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Polizei erfasst über 1000 neue „Gewalttäter Sport“ trotz Geisterspielen – wie geht das?

© AFP 2020 / MARTIN MEISSNEREin Fußballspiel in Deutschland (Symbolbild)
Ein Fußballspiel in Deutschland (Symbolbild) - SNA, 1920, 20.01.2021
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Seit Beginn des ersten pandemiebedingten Shutdowns im März 2020 hat die Polizei in der „Datei Gewalttäter Sport“ 1056 neue Personen eingetragen, also vermeintliche Deliquenten, vorzugsweise Fußballfans. Das berichtet die Zeitung „Junge Welt“.
Woher die über 1000 neuen „Gewalttäter“ kamen, wo doch die Spiele in den Profiligen unter Ausschluss des Publikums stattfanden – darauf fand auch das Bundesinnenministerium in seiner Antwort auf die Kleine Anfrage der Sprecherin für Sportpolitik des Bundestagsfraktion der Grünen, Monika Lazar, keine Antwort.
Wie die „Junge Welt“ berichtet, würden in der Datei nicht nur Gewalttaten erfasst. Oft reichten schon eine Personalienfeststellung, ein Platzverweis oder eine Beleidigung, um einen Eintrag zu kassieren.

Geisterspiele ohne Publikum, aber reale Gewalttäter?

Wie nun aber zwischen März und Dezember, als coronabedingt gar keine Fans in den Stadien zugelassen waren, die Polizei neue Gewalttäter aufdecken konnte, kann sich auch Fan-Anwalt René Lau nicht erklären. „Bis zum Mai 2020 hätte ich noch nachvollziehen können, dass Daten über die besuchten Spiele zu Jahresbeginn noch eingehen. Doch in der Auskunft vom Bundesinnenministerium steht, dass selbst in der Sommerpause neue Einträge hinzukamen“, sagte der Strafverteidiger dem Magazin „11 Freunde“. Er wünsche sich, dass in dieser Sache seitens der Parlamentarier noch einmal nachgehakt werde. Grünen-Politikerin Monika Lazar hätte schon die erste Anfrage dazu gestellt und man müsse da anknüpfen.
Er schließe zwar nicht aus, dass einige Daten auch außerhalb von Stadien, bei den sogenannten „Ackermatches“ aufgenommen worden sind, doch davon erfahre die Polizei in der Regel nichts.

„Der Kernkritikpunkt an der Datei ist ohnehin, dass jeder Fan ohne rechtskräftige Verurteilung aufgenommen werden kann. Es reicht eine Polizeikontrolle und Sie gelten mitunter jahrelang als Gewalttäter Sport. Und Sie erfahren in der Regel davon auch nichts. Die Polizei hat völlig freie Hand bei der Einspeisung. Diese Verbunddatei kann von allen Dienststellen des Landes eingesehen und bespielt werden.“

René Lau
Rechtsanwalt, vertritt oft Fußballfans
Um zu erfahren, ob der eigene Name in der Datei geführt wird, müsse der Fan sich mit einem Schreiben und einer Kopie des Personalausweises an die Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze wenden, so der Jurist. Will man gegen die Eintragung vorgehen, müsse man sich an die Polizeibehörde wenden, die den Fall erfasst hatte. Die Polizei habe leider das Recht, Daten nach Gutdünken einzuspeisen, erklärt der Anwalt. „Der Punkt aus meiner Sicht ist: Wie verhältnismäßig ist die Eintragung? Ich fordere seit Jahren, dass jeder Betroffene auch informiert wird.“ Diese Transparenz bleibe aus. Außerdem bestünden zwar Fristen für die Löschung der Daten, aber daran halte sich niemand.
Immerhin scheint es ein Bewusstsein für die Problematik zu geben, auch in der Politik. In Berlin habe der rot-rot-grüne Senat in seinem Koalitionsvertrag eine Initiative zur Abschaffung der Datei festgeschrieben. Linke und Grüne seien sehr an der Umsetzung interessiert, doch die SPD bremse sie dabei aus.
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