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Neues Netzwerk will Wissenschaft gegen „Political Correctness“ und „Cancel Culture“ verteidigen

© AFP 2020 / TOBIAS SCHWARZStasi-Archiv (Archivfoto)
Stasi-Archiv (Archivfoto) - SNA, 1920, 04.02.2021
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Ein neues Netzwerk von Wissenschaftlern sorgt sich um den öffentlichen Diskurs an deutschen Hochschulen. Gemeinsam wollen sie „die Freiheit von Forschung und Lehre gegen ideologisch motivierte Einschränkungen“ verteidigen.
70 Wissenschaftler aus dem deutschsprachigen Raum haben sich zu dem „Netzwerk Wissenschaftsfreiheit“ zusammengeschlossen. Sie monieren eine „zunehmende Verengung von Fragestellungen, Themen und Argumenten in der akademischen Forschung“, wie es in ihrer Pressemitteilung vom Donnerstag heißt.

Kampf um die Deutungshoheit

Um zu sehen, wie ideologisch der Kampf um die Deutungshoheit in der Gesellschaft geführt wird, reicht ein Blick in die Qualitätspresse zu dieser Nachricht:
Die als „linksliberal“ geltende Süddeutsche Zeitung (SZ) schreibt über das Netzwerk:
„Ein Zusammenschluss von Professoren prangert ein angebliches Einknicken der Hochschulen vor dem linken Mainstream an“, und fragt weiter: „Wer ist denn dieser Mainstream? Wer erzeugt den so beklagten Konformitätsdruck?“
Auf der anderen Seite berichtet die „bürgerlich-konservative“ Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ), dass ein neues Netzwerk von Wissenschaftlern „der Cancel Culture die Stirn“ biete und sich die „ideologische Diskreditierung von Themen und Standpunkten“ nicht mehr bieten lassen wolle.
In der Pressemitteilung des „Netzwerk Wissenschaftsfreiheit“ selbst heißt es, dass vielerorts an den Universitäten ein Klima entstanden sei, in dem abweichende Positionen und Meinungen an den Rand gedrängt und moralisch sanktioniert würden. Die Wissenschaftler schreiben: „Cancel Culture und Political Correctness haben die freie und kontroverse Debatte auch von Außenseiterpositionen vielerorts an den Universitäten zum Verschwinden gebracht.“
Gegründet wurde das Netzwerk von der Migrationsforscherin Sandra Kostner (PH Schwäbisch Gmünd) und dem Historiker Andreas Rödder (Universität Mainz), der Politologin Ulrike Ackermann (John-Stuart-Mill-Institut), der Philosophin Maria-Sibylla Lotter (Universität Bochum) und dem Juristen Martin Nettesheim (Universität Tübingen).
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Mit Forschung und Lehre die Gesellschaft verändern?

Im Interview mit der Zeit schildern die Netzwerker ihre Wahrnehmung des Status Quo:
„Die Einschränkungen gehen von Wissenschaftlern und Studierenden aus. Sie nutzen Forschung und Lehre, um die Gesellschaft zu verändern – gemäß ihrer politischen Einstellung“, so Sandra Kostner, Sprecherin des „Netzwerks Wissenschaftsfreiheit“, Geschäftsführerin des Masterstudiengangs „Interkulturalität und Integration” und Diversitätsbeauftragte an der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd.
Sie nennt sie deshalb „Agenda-Wissenschaftler“. „Sie kennzeichnet ein absoluter Wahrheitsanspruch. Kritik begegnen sie nicht mit Argumenten, sondern mit moralischer Diskreditierung, sozialer Ausgrenzung und institutioneller Bestrafung“.
„Wir beobachten, dass an den Unis ein neues diskursives Klima entsteht", sagt der Historiker Andreas Rödder, Professor für Neueste Geschichte an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz und CDU-Mitglied.
"Aktivistische Gruppen wollen Vorlesungen oder Veranstaltungen mit unliebsamen Rednern unterbinden; Dozenten werden diffamiert; es wird Druck auf Universitätsangehörige ausgeübt, unliebsame Themen zu vermeiden. Das erzeugt Unruhe in Dekanaten und Hochschulleitungen – und Selbstkontrolle.“
Andreas Rödder
Historiker
Rödder wies auch auf die subtilen Methoden der Ausgrenzung hin. Sie kann darin bestehen, dass Publikationen oder Drittmittel verweigert werden für die Forschung zu Themen, die nicht in den moralischen Korridor einer verstärkt politisierten Gesellschaftswissenschaft passen.

Angst vor Isolation

Mit ihrem Appell und der Gründung des Netzwerkes, so die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, wollen sie die Voraussetzungen freiheitlicher Forschung und Lehre verteidigen und sich für eine von Sachargumenten und gegenseitigem Respekt geprägte Debattenkultur einsetzen.
Rödder betont in der Zeit, dass es nicht nur um die Freiheit geht, etwas im konkreten Sinne sagen zu können. Man müsse es – solange es in den Grenzen von Recht und Verfassung ist – auch sagen können, ohne öffentlich stigmatisiert zu werden. „Außerdem ist die Freiheit des deutschen Professors auch eine Verantwortung", erklärt er weiter.
"Ich will mir nicht vorwerfen lassen, dass ich zu leise war. Wir wissen aus der sozialpsychologischen Forschung: Menschen haben Angst davor, sich zu isolieren. Viele Wissenschaftler fürchten sich davor, isoliert zu werden.“
Andreas Rödder
Historiker
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