Kopfbälle als Auslöser von Demenz? Neue Studien untersuchen ehemalige Fußballprofis

© REUTERS / INA FASSBENDERBundesliga-Spiel zwischen Schalke 04 und Bayern München am 24. Januar 2021
Bundesliga-Spiel zwischen Schalke 04 und Bayern München am 24. Januar 2021 - SNA, 1920, 29.01.2021
In England sollen zwei unabhängige Studien klären, ob ein Zusammenhang zwischen Profifußball und einem erhöhten Risiko einer Demenzerkrankung besteht. Mehrere Fälle von ehemaligen Fußballprofis, die daran erkrankt oder bereits verstorben sind, geben seit Jahren Anlass zu Diskussionen.
Boxen, American Football, Eishockey – wo es mächtig zur Sache geht, bekommt auch der Kopf so einiges ab. Die wiederholten Traumata können Spätfolgen nach sich ziehen, wie beispielsweise Demenz. Auch wenn Fußball auf den ersten Blick nicht ganz so gefährlich wirkt, der mögliche Zusammenhang zwischen dem Sport und späteren Demenzerkrankungen ist seit geraumer Weile ein Thema.
Bei einem Kopfball wirken bis zu 400 Kilogramm auf Schädel und Gehirn ein. Die so erhaltenen wiederholten Gehirnerschütterungen könnten zu Demenz führen, wie das bei Boxern und American Football-Spielern festgestellt wurde. Eine Reihe von namhaften Fußballprofis ist an Demenz gestorben, und Sportmediziner und Gewerkschafter mahnen seit Jahren zu erhöhter Aufmerksamkeit.
2016 sagte Ulf Baranowski, Geschäftsführer der deutschen Fußballergewerkschaft VdV:
„Wir beschäftigen uns seit längerer Zeit mit dem Thema. Es wird seit vielen Jahren geforscht, leider gibt es bisher aber noch keine eindeutigen Ergebnisse. Wichtig ist, dass die Forschung intensiviert wird, damit wir die Spieler besser schützen können. Wichtig sind auch Schnelltests, die am Spielfeldrand durchgeführt werden können. So könnte eine Gehirnerschütterung umgehend erkannt und der Spieler sofort ausgewechselt werden.“
Die Forschungslage ist nach wie vor dünn, doch nun sollen zwei unabhängige Studien in Großbritannien helfen, Licht ins Dunkel zu bringen. In ihren Studien „Focus“ (Universität Nottingham) und „Heading“ (London) wollen die Wissenschaftler ehemalige Fußballprofis auf frühe Anzeichen neurokognitiver Störungen untersuchen. Englands Auswahltrainer Gareth Southgate unterstützt die Untersuchungen ausdrücklich und hat angekündigt, selbst daran teilnehmen zu wollen. „Dies ist ein unglaublich wichtiges Problem unseres Sports und ich freue mich, dass ich meinen Teil dazu beitragen kann, diese Forschungen zu unterstützen“, so Gareth. Er wolle auch jeden ehemaligen Profi dazu ermuntern.
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2020 ist bekannt geworden, dass Sir Bobby Charlton an Demenz erkrankt ist. Charlton ist damit bereits der fünfte Weltmeister von 1966 mit dieser Diagnose. Für einen Zusammenhang zwischen Profifußball und neurodegenerativen Erkrankungen spricht auch eine schottische Studie aus dem Jahr 2019, für die die Todesumstände von 7676 ehemaligen schottischen Fußballprofis untersucht und mit 23.000 Individuen der Allgemeinbevölkerung verglichen wurden. Das Risiko für Alzheimer war gleich fünffach erhöht und das für Parkinson doppelt so hoch.
Auch wenn endgültige Ergebnisse in England noch ausstehen, haben die Verantwortlichen bereits reagiert. Kinder im Alter zwischen sechs und elf Jahren dürfen den Ball im Training überhaupt nicht mehr mit dem Kopf spielen. Für ältere Kinder und Jugendliche bis 18 sind Kopfbälle im Training nur ausnahmsweise erlaubt.
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