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Angepasst, unkritisch, verzerrend – ÖR-Insider über Corona-Berichterstattung in den Leitmedien

© AFP 2021 / ARMANDO BABANICorona-Pandemie (Symbolbild)
Corona-Pandemie (Symbolbild) - SNA, 1920, 01.02.2021
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Unter dem Pseudonym „Ralf Arnold“ schildert der Autor, selbst seit vielen Jahren Redakteur und Nachrichtensprecher beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk, im Magazin „Multipolar“ seine Erfahrungen, wie mit der Corona-Pandemie umgegangen wird. Sein Urteil fällt vernichtend aus.
An dem Tag, als der erste Corona-Verdachtsfall in seiner Region gemeldet wurde, habe ihn die Nachrichtenchefin angehalten, die Meldung zum Aufmacher seiner Nachrichtensendung zu machen, erinnert sich der Autor mit dem Pseudonym „Ralf Arnold“. Schon damals habe ihn ein ungutes Gefühl beschlichen und er habe es maßlos überzogen gefunden, einen bloßen Verdachtsfall an die erste Stelle zu rücken. Seither habe sich das ungute Gefühl massiv verstärkt. Mit weiteren Verdachtsfällen, bestätigten Corona-Fällen und ersten Todesfällen habe eine Dynamik eingesetzt, die nicht mehr aufzuhalten schien, und die Menschen hätten sich von einer diffusen Angst anstecken lassen.
In allen Fernseh- und Online-Nachrichten sei die Grafik der Johns-Hopkins-Universität mit der stetig steigenden Kurve der Neuinfektionen zu sehen gewesen – ihm sei klargeworden, dass sie mehr psychologische Wirkung als sachliche Informationen enthielt, so der Autor. Denn obwohl es zur journalistischen Grundausbildung gehöre, Zahlen niemals ohne sinnvollen Bezug zu melden, der die Informationen einzuordnen hilft, scheine sich dieses Grundprinzip in den ersten Wochen der Pandemie in Luft aufgelöst zu haben:

„Absolute Zahlen, immer wieder nur absolute Zahlen, ohne sinnvollen Bezug. Bis zum heutigen Tag wird gerne erzählt, dass die USA das am schwersten von Corona heimgesuchte Land seien, mit dem bloßen Verweis auf die absoluten Infektions- und Todeszahlen, ungeachtet der Einwohnerzahl, zu der die Zahlen selten ins Verhältnis gesetzt werden.“

Hinterfragen der Maßnahmen als Knüppel?

Zudem hätten die Nachrichtenredaktionen ohne Hinterfragung die Zahlen von Gesundheitsämtern, Landratsämtern und Landesregierung übernommen, die kritische Distanz sei verloren gegangen. Auch beim Verhängen des ersten Lockdowns sei die Kritik ausgeblieben. „Bei fast allen Journalisten des ‚Mainstreams‘, also der sogenannten ‚Leitmedien‘, schien augenblicklich eine Beißhemmung gegenüber der Politik und den Behörden einzusetzen, auch in meiner Redaktion.“
ARD-Show Anne Will (Archivbild) - SNA, 1920, 01.02.2021
„Dicke Fehler gemacht“: Eine trostlose Show bei „Anne Will“ – trotz rosaroter Krawatte
Man habe sich um Regierung, RKI und Gesundheitsämter geschart, und die Einstellung schien zu sein, man dürfe ihnen in den Zeiten der Krise nicht noch zusätzlich Knüppel zwischen die Beine werfen, indem man ihre Maßnahmen hinterfragt. Auch in seiner Redaktion sei immer häufiger zu hören gewesen, die Regierung mache einen wirklich guten Job, Lockdown und Einschränkungen der Grundrechte seien notwendig und sicher nur vorübergehend. Skeptische Stimmen habe er hingegen kaum gehört.
In TV-Interviews mit Politikern hätten hochgeschätzte Journalisten nur noch eifrig genickt und zugestimmt, wenn die Gesprächspartner ihre Forderungen unterbreiteten. „Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache; dass er überall dabei ist, aber nirgendwo dazugehört.“ Dieser Leitsatz des legendären Fernsehjournalisten Hanns-Joachim Friedrichs scheine dieser Tage vergessen, doch das scheine weder aufzufallen, noch zu stören.

