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Warum kehren Menschen den Kirchen den Rücken?

© SNA / Wladimir FedorenkoKatholische Hofkirche in Dresden (Archivbild)
Katholische Hofkirche in Dresden (Archivbild) - SNA, 1920, 03.02.2021
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Seit der Wende verlieren die beiden großen Kirchen in Deutschland jährlich Hunderttausende Mitglieder. 2019 sind besonders viele Menschen ausgetreten. Woher kommt die Vertrauenskrise und was ist der Grund für die Entfremdung?
Der Trend zum Kirchenaustritt hält auch im noch jungen Jahr 2021 an. So sind in Köln die Termine für Kirchenaustritte bis Ende April komplett ausgebucht. Pro Monat sind das rund 1000 Online-Termine. Derzeit erregt eine Krise um den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki großes Aufsehen. Woelki hält ein Gutachten zurück, das den Umgang von Bistumsverantwortlichen mit Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs gegen katholische Priester untersucht. Er führt dafür rechtliche Gründe an. Dieses Vorgehen Woelkis hat eine beispiellose Vertrauenskrise im größten deutschen Bistum ausgelöst, berichtet die Deutsche Presse-Agentur. Der Kölner Stadtdechant Robert Kleine – der oberste Repräsentant der katholischen Kirche in der Stadt Köln – hat gesagt, er könne derzeit niemandem einen Austritt aus der Kirche übelnehmen.

Nur 1992 gab es mehr Austritte aus der Kirche

Der Blick in die Statistik zeigt: Das Verhalten des Kölner Kardinals kann nicht der einzige Grund dafür sein, warum immer mehr Menschen den Kirchen den Rücken zukehren. Seit der Wiedervereinigung haben die katholischen und evangelischen Kirchen jedes Jahr Hunderttausende Mitglieder verloren. 2019 war mit insgesamt 542.771 Kirchenaustritten ein besonders verlustreiches Jahr. Mehr Menschen sind nur 1992 ausgetreten (554.022). Ende 2019 zählte die evangelische Kirche noch 20,7 Millionen Mitglieder, die katholische 22,6 Millionen. Damit gehörte etwas mehr als die Hälfte der Deutschen einer der beiden großen Kirchen an.
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"Wir bedauern jeden Kirchenaustritt", sagte Bischof Georg Bätzing, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz bei der Bekanntgabe der Austrittszahlen im Juni 2020. "Die Kirchenaustrittszahl zeigt, dass die Entfremdung zwischen Kirchenmitgliedern und einem Glaubensleben in der kirchlichen Gemeinschaft noch stärker geworden ist."

„Die Kirche solle ihre Arme weit ausstrecken“

Die Kirchen sollten offener werden und auf die Menschen zugehen, sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm gegenüber der „Bild am Sonntag“.
"Wir dürfen nicht warten, bis die Menschen in unsere Kirchen oder Gemeindehäuser kommen. Wir müssen raus, dahin, wo sich der Alltag der Menschen abspielt."
Heinrich Bedford-Strohm
Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)
Die Kirche solle ihre Arme weit ausstrecken, "wenn Menschen sich an uns wenden, zur Stelle sein. Wenn Menschen in Not geraten, uns einmischen und öffentlich protestieren, und konkret helfen, wenn Flüchtlinge im Mittelmeer ertrinken und keiner schaut hin und rettet sie".
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