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Deutsch-russische Kulturinitiativen im „Dostojewski-Jahr“

© SNA / Alexander NatruskinDostojewski-Denkmal vor der Staatsbibliothek in Moskau (Archivbild)
Dostojewski-Denkmal vor der Staatsbibliothek in Moskau (Archivbild) - SNA, 1920, 28.01.2021
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Russen und Deutsche begehen landesweit den 200. Geburtstag des russischen Schriftstellers Fjodor Dostojewski: Mit Ausstellungen, Lesungen, einem Treffen mit seinem Nachfahren, Konferenzen und besonderen Veranstaltungsprogrammen im Kulturkalender. Von Dresden über München, von Berlin bis Erfurt hin zu Bonn steht der Literaturkompass auf Dostojewski.
Fjodor Michailowitsch Dostojewski (1821-1881) ist einer der meistgelesenen russischen Schriftsteller weltweit und gilt als einer der bedeutendsten Romanciers der Literaturgeschichte.
„Schönheit wird die Welt retten“, legt Dostojewski seinem Helden in dem Roman „Der Idiot“ in den Mund. Der Schriftsteller sah die sinnstiftende Kraft des Schönen inmitten von Leere und Gleichgültigkeit, erforschte die menschliche Psyche, versuchte, bewusste wie unbewusste Vorgänge zu ergründen, die persönliches Verhalten dirigieren. Die Entwicklung seiner Romanfiguren wird als bis heute einmalig und unerreicht bezeichnet. Dostojewski beschreibt Geisteszustände einfacher Menschen, die in einer Krise stecken und sich mit ihrem Leid von der Welt „gottverlassen“ alleingelassen fühlen. Seine Gedanken zu philosophischen Fragen in tragischen sozialen Zwängen und Kontrasten, zum Beispiel zu der Frage nach der Notwendigkeit von Religion und der Unsterblichkeit der Menschenseele, berührten und inspirierten Schriftsteller wie Hermann Hesse und Thomas Mann, Jean-Paul Sartre und Albert Camus oder Charles Bukowski. Dostojewskis Romane wie „Schuld und Sühne“, „Die Dämonen“ oder „Die Brüder Karamasow“ zählen zu den tiefgründigsten Werken der Weltliteratur.

Jubiläum und Veranstaltungen

In diesem Jahr wird weltweit der 200. Geburtstag Dostojewskis gefeiert. Auch in Deutschland bereiten Vertreter der russischsprachigen Gemeinschaft sowie deutsche Liebhaber und Kenner der russischen Sprache und Literatur eigene Veranstaltungen vor.
In München hat das „MIR-Zentrum“ für russische Kultur einen Kalender veröffentlicht, der den Werken des russischen Schriftstellers gewidmet ist, und veröffentlichte bereits sein Veranstaltungsprogramm rund um Dostojewski. Dort heißt es:

„Wie sein literarisches Vorbild Alexander Puschkin, hat er (Dostojewski - Anm. d. Red.) uns, seinen Nachfahren, ein Rätsel hinterlassen, das wir bis zum heutigen Tag versuchen zu lösen. Was für ein Rätsel? Das Rätsel der russischen Seele, oder der Seele überhaupt, einer ruhelosen, fragenden, nach dem Sinn des Lebens suchenden, einer schuldigen und unschuldigen, einer bereuenden und nichts und niemals bereuenden, einer naiven, büßenden und alles und allen vergebenden Seele“

