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Nord Stream und Europas Gasbedarf: Russlands Erdgas-Lieferungen nach Deutschland auf Rekordniveau

© SNA / Alexej Kudenko / Zur BilddatenbankNord Stream (Symbolbild)
Nord Stream (Symbolbild) - SNA, 1920, 28.01.2021
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Die Lieferungen der Pipeline Nord Stream 1 haben 2020 einen Höchststand erreicht. Derweil der Bau der Schwesterleitung Nord Stream 2 diskutiert wird, zeigt die Auslastung: Bedarf besteht auch in der Energiewende. Die Nachfrage wird sich im Markt spiegeln. Die Infrastruktur sei zudem Brücke ins Wasserstoffzeitalter, so die Initiative "Zukunft Gas".
Im vergangenen Jahr sind 59,2 Milliarden Kubikmeter Erdgas durch die Gas-Pipeline von Wyborg bei Sankt Petersburg unter der Ostsee nach Greifswald zu den Verbrauchern in Europa transportiert worden. Damit erreichte das durch die Gasleitung Nord Stream 1 transportierte Volumen den bisher höchsten Wert seit Betriebsbeginn, teilte die gleichnamige Betreibergesellschaft mit Sitz in der Schweiz mit. Zudem sei erneut die angegebene Kapazität der zwei Rohre übertroffen worden, die mit insgesamt 55 Milliarden Kubikmeter ausgewiesen ist. Seit Inbetriebnahme des ersten Leitungsstrangs der Nord Stream-Pipeline im November 2011 seien bis Ende 2020 insgesamt rund 382 Milliarden Kubikmeter Erdgas transportiert worden, so die Betreiber.
Die Bundesnetzagentur hat die Pipeline im Mai vergangenen Jahres von der Anwendung wesentlicher Bestimmungen der EU-Gasrichtlinie freigestellt, damit sei der wichtige Beitrag von Nord Stream zur Sicherheit der europäischen Energieversorgung erneut bestätigt worden, heißt es aus der Zentrale der Aktiengesellschaft in Zug. Hauptaktionär der Nord Stream AG ist mit 51 Prozent der russische Energieriese Gazprom. Die deutschen Konzerne Wintershall und Eon halten jeweils 15,5 Prozent der Unternehmensaktien, Gasunie aus den Niederlanden und Engie aus Frankreich besitzen jeweils 9 Prozent.
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Klimaschutzstrategie und Gasbedarf

Mit Blick auf den auch in den kommenden Jahrzehnten weiter bestehenden Erdgasbedarf hat sich auch die Brancheninitiative „Zukunft Gas“ in der Debatte um die Sinnhaftigkeit der Fertigstellung der Schwesterpipeline Nord Stream 2 zu Wort gemeldet:
„Als klimaschonendster konventioneller Energieträger ist und bleibt Erdgas ein wesentlicher Bestandteil des europäischen Energiesystems“, heißt es vonseiten der Vereinigung. Die Initiative mit Sitz in Berlin informiert über Chancen und Möglichkeiten, die Erdgas und grüne Gase wie Wasserstoff und Biogas für die Gesellschaft bieten.

„Als klimaschonendster konventioneller Energieträger ist und bleibt Erdgas ein wesentlicher Bestandteil des europäischen Energiesystems.“

Initative "Zukunft Gas"
In den kommenden 20 Jahren würde der Gasbedarf nicht trotz, sondern wegen der Klimaschutzmaßnahmen mindestens konstant bleiben, so die Experten. Der Wechsel von Braunkohle zu Erdgas führe in der Stromerzeugung zu einer Kohlendioxid-Einsparung von bis zu 70 Prozent. Erdgas mache in Deutschland schon jetzt über ein Viertel des Primärenergieverbrauchs aus. Besonders im Strommarkt würde ein steigender Bedarf von Erdgas abzusehen sein, denn mit dem Ausstieg aus der Kohle- und Atomkraft, sowie dem Ausbau der erneuerbaren Energien brauche es Gaskraftwerke, die emissionsarm und flexibel Strom während einer Dunkelflaute erzeugen könnten. Habe der Anteil im Jahr 2015 noch bei neun Prozent gelegen, so erzeugten Gaskraftwerke 2020 bereits 16 Prozent des Stroms. Elektrizität mache allerdings nur ein Fünftel des deutschen Energiesystems aus.
„Die Hälfte der Deutschen heizt mit Gas und der Markt wächst stetig. Weiteres Potenzial liegt hier in der Ablösung von 5,5 Millionen Ölheizungen. Der Schritt zur elektrischen Wärmepumpe ist für Viele schwer umsetzbar oder zu teuer. Kostengünstiger ist hier die Umstellung auf grünes Gas wie Biogas oder Wasserstoff. In der chemischen Industrie hingegen ist der Einsatz von Erdgas als Rohstoff zur Herstellung von Ammoniak oder Methanol nicht elektrifizierbar. Die „Vollelektrifizierung“ erweist sich somit als teurer und schwieriger Dekarbonisierungspfad.“
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Sicherung der Energieversorgung

Gaskraftwerke werden also durch den Kohleausstieg wichtiger für die Sicherung der Stromversorgung. Laut Timm Kehler, Vorstand der Brancheninitiative, sei es eine „einfache Gleichung“: Bei mindestens konstantem Bedarf und sinkender heimischer Förderung steige der Importbedarf. Damit ergebe sich eine Lücke von 120 Milliarden Kubikmeter Erdgas im Jahr 2030. Natürlich könne auch die noch im Bau befindliche Ostseepipeline Nord Stream 2 diese Lücke nur teilweise schließen, wäre aber ein wichtiger Teil der Versorgungsinfrastruktur. Die Gaswirtschaft lege mit Zukunftstechnologien wie Biogas und Wasserstoff realistische und bezahlbare Szenarien für die Energiewende vor, Grundvoraussetzung bleibe jedoch ein ausreichender Bezug von günstigem Erdgas, etwa zur Herstellung von sogenanntem blauem Wasserstoff.
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