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Bayer wegen Lieferung von Agent Orange im Vietnamkrieg angeklagt

CC BY 3.0 / Andrej Bobrowskij / Wikimedia Commons / Bayer-Standort in Berlin (Archivbild)
Bayer-Standort in Berlin (Archivbild) - SNA, 1920, 27.01.2021
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Der Chemiekonzern „Bayer“ steht in Frankreich im Zusammenhang mit dem Krieg in Vietnam vor Gericht. Eine Betroffene wirft dessen US-Tochterunternehmen „Monsanto“ vor, das hochgiftige Entlaubungsmittel Agent Orange geliefert zu haben. Das Gift wurde großflächig im Kampf gegen den Vietcong eingesetzt – mit verheerenden Folgen.
Agent Orange wurde in den USA unter anderem im Vietnamkrieg großflächig zur Entlaubung von Wäldern eingesetzt. Damit sollte die Tarnung durch den feindlichen Vietcong im dichten Dschungel erschwert und deren Nahrungsversorgung gestört werden. Viele hunderttausende Bewohner der betroffenen Gebiete und bis zu zweihunderttausend US-Soldaten erkrankten in Folge.
Mediziner sehen im Zusammenhang mit dem Einsatz des überaus toxischen Unkrautbekämpfungsmittels bis in die Gegenwart hinein drastisch erhöhtes Auftreten schwerer Fehlbildungen bei Kindern, Krebserkrankungen, Immunschwächen und einer größeren Zahl weiterer Erkrankungen. Nach Schätzungen des Roten Kreuzes leide etwa eine Million Vietnamesen an gesundheitlichen Spätfolgen von Agent Orange – darunter etwa 100.000 Kinder mit angeborenen Fehlbildungen.
Knapp 50 Jahre nach dem Ende des Vietnamkriegs hat am Montag in Frankreich ein Gerichtsprozess gegen „Bayer“ und andere Chemieriesen begonnen. Anklägerin ist die 78-jährige Französin vietnamesischer Herkunft, Tran To Nga. Sowohl sie als auch ihre Tochter würden unter anderem an Herzproblemen leiden. Eine weitere Tochter sei früh an einem angeborenen Herzfehler gestorben. To Nga gibt an, selbst an Krebs gelitten zu haben.
Die Klägerin Tran To Nga forderte, die verantwortlichen Unternehmen sollen endlich zur Verantwortung gezogen werden. „Ich kämpfe nicht für mich selbst, sondern für meine Kinder und Millionen von Opfern“, sagte sie in Evry südlich von Paris vor dem Prozessauftakt.
Vor sechs Jahren hatte sich die Betroffene an das Gericht in ihrem Wohnort Evry gewandt. Ihre Klage wird von Organisationen unterstützt, die den Konzernen den sogenannten „Ökozid“, eine massive Naturzerstörung, vorwerfen. Die Aktivistin spricht gar von vier Millionen Menschen, die durch den Einsatz von Agent Organe geschädigt wurden. Auch die Umwelt habe sehr stark gelitten.
Die 14 angeklagten Unternehmen streiten die Zuständigkeit des Gerichts in Evry ab. Der Anwalt von „Monsanto“-Anwalt, Jean-Daniel Bretzner, argumentierte, die USA hätten Agent Orange für die nationale „Verteidigung“ eingesetzt. Somit könne ein ausländisches Gericht sich nicht mit der Sache befassen, argumentiert die Verteidigung.
Geschädigte ehemalige US-Soldaten wurden im Jahr 1984 nach gerichtlichen Auseinandersetzungen von den damaligen Herstellerfirmen finanziell entschädigt. Vietnamesische Opfer warten bis heute auf einen angemessenen Ausgleich. Eine Sammelklage in den USA von einer Gruppe vietnamesischer Opfer wurde im Jahr 2005 abgewiesen. Der Einsatz von Agent Orange sei „keine chemische Kriegsführung“ und somit kein Verstoß gegen internationales Recht gewesen, argumentierte der zuständige Richter.
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