Tatjana Lukina
Präsidentin von MIR

Zu den Rätseln, die Dostojewski hinterlassen hat

Die Münchener feiern im 30. Jahr ihres Bestehens auch ihr „Dostojewski-Jahr“ mit zahlreichen Lesungen, Vorträgen und Ausstellungen, die von Werk und Leben des Schriftstellers erzählen: „Es gelingt uns natürlich nicht, alle Rätsel, die uns Fjodor Michailowitsch hier und dort hinterlassen hat, zu lösen, aber wir werden es zusammen mit unserem Publikum versuchen. So wollte es doch der Autor, nicht wahr?“
In Erfurt bereitet sich die Gesellschaft „Gagarin“ in Zusammenarbeit mit Organisationen aus anderen Städten darauf vor, den runden Geburtstag des Schriftstellers zu feiern, berichtet das Portal Russkoe Pole. Die Stadt selbst ist angeregt, das Ereignis in den offiziellen Kulturkalender der Stadt aufzunehmen, erfuhr SNA-News.
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Dostojewski-Jahr im Dresdner Deutsch-Russischen Kulturinstitut

In Dresden plant das Deutsch-Russische Kulturinstitut (DRKI) thematische Ausstellungen, literarische und musikalische Abende sowie einen Runden Tisch. Der gemeinnützige Verein entstand aus einem Leseklub bei der Gesellschaft Sachsen-Osteuropa und wurde im Mai 1993 zum Kulturinstitut – mit dem Ziel, den Dialog zwischen den deutsch- und russischsprachigen Kulturräumen in Sachsen zu fördern. Das DRKI-Vereinshaus beherbergt mit der „Dostojewskij-Bibliothek“ die drittgrößte russischsprachige Bibliothek in Deutschland.
Wolfgang Schälike, Vorstandsvorsitzender des DRKI, erläuterte bei der Stiftung „Russkij Mir“ die Dresdener Vorbereitungen zum Dostojewski-Jubiläum: „Die Idee selbst kam auf ganz natürliche Weise in den Sinn, weil Dresden sehr eng mit Fjodor Michailowitsch Dostojewski verbunden ist. In Dresden selbst wissen allerdings wenige, dass Dostojewski in dieser Stadt das Gros seiner Zeit im Ausland verbrachte. In der Regel wird Baden-Baden eher im Zusammenhang mit ihm genannt. Der Grund dafür ist schlicht, dass seinerzeit Glücksspielhäuser in Sachsen verboten waren und der Schriftsteller von Dresden gen Baden-Baden reiste, wo er dann auch beträchtlicher Geldsummen verlustig ging."
Das Kulturinstitut ist seit vielen Jahren freundschaftlich mit dem „Literatur- und Gedenkmuseum F. M. Dostojewski“ in St. Petersburg verbunden. In diesem Jahr ist geplant, auch dort einen musikalisch-literarischen Abend durchzuführen. Zudem habe das Museum zugesagt, eine Ausstellung über Dostojewski zu senden, die, einmal ins Deutsche übersetzt, nicht nur in Dresden, sondern auch in anderen Städten Deutschlands gezeigt werden solle.
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Kooperationen mit dem Russischen Haus in Berlin

Die Deutsche Dostojewski-Gesellschaft (DDG) kooperiert mit dem „Russischen Haus“ in Berlin und dem DRKI Dresden. Sie beteiligt sich auch an deren Veranstaltungen, zum Beispiel am Runden Tisch über „Dostojewski als Europäer“ und einer DRKI-Fachtagung Ende dieses Jahres. Die Gesellschaft selbst wird ihre Jahrestagung vom 17. bis 19. September in der Evangelischen Akademie Loccum ganz dem Jubiläum des Schriftstellers widmen. Auch ihr Jahrbuch 2021 wird dem runden Geburtstag gewidmet sein. Zudem seien in den regionalen Arbeitskreisen der Gesellschaft diverse Veranstaltungen wie Lesungen und Vorträge geplant, sagte Christoph Garstka, Vorsitzender der DDG gegenüber SNA-News.
Aus dem Russischen Haus der Wissenschaft und Kultur in Berlin ist zu vernehmen, dass eine Veranstaltung mit dem Ururenkel Dostojewskis geplant ist, ebenso diverse Ausstellungen sowie ein „Großes Diktat“, in welchem die eigenen Sprachfestigkeit an Werken des Schriftstellers getestet werden könne. An der Volkshochschule Bonn ist im Dezember ein Leseabend mit Autor Michael Schikowski geplant.
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