Übertragung von Corona – Sprechen schlimmer als Husten?

© REUTERS / COSTAS BALTASMenschen sprechen miteinander auf einem Bank im Vorort von Athen Faliro, 10. Januar 2021
Menschen sprechen miteinander auf einem Bank im Vorort von Athen Faliro, 10. Januar 2021 - SNA, 1920, 21.01.2021
Sprechen könnte zu mehr Covid-19-Ansteckungen führen als Husten, besonders in schlechtbelüfteten Räumen. Eine neue Studie zeigt anhand mathematischer Modelle, dass beim Sprechen wenige Sekunden ausreichen, damit Coronaviren bis zu zwei Meter weit fliegen.
Britische Forscher haben anhand mathematischer Modelle nachverfolgt, wie Covid-19-Teilchen sich in Innenräumen ausbreiten – in Abhängigkeit von der Raumgröße, der Anzahl der Menschen, die sich darin befinden, und davon, ob sie Schutzmasken tragen und wie der Raum belüftet ist. Die Ergebnisse ihrer Studie haben die Wissenschaftler von University of Cambridge and Imperial College London im Fachjournal „Proceedings of the Royal Society A“ veröffentlicht.
Der mathematische Versuch hat ergeben, dass ein andauerndes Gespräch zwischen zwei Personen, die keine Schutzmasken tragen, in einem schlechtbelüfteten Raum mit höherer Wahrscheinlichkeit zur Übertragung des Virus führen wird als ein kurzes Husten.
Das medizinische Personal führt am 10. Dezember 2020 im Krankenhaus Robert Bosch in Stuttgart, Süddeutschland, einen SARS-CoV-2-Antigen-Schnelltest durch - SNA, 1920, 13.01.2021
Forscher mahnen zu Vorsicht bei Corona-Schnelltests
In einem modellierten Szenario entdeckten die Forscher, dass nach einem kurzen Husten die Anzahl infektiöser Partikel in der Luft sich nach einer bis sieben Minuten erheblich reduzierte. Nach einem nur 30 Sekunden dauernden Gespräch sank die Zahl der Ansteckungsteilchen indes erst nach einer halben Stunde auf ein vergleichbares Niveau. Und selbst nach einer ganzen Stunde blieb immer noch eine beträchtliche Zahl der infektiösen Partikel in der Raumluft.

Umherschweifende Viren

Die Erklärung der Wissenschaftler: Beim Sprechen sondern wir Kleinstpartikel ab, die in der Luft verweilen, sich ausbreiten und sich in schlechtbelüfteten Bereichen ansammeln. Beim Husten hingegen entstehen vergleichsweise schwere Tröpfchen, die bald zu Boden sinken, statt in der Luft zu bleiben. Diese können sich allerdings auf Oberflächen absetzen.
Das Tragen einer Maske verringert also die Zahl der Viren in der Luft, betonen die Autoren der Studie. In Innenräumen ist aber auch eine ausreichende Lüftung besonders wichtig. In einem weiteren mathematischen Modell fanden die britischen Forscher heraus, dass das Risiko einer Ansteckung mit dem Coronavirus, wenn jemand eine Stunde lang in einem geschlossenen Raum spricht, bis zu 20 Prozent beträgt: ein Wert, der auf ein Drittel fällt, sofern die Raumluft innerhalb einer Stunde zehn Mal komplett ausgetauscht wird (von einem gut belüfteten Raum spricht man, wenn der Luftaustausch zehn bis zwanzig Mal pro Stunde stattfindet).
„Lüftung ist das Allerwichtigste, um das Infektionsrisiko in Innenräumen zu minimieren“, schreiben die Autoren der Studie. „Mit unserem Versuch haben wir gezeigt, wie diese Partikel sich über lange Zeit in Räumen ansammeln können, und wie dies durch angemessene Lüftung verringert werden kann.“
Die Forscher haben ihre Erkenntnisse genutzt, um ein spezielles Onlinetool zu entwickeln: Mit der Airborne.cam könne exakt nachvollzogen werden, ob die Belüftung von Räumlichkeiten zur Verringerung des Ansteckungsrisikos ausreichend ist. Das Tool dürfte besonders für Schulklassen und Großraumbüros von Interesse sein.
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