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Aktien-Hype um Gamestop und AMC – Wie Kleinanleger große Hedgefonds in Panik versetzen

© REUTERS / Brendan McDermidElon Musk vor dem Gebäude der NASDAQ-Börse (Archivbild)
Elon Musk vor dem Gebäude der NASDAQ-Börse (Archivbild) - SNA, 1920, 28.01.2021
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An den Finanzmärkten geht es häufiger mal turbulent zu, doch was sich derzeit an den US-Börsen abspielt, sucht seinesgleichen. Kleinanleger verbünden sich in Online-Foren gegen Hedgefonds - die Kurskapriolen rufen sogar die Börsenaufsicht und das Weiße Haus auf den Plan.
Eine neue Generation von Kleinanlegern hat Aktien angeschlagener Firmen in ungeahnte Höhen katapultiert. Die seit Tagen schon heftigen Kurskapriolen ausgesetzten Papiere des Computerspiel-Händlers „Gamestop“ gingen am Mittwoch mit einem Plus von rund 135 Prozent aus dem Handel. Die Papiere der kürzlich noch als Pleitekandidatin gehandelten weltgrößten Kinokette AMC stiegen um mehr als 300 Prozent.
Aus Sorge vor wirtschaftlichen Schwierigkeiten waren die Aktien von Gamestop noch 2020 bei einem Rekordtief von 2,57 Dollar zu haben gewesen. Doch seit Mitte Januar kennen die Papiere nur noch eine Richtung – nach oben. Zuletzt wurden die Aktien zum Höchstpreis von knapp 150 Dollar gehandelt. Weitere Kandidaten für eine ähnlich krasse Aufwärtsbewegung könnten AMC (Kurs am Donnerstagnachmittag 11,30 Euro) und der Softwarehersteller Blackberry (Kurs 14,50 Euro) sein. Als maßgeblicher Faktor hinter der Kursrally stehen massenweise Kleinanleger, die sich in Foren etwa auf der Chat-Plattform "Reddit" unter dem Motto „Apes together strong“ (zu Deutsch: Affen gemeinsam stark) im Stil von Flashmobs absprechen, um bestimmte Aktien zu kaufen. Wie funktioniert das?

Hedgefonds setzen auf fallende Kurse

Unter einigen Hedgefonds ist es üblich, auf fallende Kurse zu setzen. Man spekuliert also, dass der Kurs an einem bestimmten Stichtag unter einem bestimmten Niveau sein wird.
Dafür bedienen diese sich dem sogenannten Leerverkauf. Bei einem Leerverkauf hält der Verkäufer, also der Hedgefonds, die Aktie eigentlich gar nicht. Stattdessen leiht man sich die Aktie von einem anderen Fond. Der Verleiher bekommt eine kleine Rendite gezahlt und erhält eine Sicherheit, während der Hedgefonds die geliehene Aktie bekommt, welche er zu einem späteren Zeitpunkt zurückgeben muss. Die Idee dahinter ist: die geliehene Aktie wird verkauft, während der Preis hoch ist und wird später für einen niedrigeren Kurs zurückgekauft und dann an den Verleiher zurückgegeben. Wenn der Hedgefonds eine hohe Anzahl an Aktien leiht und dann auf den Markt wirft, dann will man damit auch den Preis senken, weil andere Spekulanten sehen, dass „plötzlich“ viele Aktien für weniger verkauft werden. Der Hedgefonds spekuliert also hierbei auf Panik anderer Anleger, und dass diese aufspringen und auch verkaufen.
Das Risiko bei Leerverkäufen ist aber deutlich höher als bei "Optionen" - bei denen ist das verlorene Geld weg. Bei Leerverkäufen kann der potentielle Verlust extrem hoch sein. Die Aktie muss zurückgegeben werden und dafür zu dem Kurs gekauft werden, der verfügbar ist, egal wie hoch dieser geht. Damit ist der Verlust nicht absehbar.
Bildschirm mit Börsenindexen im Wirtschaftsviertel von Shanghai - SNA, 1920, 28.01.2021
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Freitag ist Stichtag

