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1,5 Mrd. Euro allein von Berlin - Wollen Merkel und Macron Afrika „schneller als die Russen“ impfen?

© AFP 2021 / GEOFF PUGHDer britische Premierminister Boris Johnson begrüsst am 19. Februar 2021 im Kabinettsraum in der Downing Street in London die G7-Anführer beim virtuellen Treffen, das er einberufen hat.
Der britische Premierminister Boris Johnson begrüsst am 19. Februar 2021 im Kabinettsraum in der Downing Street in London  die G7-Anführer beim virtuellen Treffen, das er einberufen hat.  - SNA, 1920, 22.02.2021
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Die Bundesregierung will den Corona-Impfstoff allen Menschen auf der Welt zugänglich machen - EU-weit führt Berlin die globale Impfstoffinitiative, was die Finanzierung angeht, sogar an. Gut gemeint, aber was stimmt dabei nicht?
„Ich habe in meiner Rede betont, dass die Pandemie nicht vorbei ist, bevor nicht alle Menschen auf der Welt geimpft sind“, erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel den Journalisten nach ihrem Online-Auftritt auf der Münchner Sicherheitskonferenz am Freitag. Mit diesem Ziel sei Deutschland weit vorne, was die Finanzierung angeht. Parallel am Freitag sicherte Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) der globalen Impfkampagne in Entwicklungsländern allein für 2021 großzügige 1,5 Milliarden Euro zu, wobei rund eine Milliarde Euro für die internationale Impfallianz Gavi bestimmt ist. Die Initiative wurde 2000 auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos von der "Bill & Melinda Gates"-Stiftung, Unicef und der WHO gegründet, das Startkapital in Höhe von 750 Millionen US-Dollar gab damals die Stiftung ganz alleine.
Die weiteren Mittel stellt die Bundesregierung zur Stärkung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Impfstoffforschung zur Verfügung, insbesondere zu Mutationen. „Wir besiegen Corona nur weltweit oder gar nicht“, kommentierte Müller nach dem Gipfel der sieben Industrieländer (G7). Der Gavi-Leiter Seth Berkley bedankte sich bei Deutschland für seine „Führungsrolle“. Mit der Summe forderte Deutschland die große Gruppe der führenden Wirtschaftsnationen (G20) und die Europäische Union heraus: sie sollten auch mehr Geld für die globale Corona-Impfkampagne bereitstellen, so die Erwartung.
Bisher will die EU nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur weitere 500 Millionen Euro für die Versorgung ärmerer Länder mit Corona-Impfstoffen zusagen, nachdem Ursula von der Leyen im September der Impfstoff-Initiative Covax, Ende April 2020 unter Teilnahme des französischen Präsidenten Emmanuel Macron, der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und der "Bill & Melinda Gates"-Stiftung ins Leben gerufen, 400 Millionen Euro zugesagt hatte. Kanzlerin Merkel hatte ihrerseits im Januar 2020 auf dem Wirtschaftsforum in Davos der Gavi, die sich auch an der Covax-Initiative beteiligt, 600 Millionen Euro bis 2025 zugesichert, unter anderem für die Immunisierung von Hunderten Millionen Kindern in den ärmsten Ländern. Zum G7-Gipfel hatte US-Präsident Joe Biden bis zu vier Milliarden US-Dollar für die Impfungen in den ärmeren Ländern angekündigt. Die ersten Impfdosen werden im Februar laut dem Bundesentwicklungsministerium über Covax in 18 Entwicklungsländer geliefert, darunter in Tunesien, Mali, Ruanda, Bolivien und die Philippinen.

Geopolitik statt Rettung von Menschenleben?

Auf dem Online-Gipfel der G7 ging es am Freitag grundsätzlich viel um den Kampf gegen die Pandemie und die Verteilung von Impfstoffen weltweit. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron schlug dabei vor, dass reiche Länder vier bis fünf Prozent ihrer Impfdosen möglichst schnell an ärmere Länder abgeben würden. Kanzlerin Merkel habe diesen Vorschlag unterstützt, sagte er in einem Interview mit „Financial Times“.
Firmenlogo von Pfizer an der Wand vor dem Hauptsitz von Pfizer in New York. - SNA, 1920, 19.02.2021
Reine Profitgier oder schnellere Menschenrettung? 54 Euro pro Biontech/Pfizer-Dosis erregen Gemüter
Im Interview brachte Macron auch eine Spende von 13 Millionen Dosen Corona-Impfstoff nach Afrika ins Spiel. Es wäre enorm viel wert, wenn „wir Europäer, Amerikaner“ diese 13 Millionen Dosen so schnell wie möglich liefern könnten, so der 43-Jährige, um die sechseinhalb Millionen Pflegekräfte auf dem afrikanischen Kontinent zu impfen. Das wären nur 0,43 Prozent der georderten Dosen, aber sie müssten schnell verabreicht werden, bevor Russland und China ihren Einfluss in Afrika ausweiten würden, warnte Macron. „Wenn wir heute Milliarden ankündigen, um Dosen in sechs Monaten, in acht Monaten, in einem Jahr zu liefern, werden unsere afrikanischen Freunde (...) Dosen bei den Chinesen, bei den Russen oder direkt von anderen Laboren kaufen.“ Mit einer Lieferung von Impfdosen hätte der Westen in Afrika dagegen eine Präsenz, so Macron. Das wäre aus seiner Sicht ein effektiver Multilateralismus, denn es sei an den Europäern und Amerikanern, armen und Schwellenländern so schnell wie möglich Tests, Impfungen und Behandlungen zu ermöglichen.
Mit einer leichten Arithmetik könnte jedoch die „Schneller als die Russen“-Logik schnell hinterfragen werden. Eine Export-Dosis des russischen Impfstoffs „Sputnik V“, dem das Fachmagazin „The Lancet“ eine ähnliche Wirksamkeit bei über 90 Prozent wie bei den teureren mRNA-Impfstoffen bescheinigte, kostet rund zehn US-Dollar (circa 8,2 Euro). Eine Dosis des Impfstoffes von Biontech/Pfizer dagegen rund 16 Euro. Das heißt, für dieselben Staatsmittel könnten mit den günstigeren Impfstoffen aus Russland oder China fast doppelt so viele Menschen in Afrika ähnlich wirksam geimpft bzw. vor Covid-19 geschützt werden. Doch dafür müssten die Menschenleben wohl von höherer Priorität sein.
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