Ifo: „Zweite Corona-Welle beendet Erholung“ – Unternehmen überraschend stark belastet

© REUTERS / RALPH ORLOWSKIDAX-Börse in Frankfurt am Main
DAX-Börse in Frankfurt am Main - SNA, 1920, 25.01.2021
Zum Jahresauftakt hat sich die Stimmung in deutschen Unternehmen deutlich verschlechtert. Die Erholung der deutschen Wirtschaft sei vorerst beendet, sagt „Ifo“-Chef Fuest. Er warnt vor einem radikalen Lockdown.
Die Stimmung in den Unternehmen in Deutschland hat sich zu Beginn des Jahres laut dem „Ifo-Geschäftsklima“ überraschend deutlich eingetrübt. Im Januar fiel einer wichtigsten Konjunkturindikatoren Deutschlands im Monatsvergleich um 2,1 Punkte auf 90,1 Zähler, wie das „Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung“ am Montag in München mitteilte. Analysten hatten im Schnitt nur einen Rückgang auf 91,4 Punkte erwartet. Die Stimmung hatte sich im Dezember in den deutschen Unternehmen nach zwei Rückgängen in Folge verbessert.
„Die zweite Corona-Welle hat die Erholung der deutschen Wirtschaft vorläufig beendet“, konstatiert „Ifo“-Präsident Clemens Fuest das Ergebnis der Umfrage unter etwa 9.000 Unternehmen. Sowohl die aktuelle Lage als auch die Aussichten für das nächste halbe Jahr wurden durch die befragten Unternehmen schlechter bewertet.
Im Bereich Dienstleistungen sei der Indikator für das Geschäftsklima „merklich“ gesunken, hieß es. Der Sektor wird durch die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie besonders hart getroffen. Im Bereich Handel ist der entsprechende Indexwert geradezu abgestürzt, von plus 0,3 Punkten im Dezember auf minus 17,2 Zähler im Januar. „Die Stimmung verschlechterte sich, teilweise massiv, in nahezu allen Einzelhandelssparten“, so die Umfrage.
Aber auch im verarbeitenden Gewerbe, zuletzt eine Stütze der deutschen Wirtschaft in der zweiten Corona-Welle, ist der Indexwert nach acht Anstiegen in Folge wieder gesunken. Auch im bisher robusten Bauhauptgewerbe habe sich das Geschäftsklima verschlechtert.
„Bei den deutschen Unternehmen macht sich zu Beginn des Jahres Ernüchterung breit“, sagte Michael Holstein, Chefvolkswirt der „DZ Bank“. Mittlerweile zeigten sich die Auswirkungen der strikteren Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie, sagte Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der „Bank Ing“. Für Uwe Burkert, Chefvolkswirt der „Landesbank Baden-Württemberg“, ist vor allem der Rückschlag bei den Geschäftserwartungen besorgniserregend: „Das kratzt an dem Szenario, dass mit den Impffortschritten bis Sommer bereits eine deutliche Entlastung zu spüren sein wird.“
Angesichts der stockenden staatlichen Hilfe für geschlossene Betriebe sprach sich Fuest für flexiblere Instrumente aus. „Man könnte die Steuervorauszahlungen des letzten Jahres pauschal kürzen und den Firmen so helfen“, sagte er im „ZDF-Morgenmagazin“. Dazu könnten die Finanzämter einbezogen werden, die Kontakte zu allen Firmen hätten.
VW-Werk in Wolfsburg (Archivbild) - SNA, 1920, 21.01.2021
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Fuest warnte vor einem radikalen Lockdown einschließlich geschlossener Industriebetriebe. „Es wäre Wahnsinn, die Industrie jetzt stillzulegen.“ Das dürfe man unter keinen Umständen tun. „Wir müssen die Industrie offenhalten, wir können uns einen wirtschaftlichen Zusammenbruch nicht leisten.“ Es müssten ja auch weiter Hilfen gezahlt werden können für die geschlossenen Bereiche. „Wo soll das denn sonst herkommen“, sagte Fuest.
Die Corona-Krise müsse nicht zwangsläufig zu einer Pleitewelle führen. Die betroffenen Branchen seien begrenzt. „Natürlich wird es mehr Insolvenzen geben“, sagte der „Ifo“-Präsident weiter. „Aber wir können ohne eine massive Insolvenzwelle durch diese Pandemie kommen, wenn wir es richtig angehen.“
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