Streit mit EU spitzt sich zu: AstraZeneca muss nun Dokumente offenlegen

© REUTERS / DADO RUVICEine Durchstechflasche und eine Spritze vor einem angezeigten AstraZeneca-Logo
Eine Durchstechflasche und eine Spritze vor einem angezeigten AstraZeneca-Logo  - SNA, 1920, 26.01.2021
Im Konflikt wegen der Lieferengpässe setzt die EU den Impfstoff-Hersteller AstraZeneca immer mehr unter Druck. Kommissionschefin Ursula von der Leyen forderte die Einhaltung der geschlossenen Verträge. Außerdem muss der Konzern bis Freitag offenlegen, wie viele Dosen bisher produziert und an wen sie geliefert wurden.
Laut der für Gesundheit zuständigen EU-Kommissarin Stella Kyriakides sind die Antworten der Firma zu der Knappheit bei den Corona-Impfstoffen nicht befriedigend. Der Verweis auf Produktionsprobleme eines belgischen Zulieferers reiche der Kommission nicht als stichhaltige Begründung für Lieferausfälle. Sie sprach den Verdacht aus, dass der von der EU mitfinanzierte Impfstoff an andere Abnehmer verkauft worden sei.
„Mit unseren Mitgliedstaaten haben wir von AstraZeneca eine detaillierte Planung für Impfstofflieferungen gefordert sowie die Zeitpunkte, wann die Verteilung an die Mitgliedstaaten stattfinden wird“, schrieb Kyriakides auf Twitter.
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Auch der CDU-Europapolitiker Peter Liese kritisierte, AstraZeneca liefere „offensichtlich in andere Teile der Welt, auch nach Großbritannien, ohne Verzögerung“.
Inzwischen forderte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn eine Exportgenehmigungspflicht für Impfstoffe aus der EU. „Wir müssen als EU wissen können, ob und welche Impfstoffe aus der EU ausgeführt werden. Nur so können wir nachvollziehen, ob unsere EU-Verträge mit den Herstellern fair bedient werden“, zitiert ihn die Deutsche Presse-Agentur. Als Beispiel führte er die USA an, wo eine solche Beschränkung bereits gilt.
Hintergrund des Konflikts ist die Ankündigung von AstraZeneca, dass die EU nach der für diese Woche erwarteten Zulassung statt 80 Millionen Impfdosen bis Ende März nur einen Bruchteil, also 31 Millionen, bekommen wird.
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Die EU hatte im August mit dem Pharma-Konzern die Lieferung von bis zu 400 Millionen Impfstoffdosen vereinbart und schon Vorauszahlungen in Höhe von 336 Millionen Euro getätigt. Damit sollte nicht nur die Entwicklung des Serums, sondern auch die Produktion finanziert werden. Laut dem Vertrag sollte der Impfstoff sofort nach der Zulassung ausgeliefert werden. Nach Auffassung der EU-Kommission hätte der Konzern bereits im Oktober mit der Produktion beginnen müssen, um rechtzeitig liefern zu können.
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