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EU und Russland können und müssen die Krise gemeinsam meistern: AEB-CEO Schilling

© SNA / Außenministerium Russlands / HandoutTadzio Schilling, Generaldirektor der Assoziation des Europäischen Business (AEB) in Russland (Archivbild)
Tadzio Schilling, Generaldirektor der Assoziation des Europäischen Business (AEB) in Russland (Archivbild) - SNA, 1920, 16.02.2021
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Tadzio Schilling, Generaldirektor der Assoziation des Europäischen Business (AEB) in Russland, bewertet gegenüber SNA, wie europäische Unternehmen in Russland unter der Wirtschaftskrise und den Pandemie-Einschränkungen agieren.
- Herr Schilling, Covid hat unser Leben stark beeinflusst und wirkt sich negativ auf alle Bereiche aus, insbesondere auf die Wirtschaft. Wie war das Jahr 2020 für die AEB-Mitglieder in Russland?
Das ist wahr, das Jahr 2020 hat unser Leben sehr stark verändert und wird uns noch auf Jahre prägen. Das trifft auch auf die AEB zu. Wie alle anderen haben wir vom normalen Bürobetrieb auf Homeoffice-Betrieb umgestellt. Auch waren wir leider gezwungen, unsere Veranstaltungen zum 25-jährigen Jubiläum der AEB auf das erste Halbjahr 2021 zu verschieben. In erster Linie jedoch waren unsere Mitglieder von der Krise betroffen. Unsere Umfragen haben gezeigt, dass über 90 Prozent unserer Mitglieder von der Krise mittel bis stark betroffen waren. Gleichzeitig haben nur wenige Unternehmen angegeben, dass sie Personal abbauen oder Investitionen verschieben wollen – ein Lichtblick, denn das bedeutet, dass sie unverändert an das Potenzial des russischen Marktes glauben und die Krise für eine temporäre Eintrübung halten.
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- Beim Wirtschaftsforum in Davos hat der Präsident Russlands der Europäischen Union eine engere Zusammenarbeit und bessere Beziehungen angeboten. Diese sind heute laut Wladimir Putin alles andere als normal. Wie bewerten Sie die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Russland und der Europäischen Union unter Berücksichtigung der politischen Situation?
Ach, das ist, glaube ich, die alte Frage, ob das Glas nun halb voll ist oder halb leer. Einerseits bleibt die Europäische Union als Wirtschaftsblock und unmittelbarer Nachbar der wichtigste Handelspartner Russlands. Und wenn auch hier das Jahr 2020 nicht spurlos war – das Handelsvolumen ging um etwa 22 Prozent zurück und der Anteil der EU ist auch leicht zurückgegangen – so sind es immer noch zwei Fünftel des Außenhandels Russlands, die auf die EU entfallen. Auf der anderen Seite sind die politischen Beziehungen nach wie vor angespannt. Aber auch hier kann man Licht und Schatten sehen. Die Situation ist eigentlich unverändert seit 2014. Aber sowohl auf der Ebene der Mitgliedsstaaten als auch auf der Ebene der EU finden Kontakte und Gespräche statt, und man versucht, auf den Gebieten, wo gemeinsame Interessen sind, auch zusammenzuarbeiten. Gleichzeitig gibt es auch Momente, wo die geopolitischen Spannungen plötzlich aufflammen oder wo auch Rufe nach Verschärfung von Sanktionen oder neuen Maßnahmen wieder zunehmen. Aus Sicht der AEB gibt es langfristig trotz grundsätzlicher Meinungsverschiedenheiten keine Alternative zu einem konstruktiven Dialog.
- Die Corona-Krise hat zu einem dramatischen Einbruch der ausländischen Direktinvestitionen weltweit geführt. Wie ist die Investitionsbereitschaft der AEB-Mitglieder in Russland?
