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„Hinter jeder Zahl steht ein Schicksal“: Steinmeier plant Trauerakt für Corona-Opfer

© REUTERS / ANNEGRET HILSEBundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Bellevue-Palast in Berlin, 7. Januar 2021
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Bellevue-Palast in Berlin, 7. Januar 2021 - SNA, 1920, 22.01.2021
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Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier will laut einer Mitteilung von Freitag eine zentrale Feier zum Gedenken an die Opfer der Corona-Pandemie nach Ostern veranstalten.
Gemeinsam mit den anderen Verfassungsorganen wolle er damit „ein Zeichen setzen, dass wir als Gesellschaft gemeinsam trauern, dass wir die Toten und das Leid der Hinterbliebenen nicht vergessen“, teilte das Bundespräsidialamt mit. Steinmeier sagte später in einer Online-Gesprächsrunde mit von der Pandemie betroffenen Bürgern, eine Gedenkfeier sei aktuell wegen der hohen Infektionszahlen noch nicht zu realisieren. Er hoffe aber, dass dies nach Ostern gehe.
In Deutschland sind seit Beginn der Pandemie vor rund einem Jahr mehr als 50.000 Menschen im Zusammenhang mit dem Coronavirus gestorben, wie das Robert Koch-Institut (RKI) am Freitag mitteilte.
„Das ist eben nicht nur eine Zahl, das ist nicht nur ein statistischer Wert, den wir heute zur Kenntnis nehmen und der sich morgen wieder verändert“, sagte Steinmeier in der Gesprächsrunde. „Sondern hinter jeder Zahl steht ein Schicksal. Es ist ein Mensch verloren, der uns am Herzen lag.“

Aktion „#lichtfenster“

Zugleich rief Steinmeier alle Bürger zu einem „Zeichen des stillen Gedenkens“ auf: Bis zu dem geplanten Trauerakt sollten sich möglichst viele Menschen an einer Aktion „#lichtfenster“ beteiligen, ein Licht in ihre Fenster stellen und auch ein Bild davon mit dem Hashtag #lichtfenster in den sozialen Medien teilen. Im Schloss Bellevue werde gut sichtbar ein Licht im zentralen Fenster über dem Portal leuchten.
„Wir stellen ein Licht ins Fenster. Ein Licht der Trauer, ein Licht der Anteilnahme, ein Licht des Mitgefühls“, sagte der Bundespräsident in einem Aufruf. „Für zu viele Menschen in unserem Land sind diese Corona-Wochen schrecklich dunkle Wochen.“ Viel zu viele müssten um Angehörige trauern. Viel zu viele kämpften auf den Intensivstationen und in den Pflegeheimen um ihr Überleben. Viel zu viele müssten um geliebte Menschen bangen. „Deutschland stellt ein Licht ins Fenster, weil jedes 'Lichtfenster' uns miteinander verbindet. Unser Licht spendet Wärme, unser Licht zeigt Mitgefühl in einer dunklen Zeit.“
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Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, rief die Bürger dazu auf, sich an der Aktion zu beteiligen und dabei für die Gestorbenen und ihre Angehörigen, für Ärzte und Pflegekräfte sowie für Einsame und Kranke zu beten. „Mit der Kerze in meinem Fenster sage ich: Die Angehörigen der Toten sind nicht allein. Für die Verstorbenen brennt ein Licht. In meinem Fenster. An meinem Ort, wo ich für sie bete“, so Bischof Bätzing.
Der Vorsitzende der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, rief dazu auf, zusätzlich auch ein „Lichtermeer“ vor Alten- und Pflegeheimen zu entzünden. Dies wäre eine Mahnung und würde die Orte sichtbar machen, wo schätzungsweise 30.000 bis 35.000 der insgesamt mehr als 50.000 Toten zu beklagen seien.
In der „Bürgerlage“ genannten Gesprächsrunde kritisierte Steinmeier diejenigen, die sich nach wie vor nicht an die Corona-Schutzmaßnahmen halten. „Einige wenige Ignoranten oder diejenigen, die aus nicht nachvollziehbaren Gründen sich an den Maßnahmen nicht orientieren, ihre Lebenshaltung anders gestalten, können manches gefährden“, warnte er. Sie könnten „vor allem dafür sorgen, dass die Beschränkungen noch länger anhalten, als wir uns das alle wünschen“.
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