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„Wäre eine riesige Tragödie“: Wie Bill Gates die Deutschen lobt und für sich gewinnt

© AFP 2020 / JOHN MACDOUGALLBundeskanzlerin Angela Merkel gibt Bill Gates, dem Microsoft-Gründer und Inhaber der Bill & Melinda Gates Foundation, nach ihrer Rede auf dem Weltgesundheitsgipfel in Berlin am 16. Oktober 2018 die Hand.
Bundeskanzlerin Angela Merkel gibt Bill Gates, dem Microsoft-Gründer und Inhaber der Bill & Melinda Gates Foundation, nach ihrer Rede auf dem Weltgesundheitsgipfel in Berlin am 16. Oktober 2018 die Hand. - SNA, 1920, 15.02.2021
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Er ist ein Impfstoff-Philanthrop, Klimaschutz-Investor und großer Fan von deutschen Autos. Spricht Bill Gates mit deutschen Medien, weiß er die Deutschen ganz besonders zu umwerben, um dann anschließend noch Forderungen zu stellen – oder für Zusammenarbeit zu werben. Diese steht nicht immer im Vordergrund.
„Deutschland hat der Welt mit der Subvention von Solarmodulen einen großen Gefallen getan“, sagt der 65-Jährige neulich in einem „Handelsblatt“-Interview, in dem er an die Innovationskraft der EU-Lokomotive appelliert. Allerdings seien Solar und Wind bei der Stromerzeugung unzuverlässig und würden nicht ausreichen. Eine ähnliche Botschaft an die Autoindustrie: Der Microsoft-Gründer würdigt leidenschaftlich – er hatte ja mehrere Mercedes und Porsches – die „Ingenieurskunst in Deutschland, das wahrscheinlich mehr als jedes andere Land für die Autobranche getan hat“. Dass „die Batterieentwicklung in Deutschland mit hohem Tempo angegangen wird“, sieht er positiv.

Berater der Regierungen?

Allerdings: Wenn sich Deutschland aber nicht bei elektrischen Autos durchsetzen könnte, wäre das „eine riesige Tragödie“, prophezeit Gates. Der Wandel sei superstrategisch für das Land, viele Arbeitsplätze stünden auf dem Spiel. Vor rund einem Jahr kaufte sich Gates den vollelektrischen Sportwagen Porsche Taycan und findet im Vorstandsvorsitzenden der Volkswagen AG (Porsche gehört zu Volkswagen – Anm. d. Red.), Herbert Diess, einen Gleichgesinnten. Im August ermutigte Diess den Amerikaner, die Regierungen zu „beraten“, was man da regulieren und fördern müsse. „Sie verstehen die CO2-Logik des Mobilitätssektors genau“, schrieb der Deutsche auf LinkedIn an Gates zu „Elektrofahrzeugen, wo immer nur möglich“. Dies sei genau der Dialog, den wir führen sollten, antwortete ihm Gates.:„Führungskräfte, Unternehmer, politische Entscheidungsträger und Wissenschaftler müssten ehrgeizige Lösungen für den Klimawandel finden.“
Im September durfte Gates in einem „FAZ“-Gastbeitrag über „Drei Bedingungen, um die Pandemie zu stoppen“ schreiben. Da lobt er mit dem Geschick und der List eines Diplomaten Kanzlerin Angela Merkel und Entwicklungsminister Gerd Müller zwar für „besondere Führungsstärke“ bei der globalen Innovationsplattform ACT-Accelerator, fordert aber von Deutschland „jetzt noch ein Mehr an Tatkraft und Großzügigkeit, um den Mechanismus der vorgezogenen Markteinführung (Advance Market Commitment, wenn Spender versprechen, einen Impfstoff gegen eine bestimmte Krankheit zu kaufen, wenn ein solcher Impfstoff entwickelt wird – Anm. d. Red.) zu unterstützen, mit dem die Impfallianz Gavi die Grundvoraussetzungen zur Beendigung der Pandemie schaffe. Mit dem Beitrag brachte er die internationale Covax-Initiative zur Impfstoffverteilung in ärmeren Drittländern ans Licht, im April 2020 mitbegründet von der Gates-Stiftung und der EU-Kommission von Ursula von der Leyen und mit Gavi assoziiert. Brüssel unterstützt die Covax-Initiative mit mindestens 400 Millionen Euro. Kanzlerin Merkel hatte im Januar 2020 auf dem Wirtschaftsforum der Gavi übrigens weitere 600 Millionen Euro bis 2025 zugesichert, unter anderem für die Immunisierung von Hunderten Millionen Kindern in den ärmsten Ländern.

Fonds für Klimaschutz mit EU-Unterstützung

Nun stellt Gates mit einem Appell an die innovativen Deutschen seine andere ehrgeizige Initiative in den Focus – den Risikokapitalfonds Breakthrough Energy, mit dem laut Bloomberg rund 45 Startups zur Einsparung der CO2-Emissionen finanziert werden. Gates gründete Breakthrough Energy 2015 zusammen mit zahlreichen bekannten Unternehmern wie Amazon-Gründer Jeff Bezos, Alibaba-Chef Jack Ma oder Quantum Funds-Gründer George Soros, die bereits zwei Milliarden Dollar als Kapital in den Fonds steckten. Weitere zwei Milliarden will Gates in den nächsten fünf Jahren in die Klimaarbeit investieren. Die EU gibt ebenfalls Geld an den Fonds – „wegen der Tiefe der wissenschaftlichen und ökonomischen Analyse von Breakthrough Energy“, wie Gates dem „Handelsblatt“ gerade sagte.
Im Mai 2019 richteten die EU-Kommission, die Europäische Investitionsbank und Breakthrough Energy als Mutter-Organisation einen neuen Fonds mit 100 Millionen Euro – die Breakthrough Energy Ventures Europe – ein. Gates lobte damals die innovative Zusammenarbeit zwischen dem privaten und dem öffentlichen Sektor – eine starke Kombination, die „nur selten zu finden ist“. Interessanterweise finden sich im Internet in der bald zweijährigen Bestehensgeschichte des Fonds keine Informationen: weder die Kontaktdaten noch die Auskünfte über die beteiligten Projekte. Auch auf der Webseite von Breakthrough Energy ist keine separate Seite zu Breakthrough Energy Ventures Europe zu finden. SNA hat bereits eine entsprechende Anfrage an die EU-Kommission geschickt.
Bill Gates - SNA, 1920, 08.02.2021
Bill Gates nennt zwei Bedrohungen für die Menschheit nach Pandemie
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