Wer ist der Sündenbock? Virus oder Lockdown?

Negative Veränderungen habe er auch im Sprachgebrauch festgestellt, fährt „Arnold“ fort. So habe die Tagesschau beispielsweise vermeldet, Twitter wolle „Falschinformationen zu Corona“ künftig löschen. Er frage sich, weshalb man in diesem Zusammenhang nicht Worte wie „angebliche“ oder „vermeintliche“ voranstelle, oder könne Twitter etwa zweifelsfrei beurteilen, was in Sachen Corona richtige und was falsche Informationen seien? Zudem würden Differenzeirungen zunehmend wegfallen. So heiße es etwa, die WHO befürchte, durch die Corona-Pandemie würden eineinhalb Millionen weitere Menschen in Armut stürzen. Das sei faktisch nicht richtig, denn das Abgleiten in die Armut werde nicht von der Pandemie selbst, sondern von den Lockdowns ausgelöst. Der Sündenbock sei auch immer das Virus, nicht etwa die Politik.
Auch über die Zahlen der gemeldeten Neuinfektionen scheine man in den Redaktionen nicht kritisch nachdenken zu wollen:

„Ich begann bereits im Frühjahr 2020 die Zählweise des RKI und damit auch der Regierung zunehmend in Zweifel zu ziehen. Ich machte meine Vorgesetzten darauf aufmerksam, dass sämtliche Zahlen wie die täglich gemeldeten ‚Neuinfektionen‘ oder der ‚R-Wert‘ im Grunde wertlos seien, wenn wir nicht die Zahl der durchgeführten Tests dazu in Bezug setzten. Man nahm das zwar zur Kenntnis, hielt aber keine weitere Überprüfung oder Nachfrage für nötig, denn der Trend der rasant steigenden Zahlen sei doch nicht zu verkennen, egal wie viel getestet werde, hieß es.“

So sei die Zahl der Neuinfektionen von der elften auf die zwölfte Kalenderwoche von 8000 auf 24.000 gestiegen. Auf Nachfrage habe das RKI dann eingeräumt, im fraglichen Zeitraum auch fast dreimal so viel getestet zu haben. In den Leitmedien sei die Frage nach den PCR-Tests sowie die Kritik daran nicht thematisiert worden. Auch würden die Begriffe „Infizierte“ und „Erkrankte“ häufig durcheinandergeworfen.

"Kontroversen nur Feigenblatt-Diskussionen"

Aus seiner persönlichen Erfahrung könne er sagen, dass von Beginn der Pandemie an bei den täglichen Redaktionskonferenzen auch nie das offizielle Narrativ der Bundes- und Landesregierung in Frage gestellt worden sei. Demnach hätten wir eine extrem gefährliche Pandemie, die nur mit harten staatlichen Maßnahmen einigermaßen kontrolliert oder zumindest gebremst werden könne, so der Autor. Diese selektive Wahrnehmung rühre daher, dass sich die Journalisten ihre Informationen aus dem gleichen Pool von Agenturen, also von DPA, AP oder AFP, holten. Zudem konsumierten sie einschlägige Mainstream-Medien wie den Zeitungen „Welt“, „FAZ“, „Frankfurter Rundschau“ und „Süddeutsche Zeitung“, dazu Nachrichtenprogramme wie „Heute“ oder „Tagesschau“ sowie Talkshows wie „Anne Will“ und „Maischberger“. Die Journalisten hätten auch durchaus den Eindruck, es werde darin kontrovers diskutiert.

