Bakterien-Kommunikation belauscht: US-Mikrobiologen erhalten Paul-Ehrlich-Preis

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Forschung (Symbolbild)  - SNA, 1920, 27.01.2021
Zwei amerikanische Mikrobiologen haben entdeckt, wie sich Bakterien verständigen. Dafür erhalten sie in diesem Jahr den mit 120.000 Euro dotierten Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis. Laut der Paul-Ehrlich-Stiftung könnte die Arbeit von Bonnie L. Bassler und Michael R. Silverman helfen, Antibiotika zu vermeiden.
Die beiden haben gezeigt, „dass kollektives Verhalten nicht nur die Regel unter vielzelligen Organismen ist, sondern auch unter Bakterien“, wie es in der Begründung der Jury heißt. Die Kommunikation zwischen Bakterien sei „eine Achillesferse“, die neue Ansätze liefere, Mikroben zu bekämpfen:
„Statt Bakterien mit Antibiotika zu töten, können nun Substanzen entwickelt werden, die die bakterielle Kommunikation unterbinden. Die Forschung der Preisträger hat damit eine erhebliche Relevanz für die Medizin.“
Wegen der Corona-Pandemie wird die Preisverleihung erst am 14. März 2022 stattfinden – zusammen mit der Ehrung der Preisträger des nächsten Jahres. Bassler (53) lehrt an der Princeton University und am Howard Hughes Medical Institute in New Jersey, Silverman (77) arbeitete vor seiner Emeritierung am Agouron Institute im kalifornischen La Jolla.

Kommunikation von Bakterien

Silverman und Bassler haben herausgefunden, dass Bakterien Signale senden und empfangen. Die Mikroorganismen wollen wissen, ob sie allein oder mit vielen Artgenossen vor Ort sind. Für diese Kommunikation wurde der Begriff Quorum Sensing geprägt. Um die Anzahl der Bakterien zu messen, analysieren sie bestimmte Sprachmoleküle. Überschreitet die Konzentration einen bestimmten Schwellenwert, setzt ein gruppenspezifisches Verhalten ein.
Silverman hatte das Phänomen erstmals in den 1980er Jahren bei Zwergtintenfischen entdeckt, die nachts blau-grün leuchten – dank eines Bakteriums. Bassler entdeckte Anfang der 1990er Jahre, dass es noch andere Sprachmoleküle gibt. Sie informieren die Bakterien, ob auch andere Arten vor Ort sind und wer in der Überzahl ist. Bakterien seien also nicht nur äußerst kommunikativ, so der Stiftungsrat, sie beherrschten sogar mehrere Sprachen.
Die Bedeutung dieser Erkenntnisse sei „erst kürzlich in ihrer ganzen Tragweite erkannt worden“, sagte der Vorsitzende des Stiftungsrats, Prof. Thomas Boehm (Freiburg). Inzwischen sei bekannt, dass alle Bakterien auf diese Weise kommunizierten. „Das hat nicht nur zu einem fundamentalen Perspektivenwechsel in der Bakteriologie geführt, sondern ebenso zu gänzlich neuen Ansätzen in der Antibiotika-Forschung.“
Licht, das Bakterien tötet – Alternative für Antibiotika wird in Russland entwickelt - SNA, 1920, 14.12.2020
Licht, das Bakterien tötet – Alternative für Antibiotika wird in Russland entwickelt
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