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„Das Versprechen gebrochen“: Bei „Maybrit Illner“ wird Altmaier von Frauen gegrillt

© REUTERS / Pool / Odd AndersenWirtschaftsminister Peter Altmaier
Wirtschaftsminister Peter Altmaier - SNA, 1920, 19.02.2021
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Peter Altmaier war bei „Maybrit Illner“ nicht zu beneiden: Gleich drei angriffslustige Frauen grillten ihn ganz erbarmungslos. Mehr schlecht als recht wehrte er sich, lieferte aber eher ein klägliches Bild ab. Ein Karl Lauterbach, der dem „Lockdown-fixierten“ Minister hätte zur Seite stehen können, war an dem Abend „ausnahmsweise“ nicht anwesend.
Fast ein Jahr lang galt der Grenzwert von 50 Neuinfizierten pro 100.000 Menschen innerhalb von sieben Tagen als die erstrebenswerte Kennziffer für einen Ausstieg aus dem Lockdown. Seit ein paar Wochen nennen aber Kanzlerin Angela Merkel, der Corona-Guru Karl Lauterbach und der RKI-Chef Lothar Wieler 35, 25 oder sogar 10 Inzidenzfälle als ihre Wunschzahl, die erreicht werden müsste, bevor man von etwaigen Lockerungen sprechen kann. Von dem „No-Covid“-Projekt ganz zu schweigen, das von einigen einflussreichen Experten und Politikern in letzter Zeit gepuscht wird. „Die Auszeit auf Lockerungen mutiert wie das Virus“, hieß es im Einspieler der Sendung.
„Man kann nicht immer neue Grenzwerte erfinden“, kritisierte der frisch gebackene CDU-Chef Armin Laschet im selben Einspieler. „Die Menschen behandeln wie unmündige Kinder – das ist, glaube ich, nichts, was auf Dauer trägt.“

„Die Bundesregierung ist Lockdown-fixiert“

Den Gedanken griff die „Welt“-Chefredakteurin Dagmar Rosenfeld gleich auf: „Die Inzidenzzahl ist nicht alternativlos“, betonte sie und brachte Länder wie Italien, Frankreich und Österreich als Beispiele an, die sich bei ihren Lockdown-Entscheidungen von mehreren anderen Parametern leiten lassen und mittlerweile ihren Bürgerinnen und Bürgern wesentlich mehr Freiheiten erlauben. Die Bundesregierung sei aber „Lockdown-fixiert“, wodurch unzählige kleine und mittelständige Unternehmen in den Ruin getrieben werden – weil nämlich die Auszahlung der versprochenen Hilfsgelder alles andere als reibungslos verlaufe. Nach dem Stand von Mitte Februar waren 40 Prozent der im November beantragten Hilfen immer noch nicht angekommen.
Dies war auch der zweite Punkt der Kritik an Altmaier. Die Moderatorin feuerte die Attacke auf den Wirtschaftsminister an:
„Herr Altmaier, Sie wollten unbürokratisch und schnell helfen, und da muss man jetzt mal sagen, dieses Versprechen haben Sie gebrochen.“
„Nein, das ist falsch, das ist einfach falsch“, widersprach Altmaier mit dem Blick eines schuldlos ausgepeitschten Hundes. Er kenne genug Fälle von Friseuren und Gastronomen, die ihnen versprochenen Abschlagszahlungen bekommen haben, wenn auch nicht in vollständigem Umfang. Es gebe aber auch solche, die noch nichts erhalten haben. „Und das tut mir im Herzen weh, denn diese Menschen haben genauso einen Anspruch darauf“, fügte er hinzu und fasste sich dabei ans Herz, damit die Zuschauer nicht an dieser Zusicherung zweifeln.

„Ich kriege echt fast Blutdruck!“

Nun war aber eine weitere Dame an der Reihe, die den armen Minister angriff. „Ich kriege echt fast Blutdruck!“, so die aus Hamburg zugeschaltete Textil-Unternehmerin Sina Trinkwalder. Grund für ihre gesundheitliche Beschwerde liege in der Ungerechtigkeit bei der Behandlung der Großen und der Kleinen. „Erzählen Sie mir nicht, dass Daimler und Konsorten acht Wochen auf Kurzarbeitergeld warten, weil die haben viele Anwälte und gute Connections“, wandte sie sich an Altmaier. Dabei vermeldeten die Großunternehmen trotz der Corona-Krise riesige Gewinne, während unzählige Kleinunternehmen am Rande eines Bankrotts stünden.
„Auch bei Karstadt und Kaufhof arbeiten Zehntausende, Hunderttausende Menschen mit zum Teil kleinen Löhnen und Gehältern“, wehrte sich Altmaier. „Und wenn es darum geht, diese Arbeitsplätze zu erhalten, dann muss ich mich dafür nicht schämen.“
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„Von Visionen kann sich keiner was kaufen“

Die zugeschaltete Eislauf-Legende Katharina Witt, mittlerweile eine Sportstudio-Unternehmerin, schlug in die gleiche Kerbe und gab dem Minister den Rest. Auch sie bekomme im Internet unzählige Briefe verzweifelter Kleinunternehmer, „die ewig auf Hilfen warten und um ihr Lebenswerk gebracht werden“.
An dem Abend war kein Virologe und kein Epidemiologe im„Maybrit Illner“-Studio dabei, die mit ihren üblichen Alarmglocken – „stagnierende Inzidenzzahlen“, „Bedrohung durch Corona-Mutanten“ etc. – dem Wirtschaftsminister mit seinem Lockdown-Faible zur Seite stehen könnten. Der allein gelassene und den angriffslustigen Frauen ausgelieferte Minister konnte nicht einmal die Frage beantworten, warum die Regierung ausschließlich Lockdown-Vorschriften behandelt und keine Lockerungspläne vorlegt. Darauf erzählte Altmaier lediglich von seiner „Vision“: Wenn wieder schönes Wetter herrsche, etwa zur Osterzeit, könne er sich vorstellen, wie Menschen wieder im Biergarten sitzen, gemeinsam essen, trinken und plaudern.
„Von Visionen kann sich keiner was kaufen“, lautete die hämische Reaktion der „Welt“-Journalistin Rosenfeld.
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