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Gesundheitsamtsleiter: „Auch bei einer Inzidenz von 388 Kontrolle über die Fälle“

© REUTERS / WOLFGANG RATTAYCorona-Teststelle in Köln
Corona-Teststelle in Köln - SNA, 1920, 16.02.2021
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In Debatten über mögliche Lockerungen der Corona-Beschränkungen in Deutschland geht es meistens um den Inzidenzwert. Der wurde auf Wunsch von Bundekanzlerin Angela Merkel auf 35 gesenkt. Doch eine derartig niedrige Zahl muss nicht unbedingt nötig sein.
Die Zahl, an der sich Deutschlands Corona-Politik ausrichtet, heißt nun 35. Sinkt die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche unter diese Schwelle, sollen die Maßnahmen gelockert werden. Aktuell liegt die genannte Sieben-Tage-Inzidenz im bundesweiten Schnitt bei 58,7, wie das Robert-Koch-Institut am Dienstagmorgen mitteilte. Der bisherige Höchststand war kurz vor Weihnachten mit fast 200 erreicht worden.

„Immer zeitnah dran mit der Nachverfolgung“

Als Grund für den Wert 35, der bisher bei 50 lag, wurde von Bund und Ländern immer die Kapazität der Gesundheitsämter genannt. In einem Interview mit der Zeitung „Die Welt“ hat nun allerdings Bernhard Bornhofen, Hygiene- und Umweltmediziner und Leiter des Gesundheitsamts Offenbach, bemerkenswerter Weise gesagt, sein Amt hätte auch bei einer Inzidenz von 388 Kontrolle über die Fälle gehabt:
„Im November kletterten wir bis zu einer Inzidenz von 388. Die Stadt hatte zwar die strengsten Corona-Maßnahmen in Hessen erlassen, die zum damaligen Zeitpunkt möglich waren, aber trotzdem hat sich das Virus weiter ausgebreitet. Man kann also schwerlich behaupten, dass damals die Gesamtlage unter Kontrolle war.
Aber die Kontrolle über die Fälle haben wir auch bei 388 behalten. Wir waren immer zeitnah dran mit der Nachverfolgung – auch weil wir massiv Personal aufstocken konnten.“
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„Das hält man auf Dauer nicht durch“

Diese außerordentliche Leistung kam nicht von ungefähr. Das Personal wurde auf 100 Personen verdreifacht, Landesbeamte wurden abgestellt, und Studenten und Bundeswehrsoldaten halfen auch. Trotzdem wurde „am äußersten Anschlag“ gearbeitet und die Beamten waren mit den Nerven am Ende. Bornhofen erklärt:
„Wenn täglich bis zu 80 neue Fälle hereinkommen, sitzen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eben jeden Tag bis 22 Uhr hier und versuchen, alles Notwendige auf den Weg zu bringen. Das hält man auf Dauer nicht durch.“
Geholfen habe auch, dass das Team trotz Aufstockungen relativ klein sei, so habe man die Strukturen flexibel anpassen können. Beispielsweise wurde der Fragebogen verkürzt – von drei Seiten auf eine – und nur noch das Wichtigste aufgenommen.
Das Beispiel Offenbach könnte zeigen, dass der von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gewählte bisherige Inzidenzwert von 50, aktuell 35, bei dem es zu Lockdown-Lockerungen kommen soll, relativ niedrig ist.

„Man kann nicht immer neue Grenzwerte erfinden“

Das scheint auch der neue CDU-Vorsitzende Armin Laschet erkannt zu haben. Der Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen hat vor einem zu einseitigen Fokus auf dem sogenannten Inzidenzwert gewarnt. „Man kann nicht immer neue Grenzwerte erfinden, um zu verhindern, dass Leben wieder stattfindet“, sagte er bei einem digitalen Neujahrsempfang des baden-württembergischen Landesverbands des CDU-Wirtschaftsrats. „Wir können unser ganzes Leben nicht nur an Inzidenzwerten abmessen.“ Man müsse all die anderen Schäden etwa für die Gesellschaft und die Wirtschaft genauso im Blick haben wie die Inzidenzzahlen.
Die „Bild“-Zeitung zitiert den CDU-Politiker außerdem mit den Worten:
„Populär ist, glaube ich, immer noch die Haltung: alles verbieten, streng sein, die Bürger behandeln wie unmündige Kinder.“ Auf Dauer sei dies keine Lösung.
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