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Zahlen, Ängste, Impfpässe: Deutschland und Russland im Impf-Vergleich

© AFP 2020 / RONNY HARTMANNDer Biontech-Pfizer-Covid-19-Impfstoff wird mit Trockeneis in einer Transportbox im Impfstofflager in Irxleben bei Magdeburg gekühlt.
Der Biontech-Pfizer-Covid-19-Impfstoff wird mit Trockeneis in einer Transportbox im Impfstofflager in Irxleben bei Magdeburg gekühlt. - SNA, 1920, 26.01.2021
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Während Deutschland zuerst die Risikogruppen gegen Covid-19 impft, ist der Impfstoff in Russland bereits jedem zugänglich. Wo liegt welches Land in welchen Bereichen vorne? SNA bietet einen Vergleich.
Neulich fordert der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), Exporte von den in der EU hergestellten Corona-Impfstoffen zu beschränken. Hintergrund sind die Lieferschwierigkeiten der Produzenten und das relativ niedrige Impftempo in der Bundesrepublik, mit denen sie im Verhältnis zu der Bevölkerungszahl auf dem 18. Platz weit hinter Israel und selbst den USA liegt. Wie viele Menschen sind das schon?

So viele bereits geimpft

Nach aktuellen Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) wurden in Deutschland seit dem Beginn der Impfkampagne am 27. Dezember insgesamt 1.554.355 Personen mindestens einmal (Impfquote 1,9%) und 228.763 Personen zweimal gegen Covid-19 geimpft. Davon 1.535.804 Menschen mit dem Biontech/Pfizer-Impfstoff und 20.351 mit dem von Moderna. das sind etwa 1,9 Prozent der Bevölkerung.
Und in Russland? Trotz der weit verbreiteten Überzeugung läuft die massenhafte Impfkampagne im Land mit dem bisher einzig zugänglichen „Sputnik V“ erst ab dem 18. Januar. Zuvor im Dezember wurde der Impfstoff zwar auf breiter Basis, aber nur einzelnen priorisierten Kategorien angeboten: Ärzten und medizinischem Personal, Lehrkräften und Sozialarbeitern wie Pflegekräften, Menschen mit chronischen Krankheiten, jedoch nur zwischen 18 und 60 Jahren. Die aktuell laufenden Daten zu den Geimpften werden bisher nicht veröffentlicht. Die Impfstoff-Entwickler und Beamten berichten von wenigstens einer Million Geimpfte, die Angaben der Regionen dagegen belaufen sich insgesamt auf wenigstens 685.722 Menschen.

Wie viele wollen sich impfen?

Geht man von der Impfbereitschaft der Bevölkerung aus, wollen sich laut der Dezember-Umfrage des führenden Meinungsforschungszentrums "WZIOM" lediglich 38 Prozent der Menschen in Russland gegen Covid-19 impfen lassen, die meisten über 45 Jahren. 52 Prozent der Befragten, alle zwischen 25 und 34 Jahren, wollen keine Impfung. Der WZIOM-Leiter erklärte die Ergebnisse mit dem allgemein niedrigen Vertrauen bzw. Glauben in die Covid-19-Impfstoffe.
Und in Deutschland? Laut der Dezember-Erhebung des Meinungsforschungsinstituts "Yougov" im Auftrag wollen sich zwei von drei Menschen impfen lassen: 32 Prozent so schnell wie möglich, 33 Prozent wollen die möglichen Folgen bei den anderen abwarten. Nur 19 Prozent haben sich gegen eine Impfung entschieden. Dabei hat eine deutliche Mehrheit von 57 Prozent aber auch Angst vor Nebenwirkungen der Impfung. Die Ständige Impfkommission ihrerseits berichtete nach der eigenen Studie Mitte Dezember nur von 54 Prozent Impfwilligen. Beim medizinischen Personal fällt die Impfbereitschaft geringer aus als die der Gesamtbevölkerung.

Impfstrategien prinzipiell anders?