Am Freitag sind Call-Optionen zu Gamestop fällig. Falls der Kurs bis dahin nicht rapide fällt, müssen für diese Optionen Aktien gekauft werden. Eine ausgedachte Option im Wert von 50 Euro bedeutet also, dass jemand diesen Betrag die Aktie erwerben kann, auch wenn diese 500 Euro laut Kurs hat. Den Verlust hat der Herausgeber der Option. Diese Situation treibt den Preis doppelt in die Höhe. Einerseits wissen die Halter der Aktien, und verkaufen daher nur teuer, andererseits muss eine große Anzahl an Aktien gekauft werden – und mit jedem Kauf steigt der Preis weiter.
Der Kurspreis ist sowieso schon hoch, und unter diesen Bedingungen müssen für die Optionen Aktien gekauft werden. Zusätzlich gibt es noch eine große Anzahl an Leerverkäufen, die die eigentliche Aktienanzahl übersteigt, und irgendwann bedient werden muss. Am Freitag und den folgenden Tagen, werden also mindestens für die Call-Optionen Aktien gekauft, und dementsprechend auf den Kurs wirken.

„Volkssport“ Aktienhandel

Dank eines nicht zuletzt von der Wertpapierhandels-App „Robinhood“ ausgelösten Preiskriegs zwischen Online-Brokern, der die Gebühren massiv hat sinken lassen, hat sich der Aktienhandel in den USA gerade bei vielen Jüngeren während der Corona-Krise zu einer Art Volkssport entwickelt. Hinzu kommt, dass auch riskantere Transaktionen etwa mit Optionen, bei denen beispielsweise nur Bruchteile des Werts eines Anteilsscheins gehandelt werden, inzwischen viel stärker der breiten Bevölkerung und nicht mehr nur Finanzprofis zugänglich sind.
So gehört etwa Gamestop zu den Aktien, die jüngst stark auf der Online-Plattform „Reddit“ diskutiert wurden. Ein Hobby der Community ist es zudem, durch konzertierte Aktionen professionelle Investoren aus dem Markt zu drängen, die auf fallende Kurse spekuliert haben. Bei Gamestop kam es zuletzt zu einem regelrechten Kräftemessen mit Hedgefonds, bei dem sich die Kleinanleger zumindest vorerst durchsetzen konnten. Ganz neu ist das Phänomen indes nicht. Bereits seit Jahren gibt es Social-Trading-Plattformen, auf denen sich Nutzer austauschen, um gemeinsam Kaufideen zu entwickeln.

Ruf nach der Aufsichtsbehörde

Die Kursturbulenzen sorgten in der Finanzwelt zur Wochenmitte für große Aufregung, das „Wall Street Journal“ schrieb gar von einem „Krieg“, der zwischen Hedgefonds und Amateurhändlern ausgebrochen sei. Viele Online-Broker hatten angesichts des regen Betriebs am Markt technische Probleme. Forderungen nach einem Handelsstopp wurden laut, um die Lage zu beruhigen. Die Börsenaufsicht SEC teilte mit, die Situation genau im Blick zu haben und kündigte eine Untersuchung an. Eine Sprecherin des Weißen Hauses erklärte beim Presse-Briefing, dass auch ein Team des Finanzministeriums die Lage beobachte.
Zuletzt soll auch der auf dem Kurznachrichtendienst Twitter sehr präsente Tesla-Chef Elon Musk mit einem Tweet zu Gamestop und einem Link zu den Reddit-Nutzern die jüngste Rally angefacht haben.
Analysten warnen derweil, dass der massive Kursanstieg nichts mit der Realität zu tun habe. Experte Jens Rabe etwa meint, der Höhenflug der Gamestop-Aktien schade dem Ansehen der Börse, da der Vorgang als „Zockerei“ wahrgenommen werde. Er fordert sogar ein Durchgreifen der Aufsichtsbehörden, da Aktien kleiner Firmen als Spielball missbraucht werden könnten. Dass Hedgefonds auf fallende Kurse setzen und Leerverkäufe tätigen scheint bisher keinen Analysten gestört zu haben.
Der New York Stock Exchange hat um 10:30 Uhr Ortszeit den Handel mit Gamestopp und AMC ausgesetzt.
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