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Früherer US-Außenminister Shultz stirbt im Alter von 100 Jahren

© REUTERS / Gary CameronDer ehemalige US-Außenminister George Shultz (Archivbild)
Der ehemalige US-Außenminister George Shultz (Archivbild) - SNA, 1920, 08.02.2021
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Der frühere US-Außenminister George Shultz ist tot. Shultz, der unter dem damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan Chefdiplomat der Vereinigten Staaten war, starb am Samstag im Alter von 100 Jahren.
Über mehrere Jahrzehnte zählte Shultz zu den herausragenden Mitarbeitern republikanischer Präsidenten in den USA. Unter Richard Nixon wurde der Absolvent der Elite-Universitäten Princeton und des Massachusetts Institute of Technology (MIT) 1969 Arbeitsminister. Später wechselte er als einflussreicher Budgetdirektor ins Weiße Haus und arbeitete dann als Finanzminister. Im März 1974 trat Shultz zurück, um nicht in den Sumpf der Watergate-Affäre zu geraten – jenes Skandals um den Einbruch ins Hauptquartier der Demokratischen Partei, der Nixon im August 1974 zum Rücktritt zwang. 1982 wurde Shultz unter Reagan schließlich Außenminister.

„Vertrauen ist Gold wert“

Die „Hoover Institution“ – ein Thinktank der renommierten Universität Stanford, dem Shultz angehörte – schreibt zum Tod des Diplomaten auf Twitter:
„Unser lieber Kollege George P. Shultz ist am 6. Februar im Alter von 100 Jahren gestorben. Als einer der einflussreichsten Außenminister der Geschichte unseres Landes kannte er den Wert des Wortes, das man gibt, wusste, dass „Vertrauen Gold wert ist“ und änderte so den Lauf der Dinge für immer.“
In Shultz‘ zwei Amtszeiten als Außenminister fiel sowohl der Höhepunkt des Kalten Krieges als auch die Tauperiode zwischen den beiden Blöcken in Ost und West mit Michail Gorbatschows Perestroika und Glasnost.

Reagan provoziert

Trotz verhärteter Fronten im Senat in Bezug auf die Sowjetunion, überzeugte Shultz Reagan allmählich, eine Politik der Annäherung zu verfolgen, als nur auf militärische und wirtschaftliche Stärke zu setzen. Während dies in der Sowjetunion zunächst noch auf wenig Gegenliebe stieß, änderte sich alles mit dem Aufstieg Michail Gorbatschows im Kreml. Zunächst herrschte jedoch Eiszeit zwischen dem jungen Generalsekretär und dem bis dahin eher als Hardliner agierenden Republikaner Reagan, der die Sowjetunion als „Reich des Bösen“ („evil empire“) bezeichnet hatte. Am 12. Juni 1987 richtete sich der US-Präsident in einer Rede an der Mauer am Brandenburger Tor direkt an den sowjetischen Generalsekretär mit den provozierenden Worten: „Mr. Gorbatschow, öffnen Sie dieses Tor! Mr. Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer nieder!“

„Einflüsterer“ Shultz und Perestroika-Außenminister Schewardnadse

Nicht zuletzt dank der „Einflüsterungen“ Shultz‘ änderte Reagan seine Strategie und setzte fortan auf Entspannung. Das führte zu Meilensteinen im Abrüstungsprozess wie dem Vertrag über das Verbot landgestützter nuklearer Mittelstreckenraketen (INF) von 1987, was später zum Ende des Kalten Krieges und zur Wiedervereinigung Deutschlands führte.
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Nicht nur zwischen Reagan und Gorbatschow, sondern auch zwischen den Außenministern der beiden Blockmächte, George Shultz und Eduard Schewardnadse, hatte sich Vertrauen aufgebaut. Zusammen trieben sie die Abrüstungsgespräche voran. Beide hatten mit großem Widerstand in den eigenen Reihen und auch bei ihren Präsidenten zu kämpfen. Allein zwischen 1985 und 1988 trafen sich die beiden Top-Diplomaten mehr als 30 Mal. Das Vertrauen zahlte sich aus. Shultz war der einzige westliche Politiker, der 1988 von den Sowjets im Voraus über den bevorstehenden Abzug der Roten Armee aus Afghanistan informiert wurde.

Auch Schattenseiten

Allerdings fiel in Shultz‘ Amtszeit auch die US-Invasion Nicaraguas, deren führender Befürworter Shultz war. 1983 sagte er vor dem US-Kongress: „Wir müssen den nicaraguanischen Krebs herausschneiden.“ Immer wieder betonte er die Absicht der USA, Nicaragua am „Export der Revolution in seine Nachbarstaaten“ zu hindern. Er widersprach auch jeder Art von Verhandlung mit der nicaraguanischen Regierung Daniel Ortegas. „Verhandlungen sind ein Euphemismus, wenn der Schatten der Macht nicht auf den Verhandlungstisch fällt.“
Im Januar 1989 schied Shultz mit dem Ende der Präsidentschaft Reagans aus der Regierung aus, blieb aber ein Stratege der Republikanischen Partei. Außerdem lehrte er an der Stanford-Universität internationale Wirtschaftswissenschaften.

Rice: „Staatsmann und echter Patriot“

Condoleezza Rice, die spätere Außenministerin der Vereinigten Staaten unter George W. Bush twitterte:
„Außenminister George Shultz war ein großer amerikanischer Staatsmann und echter Patriot im wahrsten Sinnen des Wortes. Wir müssen jetzt die Arbeit fortführen, zu der er uns angeregt hat – die Freiheit und die Möglichkeiten zu lieben und nie den Wissensdurst zu verlieren. Möge er in Frieden ruhen.”
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