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Corona-Portraits: „Und wie kommen Sie durch die Pandemie?“
SNA porträtiert Selbstständige in der Krise.

Existenznöte im Lockdown – wie Berliner Gastronom und Tätowiererin damit umgehen

© Foto : @ke_blacktattoo / InstagramTätowiererin Karina bei der Arbeit
Tätowiererin Karina bei der Arbeit - SNA, 1920, 24.01.2021
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Über Monate hinweg konnten sie nicht arbeiten; dann ein Hoffnungsschimmer im Sommer – und nun der neuerliche Lockdown. Künstler und Gastronomen treffen die Corona-Maßnahmen mit voller Härte. SNA hat mit zwei Betroffenen gesprochen.
Sie sei keine Ärztin oder Expertin, deswegen wolle sie sich kein Urteil darüber erlauben, ob die nun beschlossenen Maßnahmen sinnvoll seien, sagt Karina Tyuleubekova, eine junge Tätowiererin, die erst 2019 aus Russland gekommen ist und seither als Selbstständige in einem Berliner Tattoo-Studio arbeitet.
„Die neuen Maßnahmen sind so unerwartet verkündet worden, dass ich meine Kundentermine dicht an dicht auf die letzten Tage legen musste. Hätte man – wie beim ersten Lockdown – finanzielle Hilfen in Aussicht gestellt, hätte man den Zwangsurlaub mit etwas mehr Ruhe antreten können. Damals wurden den Kleinunternehmern und Betrieben ordentliche Finanzhilfen für drei Monate ausgezahlt, sodass der erste Lockdown ohne große Verluste verlaufen ist. Aber meine Ausgaben sind ja auch nicht hoch, da ich keine Mitarbeiter bezahlen muss und meine Miete relativ niedrig ist.“
© Foto : Alexander GrünerGastro-Bar „Kvartira 62“ in Berlin
Gastro-Bar „Kvartira 62“ in Berlin - SNA, 1920, 16.02.2021
Gastro-Bar „Kvartira 62“ in Berlin
Was sie nicht ändern könne, müsse sie wohl akzeptieren. Aber sie verstehe nicht, warum Friseure weiterarbeiten dürften, Tattoo-Studios aber nicht.
„Solche halbherzigen Maßnahmen werden wohl kaum helfen, dafür aber den Lockdown verlängern.“
Tiefe Sorgenfalten treibt der neuerliche Lockdown auch Alexander Grüner auf die Stirn. Seit zehn Jahren betreibt der Berliner Gastronom mit russischen Wurzeln die Kreuzberger Kiezkneipe „Kvartira 62“. „Kvartira“ heißt übersetzt „Wohnung“, und so fühlt sich das Ambiente des kleinen, gemütlichen Lokals auch an. Der Familienbetrieb mit fester Belegschaft und hausgemachtem russischem Essen bewirtet seine Gäste in Wohnzimmeratmosphäre, an den Wänden hängen Bilder und eine riesige Matrjoschka.
„Wir sind Nachbar, Kuschelecke, Wodkareich, Musikmacher, Zuhörer, Erzähler, Fassbier-ist-alle-Sager, wir sind Tatort-gemeinsam-Gucker, Ort für Wortwechsel und unterhaltsame Streitkultur. Wir jonglieren mit Pelmeni, schlagen eure White Russians cremig und vergessen auch mal euren Moscow Mule. Sorry! Doch wir sind verdammt gerne für euch da“, so die Selbstbeschreibung des russischen Szenelokals.

„Wir haben uns bemüht, mit den ganzen Regeln klarzukommen ..."

Mit dem gemütlichen Beisammensein in der „Kvartira 62“ ist es nun vorbei – schon wieder. Bereits der erste Lockdown im Frühjahr hatte den Familienbetrieb schwer getroffen: Grüner hatte den Laden für zwei Monate schließen müssen. Doch die 5000 Euro an staatlichen Hilfen seien glücklicherweise recht schnell ausgezahlt worden und hätten die laufenden Kosten gedeckt. Dennoch habe sich die „Kvartira 62“ noch immer nicht vom ersten Lockdown erholt, so der Betreiber.
„Wir haben uns bemüht, mit den ganzen Regeln klarzukommen, hat aber nichts gebracht. Wir haben 40 Prozent Umsatz eingebüßt, da auch die Touristen im Sommer ausgeblieben sind.“
Sich nach Nebenjobs umsehen wollen Karina Tyuleubekova und Alexander Grüner trotz der ungewissen Aussichten nicht. Ein paar Monate werde sie ohne Arbeit wohl überleben, so die junge Tätowiererin.
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In den letzten Monaten habe sie sehr viel gearbeitet, denn nach Ende des ersten Lockdowns habe sie mehr Kunden gehabt als zuvor. Und sollte ihre Branche dann hierzulande immer noch einem Berufsverbot unterliegen, würde sie vielleicht auch für eine Zeit lang zurück nach Russland gehen und dort arbeiten.
Alexander Grüner und seine Kollegen versuchen derweil, über die Plattform „Go fund me“ Spenden für den Erhalt ihres Lokals zu sammeln. Außerdem hoffe er, dass ihm bei einer Teilöffnung zumindest die Möglichkeit eingeräumt werde, Essen zum Mitnehmen zu verkaufen.
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