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Interkulturelle Konflikte in Großstädten: Über konstruktive und destruktive Lösungen

© REUTERS / KAI PFAFFENBACHBlick auf die Stadtmitte von Frankfurt am Main
Blick auf die Stadtmitte von Frankfurt am Main - SNA, 1920, 20.01.2021
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Ob Sprache, politische Ansichten oder die Art und Weise, wie Religion ausgelebt wird – mit Migranten gelangen auch „neue Überzeugungen und Werteorientierungen“ in die Gesellschaft. Das birgt Potenzial für Konflikte. Forscher an der Universität Bielefeld untersuchen Wege, diese möglichst konstruktiv zu lösen.
Zwei große Migrationsbewegungen gab es in der jüngsten Geschichte der Bundesrepublik: die der Gastarbeiter und die der Geflüchteten. „Durch diese neuen Einwohner ist insbesondere in den Städten die Anzahl an interkulturellen Begegnungen stark angestiegen, und es gibt mehr kulturell unterschiedliche Gruppen im öffentlichen Raum“, erklärt der Migrationssoziologe Jörg Hüttermann vom Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG) an der Universität Bielefeld. „Es sind neue Formen von interkulturellem Miteinander entstanden. Die kulturelle Vielfalt in Schulen und Unternehmen und weiteren Organisationen nimmt zu.“

Hohe Dichte an interkulturellen Konfrontationen

Jörg Hüttermann ist fachlicher Leiter des neuen Projekts „Neuaushandlung lokaler Ordnungen“, das er mit seinen Kollegen Johannes Ebner und Denis van de Wetering initiiert hat. „Als Ballungszentren spielen Städte mit Blick auf interkulturelle Begegnungen eine besondere Rolle“, sagt Hüttermann. „In den Stadtquartieren leben Menschen in einer hohen Dichte zusammen – entsprechend hoch ist die Dichte der interkulturellen Begegnungen und Konfrontationen.“
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Ob Sprache, politische Ansichten oder die Art und Weise, wie Religion ausgelebt wird: „Mit neu hinzukommenden Menschen gelangen neue Überzeugungen und Werteorientierungen in die Gesellschaft“, sagt Denis van de Wetering, Konfliktforscher am Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) der Universität Osnabrück und assoziierter Wissenschaftler am IKG. „Dadurch werden etablierte Vorstellungen mit den neuen Vorstellungen konfrontiert. Wir gehen im Projekt der Frage nach, wie die damit verbundenen Konflikte gelöst werden.“

Konstruktive Lösungen

Wird ein Konflikt destruktiv ausgetragen, kann es unter anderem zu verbaler oder physischer Gewalt gegen Personen kommen. Werden die Konflikte konstruktiv gelöst, kann das dazu führen, dass sich kulturell unterschiedliche Gruppen einander angleichen oder sich miteinander arrangieren. „Das zeigt sich zum Beispiel dann, wenn Menschen mit Migrationshintergrund in politischen Gremien vertreten sind, wenn Schulen auch Unterricht in der Muttersprache eingewanderter Gruppen anbieten, aber auch wenn Probleme in der Nachbarschaft geklärt werden“, erklärt Johannes Ebner, Soziologe am IKG.
„Wir wollen in unserem Projekt Maßnahmen entwickeln, mit denen sich der Zusammenhalt in den Quartieren stärken lässt. Deshalb wollen wir herausfinden, wie die beteiligten Gruppen ihre interkulturellen Konfrontationen lösen und welche Rahmenbedingungen darauf einwirken“, sagt Konfliktforscher van de Wetering.

Behördliche Maßnahmen als Ansatzpunkt

Einen ersten Ansatz zur Verbesserung des Zusammenhalts haben die Forschenden bereits gefunden: „Vorstudien zum neuen Projekt weisen darauf hin, dass das interkulturelle Zusammenleben in Städten stark von staatlichen und behördlichen Maßnahmen beeinflusst wird“, meint Hüttermann. Es zeige sich allerdings, dass in der Planung solcher Maßnahmen momentan kaum die Perspektive der betroffenen Migranten berücksichtigt würde. Diese würden aber einen möglichen Ansatzpunkt darstellen, um das interkulturelle Miteinander zu verbessern.
Ziel der Forschenden ist es, zu ermitteln, wie Gruppen ihre Konfrontationen in Städten selbstständig aushandeln. „Wenn wir verstehen, welche Faktoren die Aushandlungen positiv beeinflussen, können diese künftig in der Stadtplanung berücksichtigt werden“, so van de Wetering. Dafür konzentrieren sich die Wissenschaftler vor allem auf zwei Schwerpunkte: Sie untersuchen die städtische Wohnsituation von Migranten und sie erheben, wie stark die kulturelle Vielfalt in den untersuchten Stadtteilen ausgeprägt ist. Dafür schauen sie sich von Migration geprägte Stadtteile in Dortmund, Bonn und Magdeburg an.
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