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Tragödie am Djatlow-Pass: Forscher erklären Tod russischer Skiwanderer – Bericht

© SNA / Pawel lisizyn / Zur BilddatenbankAufnahmen zeigen Daten aus den Untersuchungsunterlagen bezüglich des Todes der Gruppe von Igor Djatlow im Jahr 1959
Aufnahmen zeigen Daten aus den Untersuchungsunterlagen bezüglich des Todes der Gruppe von Igor Djatlow im Jahr 1959  - SNA, 1920, 29.01.2021
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Forscher aus der Schweiz, Johan Gaume von der Technischen Hochschule in Lausanne, und Alexander M. Puzrin vom Institut für Geotechnik (ETH) in Zürich, haben ein analytisches Modell erstellt, um die Hypothese zu prüfen, dass sich im Jahr 1959 im Ural eine Schneeplatte lawinenartig gelöst und den Tod von neun russischen Skiwanderern verursacht hat.
Die Forschungsergebnisse sind in der Fachzeitschrift „Communications Earth & Environment“ veröffentlicht worden.
Demnach bauten die Wissenschaftler ein Modell eines lawinenartigen Abstiegs einer Schneeplatte in Bezug auf die Umgebung, in der die Touristen ihr Lager aufgebaut hatten. Die Simulationsergebnisse zeigten, dass mit einem solchen Szenario die Verletzungen an Schädel und Brust verbunden sein könnten, die die Opfer von damals aufgewiesen hatten.
Die Forscher gingen davon aus, dass eine Kombination mehrerer Faktoren zu der Tragödie geführt habe: Ungleichmäßige Topographie, ein Schnitt in der Schneeschicht, den die Touristen beim Aufbau ihres Zeltes gemacht hatten, ein Gegenwind, der weiterhin Schnee dazubrachte, was die Belastung der bereits angeschlagenen Schicht erhöht hätte.
Neun oder 13 Stunden nach dem Aufbau des Zeltes sei offenbar die Lawine aufgetreten, hieß es. Dies würde der geschätzten Unfallzeit entsprechen. Die Wissenschaftler haben auch eine numerische 3D-Simulation des Schadens durchgeführt, den eine solche Lawine bezüglich der Menschen verursachen könnte. Die Ergebnisse würden mit den in den Untersuchungsunterlagen aufgezeichneten Hinweisen auf die Verletzungen übereinstimmen, so das Fazit.
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Die Platte hätte nachts begonnen, den Hang hinunterzurutschen. Erschrocken über das Geräusch einer freisetzenden Lawine seien die Touristen aus dem Zelt gesprungen, aber die sich bewegende Schneeplatte habe diese niedergeworfen. Die Verletzten seien an Unterkühlung gestorben, da draußen etwa minus 25 Grad gewesen seien.
Tatsächlich wurde diese Version von der offiziellen Untersuchung fast sofort vorgelegt, aber sie fanden keine offensichtlichen Hinweise auf eine Lawine. Und der Neigungswinkel war laut Experten dafür nicht steil genug. Darüber hinaus sollte die Lawine theoretisch unmittelbar nach der Belastung des Abhangs und nicht nach neun Stunden aufgetreten sein. Auch die Art der erlittenen Verletzungen sei für die Opfer einer Lawine untypisch gewesen, hieß es.
Betrachtet man jedoch nicht eine klassische massive Lawine, sondern den Abstieg einer dichten Schneeplatte geringer Dicke, so würde alles stimmen, so die Studienautoren
„Einer der Hauptgründe, warum die Lawinenhypothese noch nicht vollständig akzeptiert wurde, ist, dass die Behörden keine Erklärung für den Mechanismus ihrer Entstehung geliefert haben. Und wir verwenden Daten zur Schneereibung und zur lokalen Topographie, um zu beweisen, dass eine kleine plattenartige Lawine an einem sanften Hang aufgetreten sein und nur wenige Fußabdrücke hinterlassen haben konnte. Wir zeigen durch Computersimulation, dass ein Plattenaufprall zu ähnlichen Verletzungen führen konnte, wie diese zu beobachten waren“, sagte Gaume.
Die Autoren stellen jedoch fest, dass ihre Schlussfolgerungen vorläufig seien und ausschließlich auf den Ergebnissen der numerischen Simulation beruhen würden.

Hintergrund

Der Berg Cholat Sjachl im nördlichen Ural ist ein verwunschener Berg. Jedenfalls aus Sicht der Mansen, einem in dieser Region verwurzelten finno-ugrischen Volk. Weil dort der Legende nach in alten Zeiten neun Jäger getötet wurden, heißt der rund 1500 Kilometer östlich von Moskau gelegene Cholat Sjachl in der Sprache der Mansen „Berg des Todes“.
Eine Gruppe von neun russischen Skiwanderern hatte sich vor 61 Jahren von der alten Legende nicht abschrecken lassen. Am 28. Januar 1959 starteten sie von einer verlassenen Bergwerkssiedlung aus zu einer Tour durch die Wälder und Berge des nördlichen Ural. 350 Kilometer und der verwunschene Cholat Sjachl lagen vor der Gruppe, der sieben Männer und zwei Frauen im Alter von 21 bis 38 Jahren angehörten und die von dem Funkingenieurstudenten Igor Djatlow angeführt wurde. Doch die Expedition endete in einer Katastrophe – alle neun Skiwanderer kamen am 1. Februar 1959 ums Leben. Sie starben auf dem später nach dem Anführer der Gruppe benannten Djatlow-Pass, der hinaufführt zum Cholat Sjachl, dem 1092 Meter hohen „Berg des Todes“.
Bis heute sind die genauen Todesumstände und die Ursache der Tragödie ungeklärt. Dafür finden sich seit sechs Jahrzehnten in Büchern und Filmen alle möglichen Theorien dazu. Angeheizt werden die Diskussionen zudem durch seltsame Himmelserscheinungen über dem Gebiet des Cholat Sjachl in jener Zeit, die durch mehrere unabhängige Zeugenaussagen verbürgt sind. Danach waren an unterschiedlichen Tagen hell leuchtende Kugeln gesichtet worden, die sich minutenlang am Himmel bewegten. Während die einen dieses Phänomen als Beleg für die Ufo-Theorie werten, vermuten andere hinter den Lichtkugeln neu entwickelte Raketen, die damals von der sowjetischen Armee über dem dünn besiedelten Gebiet getestet wurden. Möglicherweise – so eine These – sei ein solcher Test misslungen und habe zu dem rätselhaften Tod der neun Wanderer geführt.
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