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Wirtschaftsexperte Fratzscher: „2021 ist zwischen plus 5 und minus 5 Prozent alles drin“

© REUTERS / STAFFDAX-Börse in Frankfurt am Main
DAX-Börse in Frankfurt am Main - SNA, 1920, 03.02.2021
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Wie groß wird der wirtschaftliche Schaden durch die Corona-Krise sein? Ist Zero-Covid realistisch? Wie lange wird es noch Kurzarbeit geben müssen? Diese und andere Fragen beantwortete Marcel Fratzscher, der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) am Mittwoch in einer Videokonferenz.
Dem Verein der Ausländischen Presse (VAP) ist es am Mittwoch gelungen, den Präsidenten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung und Professor für Makroökonomie an der Humboldt-Universität in Berlin Marcel Fratzscher zu einer einstündigen Video-Fragerunde zu gewinnen.
Fratzscher hält die aktuellen Lockdown-Maßnahmen für richtig, würde diese aber nicht weiter verschärfen oder unverhältnismäßig lange verlängern.

„Zero-Covid ist falsch und kontraproduktiv“

Von Zero-Covid, dem Aktionsbündnis, das eine Zahl von Null bei den Neuinfektionen mit Covid-19 anstrebt, hält der Wirtschaftsexperte gar nichts:

„Zero-Covid ist falsch und kontraproduktiv. In einem so dichtbesiedelten Land wie Deutschland mitten in Europa, mit so vielen Ländergrenzen ist so ein Ziel derzeit nicht realistisch. So etwas könnte man nur für ganz Europa als Kontinent realisieren“

Marcel Fratzscher
Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung
Zero-Covid um den Preis eines monatelangen Shutdowns würde nie gesellschaftliche Akzeptanz finden, ergänzte der Experte.
Der Wirtschaftsprofessor verwies auf den „massiven gesellschaftlichen Schaden“, den auch der neue Lockdown wieder verursacht, vor allem für die Kinder durch den Bildungsrückstand und zunehmende Gewalt und Stress im Haushalt aufgrund geschlossener Kitas und Schulen.

Risiken für 2021

Da der zweite Lockdown schon so lange andauert, hätte sich der wirtschaftliche Ausblick im Vergleich zum Dezember „ massiv eingetrübt“, führte Fratzscher aus.
„2021 ist zwischen plus 5 und minus 5 Prozent alles drin“.
Marcel Fratzscher
Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung
Es gäbe enorme Risiken, die noch niemand abschätzen kann – etwa ob eine dritte Welle kommt und wie hart dann ein Lockdown sein müsste, so Fratzscher. Und im Moment sei auch noch nicht ganz klar, wie schnell geimpft wird.
In diesem Jahr rechnet der Wirtschaftsexperte noch mit vielen Unternehmensinsolvenzen, vor allem im Hotel- und Gastgewerbe und Einzelhandel. Möglicherweise wird es auch zu  einem Anstieg der Arbeitslosigkeit kommen.

Industrie „erstaunlich robust“ – dank Kurzarbeit

Die Industrie schätzt Fratzscher dagegen als „erstaunlich robust“ ein. Auch die Mittelständler haben die Krise bisher ganz gut gemeistert. Die exportorientierten Unternehmen würden dabei auch von der wirtschaftlichen Erholung in Asien profitieren.
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Im Inland sei die Kurzarbeit ein „phantastisches Instrument“, um harte Zeiten zu überbrücken, meint der Wirtschaftsexperte. Allerdings sollte man die Kurzarbeit noch auf Minijobber und Soloselbstständige erweitern.  Möglicherweise müsse die Kurzarbeit über 2021 hinaus verlängert werden.
Abschließend meinte der Wirtschaftsexperte, dass Deutschland davon zehren kann, dass es zehn sehr gute Jahre hatte. So hätten der Staat und auch viele Unternehmen Reserven aufbauen können, um nun die Corona-Schäden auszugleichen. Auch gäbe es noch genug Arbeitsplätze. Fratzscher erinnerte daran, dass Deutschland 2005 knapp fünf Millionen Arbeitslose hatte. Jetzt sei es etwa die Hälfte.
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