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Überteuert und unfair? Schweden beschwert sich bei EU über Abrechnung von Pfizer

© REUTERS / EDGAR SUDosen mit Pfizer-Impfstoff
Dosen mit Pfizer-Impfstoff - SNA, 1920, 28.01.2021
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Aus Ampullen mit dem Biontech-Impfstoff lässt sich eine Dosis mehr ziehen als ursprünglich angegeben. Kaum erkannt, hat Pfizer diese gleich neu mitberechnet. Für die Gewinnung braucht man jedoch spezielle Spritzen, an denen teilweise derzeit Mangel herrscht – wie in Schweden. Das Land hat sich nun über die höhere Rechnung bei der EU beschwert.
Schwedens Gesundheitsministerium hat die Europäische Union gebeten, den Impfstoffhersteller Pfizer zu fragen, warum für den Biontech-Impfstoff sechs Dosen pro Ampulle berechnet werden, obwohl man sich auf fünf pro Ampulle geeinigt hatte. Das berichtet der Businessinsider in Berufung auf die schwedische Zeitung „Dagens Nyheter“.
Biontech und China – der Dritte im Bunde

Wenn die Rede vom deutschen Biontech-Impfstoff ist, dann wird im gleichen Atemzug auch immer der US-Pharmakonzern Pfizer genannt, der mit dem Mainzer Unternehmen im April 2020 eine strategische Partnerschaft eingegangen ist und dabei einen Betrag in Höhe von insgesamt 600 Millionen Euro gezahlt hat. Allerdings war das nicht die erste solche Partnerschaft mit einem Pharmariesen. Einen Monat zuvor, am 16. März 2020, verkündete Biontech den Beginn einer strategischen Zusammenarbeit mit dem chinesischen Pharmaunternehmen Fosun und erhielt in dem Zug 130 Millionen Euro an Mitteln. Es dürfte deswegen nicht verwundern, dass sich China schon Mitte Dezember 2020 100 Millionen Dosen des Impfstoffs sichern konnte. Eine Woche später sicherten sich auch die USA weitere 100 Millionen und lagen damit bei 200 Millionen Dosen. Obwohl also China und USA an Biontech beteiligt sind, wird landläufig vom Impfstoff von Biontech und Pfizer gesprochen. Eigentlich müsste es nur Biontech-Impfstoff heißen oder man müsste der Gerechtigkeit halber auch den Dritten im Bunde, Fosun, nennen

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Zum Hintergrund: Die EU hat mit dem US-Pharmakonzern Pfizer einen Deal über 600 Millionen Impfstoff-Dosen abgeschlossen. Dabei hatte sich im Lauf der Zeit herausgestellt, dass sich aus einer Ampulle nicht fünf Dosen, wie angegeben, sondern sechs gewinnen lassen. Aber das heißt nicht, dass man sich jetzt über eine geschenkte Dose pro Ampulle freuen kann, denn die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) erlaubte es Pfizer bereits am 8. Januar, die Angabe auf dem Etikett von fünf auf sechs Dosen anzuheben. Für die Gewinnung von sechs Dosen sind allerdings laut EMA bestimmte Feindosierungsspritzen nötig. Und diese sind derzeit laut MedicalXpress derzeit knapp.
Corona-Impfstoff von AstraZeneca - SNA, 1920, 27.01.2021
Impfstoffstreit: Astrazeneca wehrt sich gegen EU-Vorwürfe
Schweden pocht deshalb auf die Vereinbarung, dass fünf Dosen pro Ampulle zu zahlen waren und merkt an, es verfüge nicht über die nötige technische Ausrüstung, um die berechnete sechste Dose aus den Ampullen zu gewinnen. Der Impfkoordinator Schwedens, Richard Bergstrom, bringt das Problem so auf den Punkt: „Das ist inakzeptabel. Wenn ein Land nur die Mittel hat, um fünf Dosen zu gewinnen, erhält es weniger Dosen für denselben Preis.“
Aus diesen Gründen stellte Schweden am Dienstag vorläufig Zahlungen an Pfizer ein. Allerdings merkte der schwedische Chef-Epidemiologe Anders Tegnell auch an, dass derzeit keine offenen Rechnungen bestünden. Diese steht erst in einigen Wochen an. Ob sich an ihr durch die Beschwerde bei der EU etwas ändert?
Wie funktioniert der mRNA-Impfstoff?

Das Erbgut beziehungsweise DNA im Zellkern ist der Träger der genetischen Information. Alle Proteine, die die Zelle für unterschiedliche Prozesse einsetzt, sind dort in Form eines Codes festgehalten. Aber produziert werden sie außerhalb des Zellkerns.

Wird ein Protein benötigt, dann wird zunächst im Zellkern eine Abschrift des jeweiligen Gens angefertigt, die als „Messenger RNA“, „Boten-RNA“ oder kurz „mRNA“ bezeichnet wird. Diese mRNA verlässt den Zellkern, gelangt an kleine runde Strukturen, die als Ribosomen bezeichnet werden und dort wird anhand des RNA-Codes das jeweilige Protein produziert.

Der mRNA-Impfstoff-Ansatz bedient sich dieses Mechanismus, um die Zelle dazu zu bringen, Proteine zu produzieren, die eigentlich zur Oberfläche des Sars-Coronavirus-2 gehören, namentlich das sogenannte Spike-Protein. Es wird dazu ein mRNA-Strang, der die entsprechende Information trägt, in eine Fettschicht eingehüllt und solche Nanopartikel dem Geimpften in Muskelgewebe verabreicht.

Dort sollen die Fettschichten von mRNA-Teilchen und Körperzellen verschmelzen und die mRNA dann im Inneren die Produktion von Spike-Proteinen starten. Diese präsentieren die Zellen dann auf ihren Oberflächen, rufen damit das Immunsystem auf den Plan, das die pseudo-befallenen Zellen abtötet. Bricht nun eines Tages der wirkliche Erreger ein, dann erkennt das Immunsystem diesen und unterdrückt ihn im Keime, bevor die eigentliche Krankheit ausbrechen kann.

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