„Sie merken aber nicht – mangels Vergleich – dass diese Kontroversen nur Feigenblatt-Diskussionen sind. Da wird nur diskutiert, wann und in welchem Maße es Lockerungen der Maßnahmen geben sollte, doch das Corona-Narrativ bleibt unangetastet. Das alles soll nicht heißen, dass es keine Krankheit und keine Todesfälle gibt, aber die Wahrnehmung dessen ist geradezu neurotisch übersteigert.“

Mitte der Gesellschaft statt Rechtsradikale

Problematisch sei im Narrativ der Mainstream-Medien auch das Framing der Kritiker der staatlichen Anti-Corona-Maßnahmen als „Corona-Leugner“. Der Begriff stelle sie nicht nur in die Nähe von „Holocaust-Leugnern“, sondern bezichtige sie auch der Lüge. Pauschal werde den Kritikern angedichtet, sie würden die Existenz des Virus bestreiten. „Das ist nicht nur schlechter Stil, sondern perfide und sorgt dafür, die Gräben in der Gesellschaft noch weiter zu vertiefen“, urteilt Ralf Arnold. Genauso problematisch sei der Begriff des „Verschwörungstheoretikers“.
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Auch die Berichterstattung über die Demonstrationen der Maßnahmen-Kritiker werfen nach Meinung des Autors Fragen auf. Diese fingen schon bei den Angaben zur Teilnehmerzahl an. Die Leitmedien hätten hierbei die niedrigen Zahlen der Polizei übernommen und die Angaben von Veranstaltern und Teilnehmern, die wesentlich höher lagen, ignoriert. Hinzu komme, dass sie sich in ihrer Berichterstattung auf Rechtsradikale und Reichsbürger konzentriert hätten, wobei in zahlreichen Videostreams zu sehen gewesen sei, „dass offenbar ein großer, wenn nicht überwältigender Anteil der Demonstranten aus der Mitte der Gesellschaft kam“. Umfragen und Studien hätten inzwischen bestätigt, dass die Demonstranten im Schnitt „etwas älter, gebildet und aus bürgerlichen Verhältnissen“ seien. Ein Grund für dieses Ungleichgewicht könne sein, dass auf der Jagd nach Klicks und Likes gern das vermeintlich Spektakuläre oder Skandalöse in den Vordergrund gerückt werde.

"Haltungsjournalismus" statt Neutralität

Hinsichtlich der Expertisen zur Gefährlichkeit des Virus würden die Leitmedien dazu tendieren, fast nur solche Studien zu zitieren, die die Gefährlichkeit als hoch und damit die harten Maßnahmen als gerechtfertigt darstellten. Und auch in den Interviews kämen nur sehr selten kritische Experten zu Wort. „Es gibt Aussagen von führenden Chefredakteuren der Öffentlich-Rechtlichen, die besagen, dass Leute wie Wolfgang Wodarg oder Sucharit Bhakdi grundsätzlich nicht in Talk-Shows zu dem Thema eingeladen werden. Die Blase soll möglichst dicht bleiben.“
In den letzten Jahren habe sich zunehmend ein „Haltungsjournalismus“ herausgebildet, eine intellektuelle und moralisierende Überheblichkeit. Man gehöre einfach zu den „Guten“, zu denen, die auf der „richtigen Seite“ stehen. Man glaube, den ver(w)irrten Bürger belehren zu müssen. Es gehe nicht mehr um Neutralität, sondern darum, die „richtige Sache“ zu vertreten, und erstaunlich oft decke sich das mit den Interessen der Regierung.

„Ein Grund ist auf jeden Fall die Angst, durch allzu kritische Äußerungen zu negativ aufzufallen. Die sich selbst verstärkende Eigendynamik der Mainstream-Blase sorgt dafür, dass eben kaum jemand gegen den Strom schwimmen will. Obwohl ein guter Teil der Redakteure fest angestellt ist, ist die Sorge vor Konsequenzen groß. Wie ich an mir selbst beobachten kann.“

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