einem Jahr um 0,4 Prozent zurückgegangen. Die Gründe dafür sind womöglich: wachsende Nachfrage nach Zustellern von Lebensmitteln, Waren und Medikamenten sowie wachsende Nachfrage nach zusätzlichem Personal in Krankenhäusern, Altersheimen und Sozialdiensten. Einen geringfügigen Anstieg der Arbeitslosenquote (um 0,1 Prozent) verzeichneten Griechenland und Weißrussland.
Das größte Wachstum ist in zwei baltischen Ländern zu erkennen. In Litauen stieg die Arbeitslosenquote um 3,9 Prozent, in Estland um 3,7 Prozent, was unter anderem mit der Sperrung der EU-Grenzen zusammenhängen könnte. Zudem gab es ein ziemlich hohes Wachstum der Arbeitslosenquote in Irland, Spanien, Island, Zypern, Lettland.
In Deutschland wuchs die Arbeitslosigkeit um 1,3 Prozent, ähnlich wie in Österreich (1,2 Prozent) und in der Schweiz (1,1 Prozent).

Arbeitsprobleme bei Jugendlichen in Spanien und Griechenland

Die Arbeitslosenquote unter den Jugendlichen ist in der Regel viel höher. Laut der Studie beläuft sich die durchschnittliche Kennzahl auf etwas weniger als 20 Prozent (zum Vergleich: die allgemeine Arbeitslosenquote macht nur sechs Prozent aus), in einer Reihe von Ländern liegt sie bei über 35 Prozent.
Vor allem Griechenland und Spanien (35 und 40 Prozent) ächzen unter einer gewaltigen Jugendarbeitslosigkeit. Zudem haben es junge Leute (15-25 Jahre) in Italien und Litauen ziemlich schwer, einen Job zu finden. In elf weiteren Ländern hat jeder Fünfte Schwierigkeiten damit.
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Anders ist die Situation in Deutschland, wo nur 6,2 Prozent der Jugendlichen keinen Job finden können. In drei weiteren Ländern liegt die Arbeitslosenquote unter Jugendlichen bei weniger als zehn Prozent – Niederlande, Schweiz und Tschechien.
Während der Pandemie ist die Arbeitslosenquote unter Jugendlichen stärker gestiegen (+3,5 Prozent) als die Arbeitslosenquote im Ganzen (+1,1 Prozent). Das ist nicht verwunderlich, weil Unternehmen in schweren Zeiten auf bewährte Fachkräfte setzen. Damit waren die Jugendlichen wegen der Pandemie am stärksten betroffen.

Prognose für die Zukunft

Laut SNA-Experten wird sich der Arbeitsmarkt in den europäischen Ländern 2021 zwar wiederherstellen, dieser Prozess wird aber langsam verlaufen. In diesem Jahr werden wohl etwa zwei Drittel der verloren gegangenen Arbeitsplätze kompensiert, doch erst 2022 werden sämtliche negativen Folgen der Pandemie auf dem Arbeitsmarkt überwunden sein.
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