Wie bekannt, werden in Deutschland nach den Empfehlungen der Impfkommission zuerst die Ältesten bzw. die Schwächsten samt dem Personal priorisiert (siehe Seite vier). Menschen, die es früher wollen, wie es bei einem 73-jähriger Mann aus Niedersachsen mit schwerer Herzkrankheit lief, werden per Gerichtsbeschluss abgewiesen - kein Anspruch auf eine sofortige Impfung. Die bereits zugänglichen Corona-Impfterminrechner berechnen etwa, das der Impfstoff für die Menschen ab 50 Jahren mit durchschnittlichen altersspezifischen Gesundheitsproblemen etwa erst Ende Mai zugänglich sein wird. Eine Verabreichung des Vakzins erfolgt dabei bisher prinzipiell in einem Impfzentrum oder über ein mobiles Impfteam - wie in den Altenheimen. Grund dafür ist nicht zuletzt die schwierige Logistik: die mRNA-Impfstoffe müssen bei mindestens minus 70 Grad gekühlt werden.
In Russland dagegen gibt es ab dem 18. Januar keine Priorisierung mehr. Dabei ist der Impfstoff ab diesem Montag auch in den ländlichen Gegenden über einen Arzt in einer normalen Klinik zu bekommen. Gelagert soll „Sputnik V“ dabei wenigstens bei minus 18 Grad, was ebenfalls für logistische Probleme sorgt. Der zweite Impfstoff, „EpiVacCorona“ vom Forschungszentrum „Vektor“ der Verbraucherschutzbehörde Rospotrebnadzor, der bald in Einsatz kommt, darf schon nachweislich bei zwischen plus zwei bis acht Grad aufbewahrt werden.
Nach dem Abschluss der Phase-3-Studien Ende Dezember dürfen ab dem 18. Januar nun auch Menschen über 60 Jahren mit „Sputnik V“ geimpft werden.

Kontraindikationen und Komplikationen

Die Ständige Impfkommission empfiehlt das Vakzin bekannterweise vor allem den Risikogruppen und Menschen mit Vorerkrankungen, auch Krebs. Auch sind deutsche Sicherheitswarnungen vor anaphylaktischen Reaktionen in Deutschland nicht so streng, was vom Paul-Ehrlich-Institut mit dem ausbleibenden Zusammenhang zu Nahrungsmittelallergie erklärt. Biontech weist lediglich darauf hin, dass eine Schwangerschaft in den zwei Monaten nach der Impfung vermieden werden sollte bzw. die Impfung während der Schwangerschaft. Auch wird er denen empfohlen, die Corona bereits hinter sich gebracht haben.
Bei den aktuell bekannten 22 Todesfällen nach der Impfung wird ebenfalls kein Zusammenhang mit der Impfung selbst festgestellt. In machen Fällen handelt es sich um palliativ Behandelte, die dann an ihrer Grunderkrankung gestorben seien.
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In Russland wird die Impfung vor allem den Minderjährigen sowie Schwangeren und stillenden Müttern nicht empfohlen, sowie innerhalb von sechs Monaten nach der Corona-Erkrankung. Als Kontraindikation gilt dabei eine Exazerbation chronischer Krankheiten. Der Leiter des Entwicklers von „Sputnik V“, Alexander Ginzburg, lehnte vor kurzem die Gerüchte ab, der Impfstoff wäre für die Krebspatienten prinzipiell verboten. Es seien lediglich Vorsicht und individuelle Entscheidungen gefragt. Ein Corona-Test wird übrigens auch anders als in Deutschland von der Impfung empfohlen.
Eine zusammenfassende Statistik zu den Nebenwirkungen nach „Sputnik V“ gibt es bisher nicht, einige Geimpfte berichten jedoch über die kurzfristigen Nebenwirkungen in Form von Fieber und allgemeinem Unwohlsein in den ersten Tagen - als Reaktogenität bekannt. Es sind keine Todesfälle nach der Impfung bekannt.

Impfpässe?

Nachdem die Behörden der russischen Republik Baschkirien ihre Absicht bekannt gegeben hatten, QR-Codes herauszugeben, die den Geimpften Privilegien garantieren würden, löste sich eine Diskussion über die entsprechenden Corona-Pässe in ganz Russland aus. Im Moment lehnen die meisten Politiker und Politkerinnen die Initiative als diskriminierend ab, darunter die Vizeregierungschefin Tatjana Golikowa. Auch das russische Gesundheitsministerium dementierte derartige Pläne. Ein elektronisches Zertifikat als medizinisches Dokument wird aber bereits erstellt - ohne Nutzungsbedingungen. Laut einer Umfrage des Portals SuperJob lehnen etwa 60 Prozent der Russein einen Impfpass ab.
In Deutschland hatte kürzlich Außenminister Heiko Maas vorgeschlagen, die Ausübung von Grundrechten an eine Corona-Impfung anzuknüpfen - und landete sofort im Kreuzfeuer der Kritik. Auf der EU-Ebene sprach sich die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen nach dem Ländergipfel am 21. Januar generell für ein Zertifikat zur Covid-19-Impfung aus. Dessen Nutzung sei aber problematisch und müsste erst diskutiert werden.
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