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Nach der Krise ist vor der Krise: Zusatz-Milliarden für Kultur, Öffnungsstrategien und die Zukunft

© AFP 2021 / INA FASSBENDERDas wegen Corona-Pandemie gesperrte Theater in Landschaftspark Duisburg-Nord (Archivbild)
Das wegen Corona-Pandemie gesperrte Theater in Landschaftspark Duisburg-Nord (Archivbild) - SNA, 1920, 25.01.2021
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Kulturstaatsministerin Monika Grütters will die Corona-Hilfen für die Kulturszene nachbessern: Um 1,5 Milliarden Euro mehr aus dem Bundeshaushalt will sie diese Woche im Parlament werben. Derweil wird über Öffnungsstrategien für Kulturbetriebe beraten, und Experten denken über die Rolle von Museen auch in künftigen Krisenzeiten nach.
Noch vor dem Lockdown im vergangenen November hatte der Bund für die Kultur ein eigenes Programm in Höhe von einer Milliarde Euro aufgelegt. Bislang sollen rund 34.000 Anträge auf Hilfen in den 60 Teilprogrammen der Kultur eingegangen sein. Ein Drittel davon sei bewilligt worden. 880 Millionen seien verplant, die einzelnen Programme zudem um rund 350 Millionen überzeichnet und damit ein deutlich höherer Bedarf erkennbar, so Grütters. Ohne weitere Hilfen drohe ein „immenser Schaden für den kulturellen Reichtum“.

„Dürfen nicht die letzten sein“

Kulturstaatsministerin Monika Grütters will das Corona-Hilfsprogramm „Neustart Kultur“ nun um weitere 1,5 Milliarden aufstocken lassen: „Der zweite Lockdown war nicht in der ersten Milliarde eingepreist“, so die Begründung. Grütters wolle in dieser Woche im Haushaltsausschuss des Bundestages für die zusätzlichen Mittel werben, verkündete die Ministerin vor dem vergangenen Wochenende. Zwar könne auch sie ein Ende des Lockdowns in der Kultur nicht absehen, doch „Kultureinrichtungen gehörten zu den ersten, die geschlossen wurden. Sie dürfen nicht die letzten sein, die wieder öffnen dürfen.“ Museen etwa seien gut auf die Infektionsrisiken vorbereitet, sie „müssen zu den ersten gehören, die wieder aufmachen“. Das kulturelle Angebot sei „dringend notwendig“.

Öffnungsstrategie und Flexibilität

Bund und Länder hatten bei ihren Beratungen vergangenen Dienstag eine Arbeitsgruppe auf Ebene der Staatskanzleichefs und des Chefs des Bundeskanzleramtes beauftragt, ein Konzept für eine „sichere und gerechte Öffnungsstrategie“ zu erarbeiten.
„Wenn wir über Lockerungen reden, dann muss klar sein, dass auch aufgrund des besonderen Ranges der Kunstfreiheit in unserer Verfassung Kulturorte vorrangig zu öffnen sind“, so der Präsident des Deutschen Bühnenvereins, Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda noch Ende November. „Die Kulturorte sind sehr stark betroffen und machen das auch alles mit einer hohen Disziplin mit, obwohl sie mit gutem Recht durchaus sagen können, dass sie vorher alles getan haben, um vernünftig und sicher veranstalten zu können.“
Frank Castorf (Archivbild) - SNA, 1920, 25.01.2021
„Deutschland sollte mehr Demut haben“: Theaterlegende Frank Castorf im Gespräch
Nach Einschätzung der nordrhein-westfälischen Landesregierung könnten Museen, Theater und Bibliotheken nach dem Ende des Lockdowns allerdings nicht alle gleichzeitig wieder öffnen. Die Öffnungen würden in unterschiedlichen Stufen schrittweise kommen, so Kulturstaatssekretär Klaus Kaiser im Kulturausschuss des Landtags. Bei Bibliotheken und Museen sei da schneller mehr möglich als etwa bei Theatern, da Hygienekonzepte etwa in Museen leichter einzuhalten seien. „Das Virus trägt dazu bei, dass wir nicht planen können“, sagte er. Das löse Unsicherheit aus. In der Frage der Öffnungen sei aber noch Geduld nötig, da die Kennzahlen für die Corona-Neuinfektionen noch zu hoch lägen. Mit Blick auf die Perspektive von Kulturfestivals wie den Ruhrfestspielen Recklinghausen und der Ruhrtriennale sei Flexibilität auch bei Veranstaltern und Trägern von Festivals geboten. Mag auch geistige Flexibilität bestehen, de facto erfordere die Umsetzung logistischen wie monetären Mehraufwand.

Über die eigene Rolle und den Umgang mit künftigen Krisen nachdenken

Die Pandemie und ihre Folgen zwingen aus Sicht von Kunsthistoriker Stefan Weppelmann auch zum Nachdenken über die Rolle von Kulturinstitutionen, und von Museen im Besonderen: „Es braucht eine Reflexion des Geschehens“, so der neue Direktor des Museums der bildenden Künste Leipzig laut DPA. Es gehe um eine bessere Abstimmung und Vorsorge für künftige Fälle dieser Art, um Sicherheit für die Einrichtungen, Standardisierung und darum, wie unter besonderen Auflagen ein Museumsbesuch möglich gemacht werden könne. Es stelle sich auch die Frage, ob immer ein kompletter Lockdown der Kultur notwendig sei oder sie gerade in der Krise zugänglich sein sollte. So könne die „so wichtige Bindung zwischen Kunst und Publikum“ erhalten bleiben. Aus Sicht des Kunsthistorikers müssen sich die Museen stärker auf ihre Kernkompetenzen besinnen, mit ihren Sammlungen arbeiten und in Bildungsprogramme investieren.

Nicht opportun: Spardebatten und Kürzungen im Kulturetat

Die coronabedingte Schließung der Häuser sei „in Anbetracht des aktuellen Infektionsgeschehens“ zwar nicht anders denkbar, doch bedeute dies „für die Museen eine weitere Verschärfung ihrer seit Monaten angespannten Situation“, heißt es in einer Verlautbarung des Museumsbundes. Viele Häuser seien wegen ausbleibender Einnahmen und begonnener Spardebatten in ihrer Existenz bedroht, daher müssten Museen in der Krise weiter unterstützt werden und dürften nicht zusätzlich durch Spardebatten und gekürzte Kulturetats gefährdet werden.
Bestehende Hilfen müssten weitergeführt und dem aktuellen Bundesprogramm weitere Mittel zur Verfügung gestellt werden: „Denn nach der Krise wird es eine Diskussion geben, wie wir wieder Leben in die Städte und Gemeinden, in den öffentlichen Raum bringen. Und ein Schlüssel dafür heißt: Kultur!“, unterstrich der Präsident des Museumsbundes, Eckard Köhne.
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