Auf dem Gebiet der Investitionen ist das Jahr 2020 noch viel dramatischer verlaufen als auf dem Gebiet des Handels. Gemäß Daten der Uno-Handelsorganisation (UNCTAD) ist das Plus der ausländischen Direktinvestitionen im vergangenen Jahr um 96 Prozent zurückgegangen. Gleichzeitig sind europäische Unternehmen nach wie vor sehr aktiv und treiben geplante oder begonnene Projekte erfolgreich voran. Das macht dann auch wieder Hoffnung, dass das Fundament der europäischen Wirtschaft in Russland intakt ist und dass die Firmen weiterhin an das Potenzial des russischen Marktes glauben.
- Warum eröffnen die Europäer eine Produktion in Russland? Was macht den russischen Markt für sie attraktiv?
Die Gründe sind die gleichen, die schon in der Vergangenheit ausschlaggebend waren: das Marktvolumen – Russland ist in vielen Bereichen einer der größten europäischen Märkte –, der Reichtum an Ressourcen, hochqualifizierte Arbeitskräfte, insbesondere im naturwissenschaftlich-technischen Bereich, und nicht zuletzt auch das sich durchaus verbessernde Investitionsklima, was sich u.a. im rasanten Aufstieg Russlands im Ease of Doing Business-Ranking der Weltbank niedergeschlagen hat.
- Werden europäische Unternehmen das Niveau erreichen, das vor der Krise bestand, und was ist dafür erforderlich?
Ich bin fest davon überzeugt, dass die europäische Wirtschaft in Russland, die, wie auch die russische Wirtschaft selbst, schon mehrere Krisen überstanden hat, eine ausreichende Krisenerfahrung hat und zudem auch wieder bessere Tage kommen werden. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, dass die Regierung ihre Unterstützungsmaßnahmen auch weiterhin aufrechthält, damit sich der Markt weiter stabilisieren kann und das noch fragile Wachstum nicht wieder zum Erliegen kommt.
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- Während der Pandemie ging die direkte Kommunikation zwischen den Menschen fast verloren. Geschäftsleute müssen doch grenzüberschreitend Kontakt aufnehmen. Was kann die Situation verbessern und die Grenzen wieder öffnen: Impfung? Covid-Pässe?
Seit dem 16. März 2020 bestehen die Reisebeschränkungen. Das hat die Geschäftsbeziehung ohne Zweifel erheblich erschwert. Um eine Investitionsentscheidung zu tätigen, braucht man den persönlichen Kontakt. Man investiert nicht zig Millionen Euro in ein Projekt, wenn man Geschäftspartner nie gesehen hat. Die AEB hat versucht, darauf hinzuarbeiten, Geschäftsreisen wieder erlauben zu können. Möglicherweise wird die Impfkampagne in Russland und in der EU dazu beitragen – hoffentlich. Vielleicht besteht auch eine Möglichkeit, über Impfpässe wieder mehr Mobilität zu ermöglichen, auch wenn das natürlich gesellschaftlich ein umstrittenes Thema ist.
- Sie leben schon lange in Moskau. Im Gegensatz zu europäischen Ländern gibt es hier derzeit keinen Lockdown. In Moskau sind Theater, Museen und Restaurants geöffnet, Einkaufszentren, Eisbahnen und andere Sportanlagen sind in Betrieb (wenn auch mit Einschränkungen). Was meinen Sie dazu, dass die Menschen sich hier relativ frei fühlen?
Es gibt natürlich Unterschiede zwischen den Ländern, was die derzeitigen Covid-Einschränkungen angeht. In der Tat ist es so, dass in der Schweiz, in Italien, Deutschland, Österreich, Frankreich derzeit strengere Beschränkungen eingeführt wurden und vorherrschen als in Russland. Unabhängig von den Unterschieden ist es jedoch in erster Linie wichtig, dass die Bevölkerung das Risiko-Konzept und die Risiko-Strategie der Regierung mitträgt, nur dann können die Maßnahmen auch ihre geplante Wirkung entfalten. Dass trifft sowohl auf Europa wie auch auf Russland zu. Wenn die Disziplin abnimmt, nehmen die Schwierigkeiten zu. Wir müssen und können diese Krise gemeinsam meistern, ich bin sicher, wir werden in absehbarer Zukunft einen großen Teil unseres früheren Lebens zurückerhalten.
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