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Kinderärzte fordern Kitas und Schulen offen zu lassen

© REUTERS / KAI PFAFFENBACHUnterricht zuhause wegen Corona-Lockdowns
Unterricht zuhause wegen Corona-Lockdowns - SNA, 1920, 21.01.2021
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Zwei große Medizinverbände sprechen sich dafür aus, Schulen und Kindertagesstätten in der COVID-19 Pandemie geöffnet zu lassen. Kinder erkranken selbst nur sehr selten schwer an COVID-19 und geben die Infektion seltener weiter – sie seien kein Treiber der Pandemie. Die Schäden durch die Schließung der Einrichtung seien für die Kinder gravierend.
Die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) und die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) haben eine aktualisierte Stellungnahme zur Rolle von Schulen und Kindertagesstätten in der COVID-19 Pandemie veröffentlicht. Mit Ausweitung und Verbesserung der bestehenden AHA+L-Regeln sowie ergänzenden Maßnahmen können Kitas und Schulen auch bei hohen Infektionszahlen offenbleiben, erklären die Mediziner.

Experten international einig: Schulen und Kitas offen lassen

Die deutschen Mediziner berufen sich auf diverse aktuelle internationale Studien und Richtlinien, unter anderem vom  US-amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention (CDC) und von der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Beide Institutionen weisen auf die altersbedingten Unterschiede von Grund- und Sekundarschülern hin, geben detaillierte Hinweise zur den Maßnahmen der Infektionsprävention und empfehlen vor Schulschließungen alle anderen Möglichkeiten auszuschöpfen, da die nachgewiesenen Folgeschäden eines Lockdowns für Kinder- und Jugendliche mitberücksichtigt werden müssten. Auch die Europäische Gesundheitsbehörde (ECDC) ist in einer Datenanalyse kurz vor Weihnachten zu einer ähnlichen Einschätzung der Rolle von Schulen und Kitas in der COVID-19-Pandemie gekommen.

Kernbotschaften zum Thema Schulen und Kitas in der Pandemie

Die deutschen Mediziner leiten aus diesen internationalen Verlautbarungen und ihren eigenen Erkenntnissen folgende Kernbotschaften ab:
Kinder erkranken selbst nur sehr selten schwer an COVID-19.
Kinder jeden Alters sind grundsätzlich empfänglich für SARS-CoV-2 und können das Virus übertragen. Jüngere Kinder scheinen weniger anfällig für Infektionen zu sein; wenn sie infiziert sind, führt dies seltener zu einer Weitergabe der Infektion.
Kinder in Gemeinschaftseinrichtungen nehmen am Infektionsgeschehen teil, sind aber nach aktuellem Wissensstand selbst kein Treiber der Pandemie.
Schulen und KiTas sind für Kinder und Jugendliche systemrelevant, denn sie treffen im Kern ihre sozialen und intellektuellen Grundbedürfnisse und bestimmen entscheidend ihre psychosoziale Entwicklung; Schulen und Kitas spielen eine wesentliche Rolle bei der Aufdeckung medizinischer oder sozialer Probleme und tragen zur Prävention von Kindeswohlgefährdung bei. Jedwede Einschränkung der Grundrechte von Kindern und Jugendlichen, die ihnen fremdnützig auferlegt werden, bedarf einer strengen ethischen Abwägung und v.a. auch einer wissenschaftlich konkret belegbaren Rechtfertigung.
Schulschließungen können nur das letzte Mittel sein. Es gibt eine Reihe konkret benennbarer Interventionen, die davor eingeführt und konsequent umgesetzt werden müssen, z.B. Etablierung der AHA+L Regel, Masken etc. in den Schulen und auf den Schulwegen, strukturiertes Ausbruchsmanagement, Etablierung hygienebeauftragter Lehrer etc.

Empfehlung an die Politik und die öffentliche Debatte

Die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) und die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) empfehlen den politischen Entscheidungsträgern mit Nachdruck, diese Kernbotschaften als Richtschnur des koordinierten Pandemiemanagements in Deutschland aufzunehmen.
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Tatsächlich ist die momentane Debatte in der Öffentlichkeit um die Rolle der Schulen und weiterer Gemeinschaftseinrichtungen für Kinder und Jugendliche durch erhebliche Defizite in der Analyse vorhandener Daten gekennzeichnet. Ohne dass dies anhand wissenschaftlicher Daten konkret belegt werden kann, wird weiterhin vorgetragen, Schulen seien Hotspots der Pandemie mit einer sehr hohen („gefährlichen“) Dunkelziffer nicht erkannter SARS-CoV-2-Infektionen bei asymptomatischen Kindern und damit ein hohes Gefahrenpotential im Rahmen der Pandemieentwicklung in Deutschland. 

Kollateralschäden für Kinder durch Schließung von Schulen und Kitas

Die Mediziner warnen eindringlich vor den Kollateralschäden der schon lange anhaltenden Schul- und Kita-Schließungen. Die Schließung der Schulen führe zu einem Bildungsdefizit und zur Bildungsungerechtigkeit mit besonderer Benachteiligung von Kindern aus sozioökonomisch schwächeren Familien und Kindern mit besonderen Bedarfen. Generell führe die Schließung der Gemeinschaftseinrichtungen häufig zu langer Internet-Nutzung und Gefährdung durch Spielsucht bei Jugendlichen, zu einem ungünstigen Ernährungsverhalten mit wenig Sport und Entwicklung von Fettsucht, einer weiteren Benachteiligung sozioökonomisch bereits benachteiligter Familien und ihrer Kinder und dem mindestens teilweisen Wegfall der Nutzungsmöglichkeit gewohnter Hilfsangebote wie Sportvereine, Spielplätze, Schwimmbäder, Jugendämter, niedergelassene Kinder- und Jugendärzten und beschützende Werkstätten. Entsprechend führe die Pandemie zum Sinken der Lebensqualität von Kindern und Jugendlichen und einer Zunahme psychischer Auffälligkeiten und psychosomatischer Beschwerden.

Schulen und Kitas sind systemrelevant

Die Mediziner der DGPI und der DGKH weisen in ihrer Stellungnahme darauf hin, dass Kinder und Jugendliche kaum eine Lobby haben und es deshalb Aufgabe der Politik sei, deren Rechte zu wahren. 
Dies erfordere „die faktische Anerkennung, dass Schulen und Kitas systemrelevant sind.“
Die in vielen Studien und Beobachtungen festgestellten massiven Beeinträchtigungen und Benachteiligungen von Kindern und Jugendlichen im Rahmen eines Lockdowns, der die Schließung von Gemeinschaftseinrichtungen für Kinder und Jugendliche vorsieht, sollen bei politischen Entscheidungen, wie auch immer sie ausfallen, zwingend berücksichtigt werden, fordern die Mediziner.
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