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Streit um Jesus-Genital: Google löscht „Titanic”-App aus dem „Play Store“

© AFP 2021 / LIONEL BONAVENTURELogo von Google Play
Logo von Google Play - SNA, 1920, 16.02.2021
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Das Satire-Magazin „Titanic“ zeigte einen entblößten Jesus auf der Titelseite. Als Reaktion darauf löschte Google die „Titanic“-App wegen „Obszönität“ aus seinem „Play Store“. Chefredakteur Moritz Hürtgen betont: „Wir werden keines der Motive löschen.“
Das „Titanic“-Titelbild vom Dezember 2020 zeigt Papst Franziskus mit einem Kruzifix im Anus, hinter ihm Jesus, dessen Gemächt unterm Gewand hervorlugt. Ende Januar störte sich Google an der „Obszönität“ in der „sakralen Darstellung“ (Hürtgen) und sperrte die „Titanic“-App ohne jegliche Vorwarnung. Auch der Einspruch der „Titanic“-Redakteure bei Google, man wüsste seit App-Einreichung im Jahr 2014, dass es „in und auf ‚Titanic‘ zur Darstellung von Nacktheit und Sexualität kommt“, erreichte nichts.
Dies führt dazu, dass die „Titanic“ ihre digitalen Abonnenten, welche Android nutzen, nicht mehr versorgen können. Aufgrund von Datenschutz liegen die Kontaktdaten nur Google vor. Inzwischen will man zwei weitere Cover gelöscht sehen: 4/2019 und 4/2018.
Und auch wenn es so aussieht, als sei das ganze Internet von den Römern – ähm Google – besetzt, so gibt es doch die von unbeugsamen Galliern bevölkerte Redaktion „Titanic“, die nicht aufhört, dem Eindringling Widerstand zu leisten. Im Namen der Redaktion verkündet Chefredakteur Hürtgen auf Twitter:

„Wir werden behandelt wie Donald Trump!“

„Wir werden keines der Motive löschen. Wenn Google dabeibleibt, ist das das Ende von ‚Titanic‘ im ‚Play Store‘, der auf Android quasi ein Monopol hat.“
„Play Store“-Abonnenten seien aufgerufen, sich bei „Titanic“ zu melden. Sie würden dann unbürokratisch mit Print- oder PDF-Ausgaben versorgt. Der „Frankfurter Rundschau“ (FR) sagte Hürtgen:
„Ich vermute, die Sache ist politisch. Wir werden behandelt wie Donald Trump! Es gibt natürlich Parallelen: ein Boomer-Publikum, freche Sprüche und Lügen, Lügen, Lügen. Aber man kann ‚Titanic‘ doch trotzdem nicht mit dem ehemaligen US-Präsidenten vergleichen! Wir wollen keinen Umsturz in den USA – sondern nur in Deutschland.“
Moritz Hürtgen
Chefredakteur von „Titanic“
Den Großteil seiner Einnahmen macht die Satire-Zeitung mit Print-Abonnenten, insofern sei der Verlust des „Play Stores“ verkraftbar, auch von Anzeigenkunden sei man nicht abhängig. „Dennoch schwebt auch ‚Titanic‘ eine digitale Zukunft vor, die etwa im Jahr 2030 beginnen soll“, so Hürtgen gegenüber FR. „Da schmerzt das natürlich ein kleines bisschen. Die gute Nachricht aber ist: In Apples Store dürfen wir noch verkaufen – und dort haben die Nutzer viel mehr Geld.“
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