Registrierung erfolgreich abgeschlossen!
Klicken Sie bitte den Link aus der E-Mail, die an geschickt wurde

Warum ist der russische Rubel um etwa 70 Prozent unterbewertet? – Finanzanalysten klären auf

© SNA / Grigorij SyssojewHostess bei einer Fachmesse in Moskau
Hostess bei einer Fachmesse in Moskau - SNA, 1920, 11.02.2021
Abonnieren
Laut der britischen Wochenzeitung „The Economist“ gilt der Rubel als am stärksten unterbewertete Währung der Welt - nach dem Big-Mac-Index, an dem man oft die Stärke einer Währung abliest. Auch andere Indexe sprechen dafür, behaupten russische Experten, und nicht nur das.
Der Big Mac gilt als universelle Ware, die in den meisten Ländern angeboten und aus denselben Lebensmitteln zubereitet wird. Theoretisch müsste er, umgerechnet in Dollar, überall den gleichen Preis haben. In den USA kostet ein Big Mac 5,66 Dollar. In Russland müsste er nach dem heutigen Kurs 430 Rubel kosten, wird aber für 135 Rubel verkauft, d. h. 1,78 Dollar. Folglich müsste der faire Dollarkurs zurzeit rund 24 Rubel betragen. Dann würden die 135 Rubel, die ein Big Mac in den russischen McDonald’s kostet, praktisch seinem US-Preis entsprechen. Also ist der Rubel um 68 Prozent unterbewertet.

Den Russen bedeutet Big Mac weniger als den Amerikanern

In Wirklichkeit handelt es sich bei dem Big-Mac-Index allerdings eher um ein mathematisch-ökonomisches Spiel, meinen Experten. Dies schon deshalb, weil die Bedeutung des Burgers für das Land nicht berücksichtigt wird, die ebenfalls seinen Preis beeinflusst, so Jewgeni Nadorschin, Chefvolkswirt der Beratungsgesellschaft „PF Kapital“.
„Uns bedeutet McDonald’s mit seinem Big Mac weniger als den Amerikanern. Das ist auch bei den Europäern der Fall. Der Big-Mac-Index ist zum ersten Mal 1986 zum Spaß erhoben worden. Ihm liegt die Idee der Kaufkraftparität zugrunde. Er mag als eine unkomplizierte Berechnung mit einer Reihe arithmetischer Operationen bequem sein, aber als solide Vergleichsbasis für Währungskurse im Sinne ihres potenziellen fairen Wertes taugt dieser Index gar nichts.“

Lebenshaltungskosten und Kleidung als Geldwert-Indexe

Man kann sich allerdings nach einer anderen Vergleichsbasis umsehen. Dies könnten beispielsweise die Miet- und Betriebskosten sein. Davon geht die Datenbank Numbeo über die weltweiten Lebensbedingungen, einschließlich Lebenshaltungskosten, Miet- und Kaufkosten von Immobilien aus. Als Vergleichsbasis fungiert eine 85-Quadratmeter-Wohnung. 2019 hat man für so eine Wohnung in den USA 162 Dollar, in Russland 96 Dollar als Mietkosten ausgegeben. Dabei handelt es sich zwar um den Landesdurchschnitt, nicht konkret um Moskau oder New York. Geht man von demselben Grundsatz der Fairness aus, dann müsste ein Dollar 43 Rubel kosten. Dies käme dem aktuellen Wechselkurs (76 Rubel) näher. Vergleicht man aber die Miet- und Betriebskosten mit den Löhnen, dann sieht man jede Spur von Gerechtigkeit schwinden.
Armut (Symbolbild)  - SNA, 1920, 27.01.2021
Präsident Putin: Weg aus der Armut ist Hauptaufgabe
Eine weitere Möglichkeit wäre ein Kleidungsindex, also der Preis eines schlichten T-Shirts aus Baumwolle oder einer Jeanshose in verschiedenen Ländern. Aber die Kleidung stammt hauptsächlich aus Asien, und die Zollgebühren sind überall verschieden. Die Generaldirektorin von „Finn Flare“, Ksenija Rjassowa, kommentiert: „In Amerika ist jede Art von No Name Kleidung generell sehr billig, ich meine die einfachen T-Shirts, die tonnenweise bei Amazon angeboten werden. Die dortigen Zölle für Konsumgüter unterscheiden sich von den russischen, die quasi Abwehrzölle sind“.

Was beeinflusst den Rubelkurs noch?

Ferner berücksichtigt der Big-Mac-Index weder den Erdölpreis noch die Sanktionen, die das Herkunftsland des Burgers gegen Russland regelmäßig verhängt. All das beeinflusst den Rubelkurs. Übrigens schreibt „The Economist“ selbst, dass dieser Index nicht als Messinstrument gedacht ist, sondern als ein Mittel, die Wechselkurstheorie verständlich zu machen.
Auch der Chefanalyst des Unternehmens „Otkrytije-Broker“ Andrei Kotschetkow ist der Meinung, dass die russische Währung für Politik ausgesprochen anfällig ist.

„Wir bewerten den Rubelkurs zum Dollar als sehr schwach, weil er zehn bis 15 Prozent Risiken aus Sanktionen, Einschränkungen und ähnlichem enthält. Außerdem wird bei Weitem nicht alles von den Lebensmittelpreisen bestimmt. Hier in Russland sind beispielsweise die Mieten gemessen an den Löhnen sehr hoch. Mit anderen Worten hängt beim Rubel nicht alles nur von Rinderkoteletts ab.“

Laut dem Experten müsste der Dollar gegenwärtig, unter Ausschluss der politischen Komponente, etwa 65 bis 68 Rubel kosten.
Der Analyst der Unternehmensgruppe „InstaForex“ Alexander Dawydow stimmt dem zu: „Betrachtet man es direkt aus der Sicht der Kaufkraft, darf man in erster Annäherung sagen, dass der Dollar etwa halb so viel kosten müsste gegenüber dem Rubel wie jetzt. Apropos hatte die russische Währung das beste Big-Mac-Ergebnis 2008 erzielt: Damals wurde ihre Unterbewertung auf nur 29 Prozent geschätzt. Dabei betrug der Kurs eben rund 24 Rubel für einen Dollar.“
Um der Gerechtigkeit willen muss man zugeben, dass beinahe alle 56 Länder, deren Nationalwährungen anhand des Burgers bewertet wurden, kein Gleichgewicht zum Dollar erreichen konnten. Nur drei Länder haben ihre Währungen überbewertet. Das sind Norwegen, Schweden und die Schweiz.

Fitch: Kreditranking Russlands auf Investitionsniveau bestätigt

Inzwischen hat die internationale Ratingagentur Fitch das langfristige Kreditranking Russlands in Auslandswährung auf Investitionsniveau bestätigt. Die Ranking-Prognose lautet auf stabil. Ihre Beurteilung erklärte die Agentur mit Russlands zuverlässiger und konsequenter politischer Grundlage. Darüber hinaus wies sie auf die Flexibilität des Wechselkurses, die umsichtige Steuer- und Haushaltspolitik sowie die niedrigste Relation der Staatsverschuldung zum BIP unter den vergleichbaren Staaten hin. Der russische Finanzminister, Anton Siluanow, erklärte seinerseits, Russlands Ranking, das diesmal auf dem Investitionsniveau geblieben sei, bedeute, dass die nationale Wirtschaft die Auswirkungen der Coronakrise erfolgreich überwunden habe.
Newsticker
0
Um an der Diskussion teilzunehmen,
loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich
loader
Chats
Заголовок открываемого материала