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„Im Juli ist es zu spät“: Der verbockte Impfstart als „riesige Erfolgsgeschichte“

© SNA / Christian MangCorona-Lockdwon in Berlin
Corona-Lockdwon in Berlin - SNA, 1920, 22.01.2021
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„Von einer neuen Strategie keine Spur“, lautet das Fazit, das der „Maybrit Illner“-Talk am Donnerstag zur jüngsten Ministerpräsidenten-Konferenz zog. In ihrer Corona-Strategie ist die Regierung am Ende ihrer Weisheit – sie weigert sich aber, die Fehler zuzugeben. Selbst den verbockten Impfstart bewertet sie als „riesige Erfolgsgeschichte“.
„Ich sehe bei den Bürgern eine große Verunsicherung und inzwischen auch eine große Wut – und das vollkommen zurecht“, stellte Spiegel-Kolumnist und Blogger Sascha Lobo in der Sendung fest. Wut unter anderem darauf, dass die Regierung nicht in der Lage sei, ihre Beschlüsse „einigermaßen sauber und nachvollziehbar zu kommunizieren“. Etwa „warum das Eine geht und das Andere nicht“?
Der Hauptsinn der jüngsten Beratung bei der Kanzlerin: Der Lockdown werde zwar erneut um mehrere Wochen verlängert, die Restriktionen würden aber nur unwesentlich verschärft. Das Homeoffice beispielsweise – mittlerweile eine Pflicht in anderen Ländern – werde in Deutschland aber, so Lobo, ziemlich „labberig“ reglementiert.

„Corona-Strategie miserabel kommuniziert“

Bemerkenswert ist, dass diesmal Wirtschaftsleute in der Talk-Runde fehlten: Niemand konnte insofern konkrete Zahlen nennen, was jeder weitere Lockdown-Tag kostet. Nicht präsent waren auch die klugen mathematischen Köpfe, die für die Regierung berechnet haben sollten, wie lange der vorherige, der jetzige und vielleicht auch der nächste Lockdown zu dauern hat, damit das Virus nun endlich „tot“ sei. Langsam müsste die Regierung einsehen, dass all die mathematischen Formeln und Modelle, mit denen die Dauer der bisherigen Lockdowns argumentiert wurde, sich als ziemlich realitätsfremd erwiesen haben.
Nichtsdestotrotz strahlte der Chef des Bundeskanzleramtes Helge Braun, wie auch immer, Seelenruhe und Zuversicht aus: Alles laufe nach Plan, die Regierung habe alles unter Kontrolle. Und gerade das schien Lobo ganz besonders auf die Palme zu bringen. Brauns Auftritt in dem „gut besuchten“ TV-Talk wäre doch nach Ansicht des Journalisten eine „fantastische Gelegenheit“, im Namen der Regierung, die das Vertrauen der Bevölkerung infolge ihrer „miserabel kommunizierten Corona-Strategie“ in extremer Weise verspielt hätte, endlich Versäumnisse und Fehler zuzugeben.

„Die Phase der Impfstoff-Knappheit wird sechs bis acht Wochen dauern“

Der Regierungspolitiker folgte jedoch diesem Rat nicht. Auch den Start der Impf-Kampagne hätte man keinesfalls „verbockt“, betonte er. Niemand habe „versprochen“, sagte Braun, dass die Kampagne bereits gleich nach der Zulassung des ersten Impfstoffs Ende Dezember massiv losgehen würde.
Da stimmt doch etwas nicht, lieber Herr Braun. Wenn das wirklich so ist, wie Sie sagen – warum hat man dann die Bundesländer angefeuert, möglichst schnell recht kostspielige Impfzentren aufzubauen, die nun wochen- und monatelang leer stehen müssen?
Wie der Chef des Bundeskanzleramtes bei „Maybrit Illner“ nämlich bekanntgab, werde „die Phase der Knappheit sechs bis acht Wochen dauern“ – erst dann würde man Impfstoffe in Hülle und Fülle haben und erst dann würden sich auch die Impfzentren füllen. „Die Geschichte entwickelt sich eigentlich sehr günstig für uns“, schlussfolgerte er – und nicht einmal die angeführten Zahlen aus Israel, wo bereits ein Drittel der Bevölkerung geimpft ist, oder aus Großbritannien (sieben Prozent) konnten ihn in seiner Seelenruhe stören.

„Warum vergleichen wir uns nicht mit Afrika?“

Der aber an der Stelle der Kragen platzte, war Manuela Schwesig.

„Dass jetzt andere Länder viel mehr Impfstoff haben und wir nicht, das kann man den Menschen nicht erklären.“

Manuela Schwesig - SNA
Manuela Schwesig
Ministerpräsidentin Mecklenburg-Vorpommern
„Dass jetzt andere Länder viel mehr Impfstoff haben und wir nicht, das kann man den Menschen nicht erklären“, empörte sich die aus Schwerin zugeschaltete Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern.

„Dass wir jetzt viele Tage nicht ausreichend impfen können, bedeutet, dass wir das später auch nicht so einfach nachholen. Wenn dann ohne Ende Impfstoff da ist im Juli, ist es zu spät. Denn wir reden hier die ganze Zeit über die Mutation. Die droht uns jetzt und natürlich würde jede Impfung uns schützen.“

Manuela Schwesig - SNA
Manuela Schwesig
Ministerpräsidentin Mecklenburg-Vorpommern
„Ich bin total enttäuscht, was da gelaufen ist, muss ich klar sagen“, fügte sie hinzu.
„Und ich finde, da sollte man auch nicht um den heißen Brei herumreden, da würde ich mir eher wünschen, dass Frau von der Leyen, Frau Merkel und Herr Spahn sagen: ‚Das ist schlecht gelaufen und jetzt versuchen wir, das irgendwie wieder gut zu machen.‘“
Von den drei Herrschaften, die Schwesig genannt hat, war aber an dem Abend keiner in der ZDF-Sendung zu Gast. Herr Spahn hatte sich zwar eine Woche vorher von Maybrit Illner kurz zu der Problematik interviewen lassen – aber auch er wies damals jede Schuld für die Impfstoff-Knappheit von sich.
Impfzentrum in Berlin - SNA, 1920, 15.01.2021
„Wir suchen jetzt nach Krematorien“: Impfstoff bleibt knapp, Lockdown wird härter
Christiane Woopen, Vorsitzende des Europäischen Ethikrates, versuchte zwar, der Diskussion eine globalere und, wenn man so will, ethisch und politisch korrekte Wende zu geben: „Warum vergleichen wir uns denn nur mit den USA und mit Kanada?“, fragte sie. „Wir müssen uns doch auch mit Afrika vergleichen und auch unsere Verantwortung als westliche Länder sehen, dass dort Menschen sind, die vielleicht erst in zwei Jahren mal irgendwie nennenswert an den Impfstoff kommen.“
Niemand im Studio schien aber an dem Abend bereit zu sein, Deutschland mit Afrika zu vergleichen. Unerwähnt blieb auch, dass Ungarn am Donnerstag als erstes EU-Land die Anwendung des russischen Impfstoffs Sputnik V bei sich zugelassen hat – ob das nur aus Zeitmangel oder aus gewissen politischen Erwägungen nicht geschah, sei dahingestellt.
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