Registrierung erfolgreich abgeschlossen!
Klicken Sie bitte den Link aus der E-Mail, die an geschickt wurde

„Der Lada der Impfstoffe“ und Abbitte für die Russen: „Sputnik V“ hat nun Karl Lauterbach-Effekt

© SNA / Ilja PitalewCorona-Impfstoff "Sputnik V"
Corona-Impfstoff Sputnik V - SNA, 1920, 06.02.2021
Abonnieren
Der Aha-Moment von „Sputnik V“ ist da: Nachdem „The Lancet“ die Ergebnisse der Phase-III-Studien des russischen Impfstoffs veröffentlicht und dessen Wirksamkeit von 91,6 Prozent anerkannt hat, genießt das von den Medien einst als „Putin-Murks“ abgetane Mittel nun Respekt. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach ist sogar der Vorreiter.
„Ist Sputnik jetzt ein guter Impfstoff?“, fragte etwa der ZDF-Moderator Markus Lanz den 57-Jährigen am Dienstag. Erst wackelte Lauterbach zwar, nannte den Impfansatz mit zwei diversen Adenoviren mal „relativ pragmatisch genial“, dann vielleicht doch nicht, dann „pragmatisch, aber relativ primitiv“. Die Wissenschaftler von „The Lancet“, die die Studie bewertet hätten, seien jedoch „sehr vertrauenswürdig und sehr erfahren“.
„Und daher muss man den Russen in der Hinsicht wahrscheinlich Abbitte tun, wenn sich die Ergebnisse bestätigen. Es ist, wenn man so will, der Lada der Impfstoffe, der bringt einen billig ans Ziel“, legte Lauterbach nach. „Läuft immer und war auch schnell zu reparieren“, scherzte auch Lanz, vom Grünen-Chef Robert Habeck angelächelt. „Da sind wir tatsächlich vielleicht zu arrogant gewesen, ich habe dem Impfstoff auch selbst wenig zugetraut. Ich gehöre zu den 99 Prozent der Wissenschaftler außerhalb von Russland, die gedacht haben, das Ding kommt nicht weit. (...) Die Leute, die das geprüft haben, sind Vollprofis; wenn sich das bestätigt, dann ist es ein Impfstoff, der sich leicht produzieren lässt, und das wäre eine wichtige Ergänzung.“
Als „Sputnik V“ im August noch vor den Phase-III-Studien als erster Corona-Impfstoff registriert (und nicht schon für massenhafte Impfungen zugelassen) wurde, kritisierte Lauterbach im SWR die Vorgehensweise als „unvernünftig und verantwortungslos“ und warnte vor dem „Impfgau“. Nun hat er sich angeblich bekehrt und fordert in einem neuen „Spiegel“-Interview, dass der Wirkstoff sofort von der Europäischen Arzneimittelagentur EMA geprüft werden müsse. Die entsprechenden Gespräche führt der russische Impfstoffentwickler mit der EMA seit dem 19. Januar.

Vakzin doch besser als sein Ruf?

Den PR-Zug des russischen Präsidenten zum Vorwand für den Spott genommen, hatten einige Kritiker auch die Entwickler dahinter kaum geschont – gleich für den Fall, dass sie doch scheitern. „Erinnert ihr euch, wie westliche Medien süffisant über den russischen Impfstoff sprachen und sich lustig machten? Arroganz ist immer ein schlechter Ratgeber“, mahnt der Linksabgeordnete im Bundestag Niema Movassat inzwischen.
Dabei war die frühe Registrierung des Impfstoffs, entwickelt nach einer sich im Vergleich zu mRNA längst bewährten Vektormethode, keines Lobes, aber vielleicht auch keiner Häme wert. Nun findet der russische Impfstoff auch unter den Fachleuten seine Anerkennung: Direktor Emeritus und Gründungsdirektor am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie, Prof. Dr. Dr. Stefan Kaufmann, erklärte neulich in einem „Cicero“-Interview, das russische Vakzin sei besser als sein Ruf – die Entwickler seien clever vorgegangen, an dem Impfstoff gebe es nichts auszusetzen.
Und schon schreibt der Chefkommentator der „Welt“ Jacques Schuster, Russland sei vielleicht doch mehr als ein „Obervolta mit Atomraketen“, und begrüßt indirekt die Entscheidung Moskaus, den Impfstoff schon vor der Veröffentlichung der endgültigen Daten zu nutzen. Es sei nun fesselnd, Putin zu beobachten – und es sei ebenso folgerichtig gewesen, dass der Kreml das wertvolle Nass Sputnik V getauft habe.
Der russische Corona-Impfstoff (Gam-COVID-Vac) - SNA, 1920, 05.02.2021
Von „Maßnahmen wie im Mittelalter“ und „Sputnik V“ als Lichtblick
So zeigt sich Sachsen-Anhalts Landesregierung schon offen für die Produktion des Impfstoffs in Dessau-Roßlau, wenn IDT Biologika diesen produzieren will und die EU ihn zulassen würde. Man würde als Landesregierung natürlich alles tun, um dem Unternehmen zu helfen – es gebe keine ideologischen Vorbehalte gegen „Sputnik V“. Das Pharmaunternehmen hatte zuvor eine Anfrage vom Impfstoffentwickler bekommen. Im Falle einer EU-Zulassung werden aus Moskau im zweiten Quartal dieses Jahres 100 Millionen Dosen in Aussicht gestellt. Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zeigte sich nach der Kritik im August nun nicht abgeneigt.

„Nur ein Werkzeug in der Hand der Macht“

Allerdings bleiben es diejenigen, die den russischen Impfstoff auch nach all den Wirksamkeitsnachweisen selbst als Ergänzung nicht akzeptieren würden. „Sollte man sich wundern, wie alle plötzlich auf die vermeintliche Wirksamkeit des russischen Impfstoffs fliegen? Nein“, schreibt der einst bekannte WDR-Journalist Horst Kläuser auf Facebook. Die verquaste Russland-Liebe vieler Deutscher dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, dass Putins Russland eben kein fairer und redlicher Partner auf Augenhöhe sei. Auch die russischen Wissenschaftler seien letztlich nur ein Werkzeug in der Hand der Macht. Den Ergebnissen in überwachten Phase-III-Studien der Großkonzerne will Kläuser eher glauben als „einem Bericht aus dem eigenen pharmazeutischen Betrieb“ aus Moskau. Dass dieser aber von „The Lancet“-Leuten unabhängig überprüft wurde, erwähnt Kläuser nicht.
Exportversion des russischen Corona-Impfstoffs Sputnik V in Argentinien - SNA, 1920, 04.02.2021
Russland ist „mehr als ein ‚Obervolta mit Atomraketen‘“: „Welt“ zu Sputnik-V-Entwicklung
Oder der FAZ-Leiter im Wissenschaftsressort, Joachim Müller-Jung, der im August Putins „Impfstoff-Murks“ null Seriosität bescheinigte und vor einem „gigantischen Menschenexperiment“ warnte, obwohl der Impfstoff dann erst im Dezember massenhaft eingesetzt wurde – fast parallel zu den mRNA-Impfstoffen in der EU. Ein Bekenntnis für die eigene Arroganz fehlt bei ihm noch.
Newsticker
0
Um an der Diskussion teilzunehmen,
loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich
loader
Chats
Заголовок открываемого материала